Karwoche in Palma: Wenn Tausende Büßer durch die Gassen ziehen

20-03-2008  
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Während in Deutschland noch die Eier bemalt werden, ist in Spanien Ostern schon voll im Gange. Mit dem Palmsonntag ist die Semana Santa eingeläutet worden, und seither vergeht kein Tag ohne die viel beachteten Prozessionen. Bei den düsteren Umzügen erinnern die Büßer mit ihren hohen, spitzen Mützen an Mitglieder des Ku-Klux-Klans. Manche tragen Kreuze auf dem Rücken, Ketten an den Füßen oder laufen zur Buße ohne Schuhe. Touristen und Kindern erscheint das öffentliche Schauspiel oft als befremdlich oder sogar furchteinflößend. 

Von Silke Droll

Bei der Inszenierung des Leidenswegs Christi sind die Teilnehmer unter ihrem Gewand, das oft nur Augenschlitze frei lässt, nicht zu erkennen. Begleitet von getragener, religiöser Musik schultern oder ziehen sie auf tragbaren Altaren (pasos) Marienstatuen, Kreuzigungs- und Grablegungsszenen aus den Kirchen durch die Straßen. Besonders bekannt sind die Prozessionen in Andalusien, wo den Jungfrauen von den Zuschauern auch mal laut zugejubelt wird oder sie besungen werden.

Ruhiger verläuft die Karwoche auf Mallorca. „Wir haben eine andere Mentalität, wir gehen die Karwoche ernster an", sagt Rafel Pericàs Ballester, der Präsident der 32 Bruderschaften in Palma, die die einzelnen Prozessionen gestalten. Der Zulauf zu den Bruderschaften (cofra-días) sei groß. Auch viele junge Menschen begeisterten sich für die Tradition. Seit sich in den 80er Jahren immer mehr
cofradías den Frauen öffneten, machen ganze Familien bei dem religiösen Spektakel mit.

Die Beweggründe sind vielfältig. „Manche tun es wirklich zur Buße, andere aus Tradition, Neugier oder Gemeinschaftsgefühl", sagt Pericàs. Rund 4.000 Büßer seien in der Karwoche allein in Palma unterwegs. Darüber hinaus gebe es in jeder Gemeinde drei bis sieben Bruderschaften. Neugründungen seien in Palma mittlerweile gestoppt worden, sagt Pericàs. „Sonst gäbe es einfach zu viele Prozessionen." Vor sechs Jahren seien die Umzüge, die früher nur im Zentrum stattfanden, auch in die Stadtteile verlegt worden, um die Semana Santa zu entzerren.

Detailgenauer Dresscode
Die Bruderschaften heben sich durch ihren detailgenau festgelegten Dresscode mit Gewändern, Mützen und Gürteln in unterschiedlichen Farben voneinander ab. Nur sechs Bruderschaften tragen heute noch die
pasos, die Gestelle mit den Heiligen- oder Christusfiguren, auf den Schultern durch Palma. Dafür müssen die 25 bis 30 Träger wochenlang vorher ihre Muskeln trainieren. Die anderen Bruderschaften rollen ihren paso auf Rädern durch die Stadt.

Den Höhepunkt der Karwoche bildet die Prozession in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, bei der alle Bruderschaften der Stadt in einem gemeinsamen Umzug in Palma unterwegs sind. „Das dauert von sieben Uhr abends bis zwei Uhr morgens. Man braucht echtes Durchhaltevermögen", sagt Pericàs. Bei dem Umzug wird auch die auf Mallorca besonders verehrte Christusfigur Sant Crist de la Sang aus der Kirche des Hospitals General durch die Straßen getragen. Die Prozession des Christus gilt auch als Ursprung der Karwochen-Umzüge auf Mallorca, der erste Beleg dafür stammt aus dem Jahr 1554. „Früher wurde die Statue von Kloster zu Kloster getragen, damit ihn die Mönche, die dort in Klausur lebten, sehen konnten", sagt Pericàs. Die Wegstrecke sei größtenteils beibehalten worden.

Im Mittelalter organisierten noch die Zünfte die Prozessionen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die heute bekannten Bruderschaften auf der Insel gegründet. „Seitdem werden auch die heute typischen Gewänder getragen, die Mönchen nachempfunden ist. Vorher hatten die Büßer normale Kleidung an", sagt Pericàs. Der Brauch sei vom Festland auf die Insel geschwappt. Mallorquinische Eigenheiten gibt es aber auch. „Hier schenken die Büßer den Kindern confites, Süßigkeiten aus Mandeln und Zucker." Außerhalb Palmas ist laut Pericàs besonders die Karfreitags-
prozession in Pollença sehenswert. Dort wird die Christusfigur der Kirche auf dem Kalvarienberg abgenommen und bei einer Prozession die Treppenstufen hinunter ins Dorf getragen.

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