Von Holger Weber und Walter Haubrich
Bei Helmut Kohl und seinem damaligen spanischen Amtskollegen Felipe González entstand bei einer deutsch-spanischen Regierungskonsultationen 1989 in Sevilla eine echte Männerfreundschaft. Bis fünf Uhr morgens tagten die beiden. Am nächsten Tag lobte Helmut Kohl bei der Pressekonferenz den andalusischen Wein, der genauso gut wie ein Pfälzer Tropfen sei und keine Kopfschmerzen verursache. Einer Übersetzerin hätten die beiden am frühen Morgen nicht mehr bedurft, hieß es.
Ein Abend mit Folgen. ýIm Laufe unserer engen Zusammenarbeit wuchs zwischen uns gegenseitiges Vertrauen, das uns bis heute verbindet", so Kohl in seinen Memoiren. Besonders in der Frage der deutschen Einheit fand der Bundeskanzler in González einen verlässlichen Partner. In der Runde der europäischen Staats- und Regierungschefs sei der Spanier ein ýwirklicher Anwalt für die deutsche Einheit" gewesen.
Mit José María Aznar, dem Nachfolger von González, konnte hingegen weder Helmut Kohl noch sein Nachfolger Gerhard Schröder viel anfangen. In Diplomatenkreisen erzählt man sich die Anekdote, dass Kohl eines Morgens missmutig im Kanzleramt erschienen sei. Nach dem Grund für seine schlechte Laune befragt, habe er erwidert: ýHeute Nachmittag kommt doch dieser kleine Spanier mit dem Schnurrbart. Ich weiß nicht, was ich mit ihm reden soll." Ob da auch die Trinksitten eine Rolle gespielt haben? Bei dem ersten gemeinsamen Gipfel jedenfalls lud der Deutsche seinen Amtskollegen in ein Bierlokal in Heidelberg ein. Zu Studentenzeiten hatte der Altkanzler dort lustige Stunden verbracht. Aznar aber winkte ab, er trinke kein Bier, und bestellte sich ein Glas Wasser.
Noch weniger zu sagen hatten sich Gerhard Schröder, der EU-Netto-Zahler und Golfkrieg-Gegner, und José María Aznar, der EU-Netto-Empfänger und Golfkriegs-Befürworter. Immerhin wussten die beiden ihre Sprachlosigkeit pragmatisch zu kaschieren: Anstatt über Politik zu reden, setzten sich die beiden bei einem Treffen in Berlin einfach vor den Fernseher und guckten Fußball.