Schwitzen hinter den Kulissen: Wie es im Hotel zur Sache geht

21-08-2008  
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Hinter den Kulissen des Hotels wird geschuftet. Fotos: Bendgens

JUTTA CHRISTOPH UND SILKE DROLL Während die Augustwochen für Feriengäste zur schönsten Zeit des Jahres gehören, muss hinter der Hotel-Fassade alles wie am Schnürchen funktionieren. In diesen Wochen ist das Drei-Sterne-Hotel Sol Antillas Barbados in Magaluf, eines der größten Hotels auf der Insel, zu 98 Prozent ausgebucht. Und das bedeutet, 250 Angestellte kümmern sich rund um die Uhr um das Wohl von rund 1.900 Gästen. Im Schnitt kommt ein Mitarbeiter auf 7,5 Gäste.

In Magaluf ist ein solches Verhältnis normal, zumindest im Sommer. Dann wächst der circa 4.200 Einwohner zählende Ort in der Gemeinde Calvià um ein Vielfaches. Das reibungslose Zusammenspiel zwischen Entspannung auf der einen und Arbeit auf der anderen Seite scheint kein Problem zu sein. Die MZ hat sich bei einem Rundgang durch das Sol Antillas Barbados umgesehen - mit den Gästen im Hotel gesprochen und die Mitarbeiter hinter den Kulissen aufgesucht.

Die Rezeption ist an einem ganz normalen Tag im August um zehn Uhr morgens dicht belagert. Anscheinend wollen alle Urlauber um diese Uhrzeit das typisch mallorquinische Ensaimada-Gebäck als Mitbringsel ordern. Dafür zeigt ihnen Leopoldo Fernández, der in dem Hotel bereits seit einem Vierteljahrhundert Gäste empfängt, unterschiedlich große Attrappen aus Pappe. Einmal die Größe gewählt, läuft der 59-Jährige nach hinten und kommt mit der gewünschten Anzahl echter Exemplare zurück.

In der schräg dahinter liegenden Hotellobby mit Sitzgruppen, Internet-Point und Spieleautomaten hantieren Maria (14) und Sarah (9) mit Stöcken und Kugeln am Billardtisch. Die beiden sind mit ihren Eltern bereits das siebte Mal hier, sie kommen aus der Nähe von Madrid und finden Mallorca ýsuper". ýIm Hotel gibt´s einfach alles", sagt die ältere der zwei Schwestern, ýganz viele Pools, leckeres Essen und sogar Läden zum Shoppen." Sarah mag vor allem das Theaterspielen - nur eines der vielen Hotel-Angebote für Kinder.

Gegen elf Uhr verlassen auch die letzten Urlauber gut gestärkt den Frühstücksraum und schlendern zum Pool oder dem direkt am Hotel gelegenen Strand. Jetzt beginnt für Antonia Sánchez die Arbeit. Wenn das Zimmermädchen die Laken glatt streicht, kehrt sie der schönen Aussicht auf das gegenüberliegende Mini-Eiland Isla de sa Porrassa den Rücken. Die 43 Jahre alte Andalusierin ist eine der erfahrensten Mitarbeiterinnen. Sie fing bereits vor 20 Jahren in dem Hotel an. ýIch habe hier sogar meinen Mann kennengelernt. Er war Kellner im Speisesaal", erzählt sie. Sie räumt ein Zimmer nach dem anderen auf; immer nach dem gleichen Schema: Abfall wegräumen, lüften, Betten machen, Staub wischen, Handtücher wechseln. Fertig. Heute lernt sie zusätzlich eine neue, junge Kollegin an. Sie hat gerade die Bettwäsche für die normalen Doppelbetten mit den King-Size-Betten verwechselt. Antonias guter Laune kann das nichts anhaben. ýDas haben wir doch in drei Minuten wieder in Ordnung gebracht", sagt sie und macht die Tücher faltenfrei auf dem richtigen Bett fest.

Auch ein Lob für die Deutschen hat sie. Diese seien in ihren Zimmern gemeinhin ordentlicher als die Engländer. Obwohl das Hotel in diesem Jahr nicht - wie sonst im August üblich - ausgebucht ist, sei die Arbeit anstrengender als sonst. ýIn der Hitze wird man schneller müde und kann auch nicht so gut schlafen", sagt sie.

Den Kindern im Hotel scheint die Hitze nichts auszumachen. Die elfjährige Virginia ist mit ihrer Mutter auf dem Weg zum Cool Club. ýVirginia würde am liebsten den ganzen Tag im Kinderland verbringen", erzählt Maria Luisa Ramón, die zusammen mit ihrem Mann Francisco und ihrer Tochter Maria seit zehn Jahren in Magaluf Urlaub macht. ýJedes Jahr wechselt die Animation, für Kinder wird´s nie langweilig", sagt die zweifache Mutter. Ausflüge über die Insel zu unternehmen oder abends durch den Ort zu spazieren, kommt für die Familie nicht in Frage. ýFür die Kinder ist es abends in Magaluf viel zu gefährlich", glaubt Maria Luisa Ramón, ýund außerdem haben wir ja hier alles." Sie genieße vor allem die ruhig-entspannte Atmosphäre im Familienhotel, das gute Essen, den tollen Strand und die große Auswahl an Pools.

Virginia will jetzt weiter zum Kinderclub. Dort warten eine große Kletterwand, drei Trampolins und ein Hochseilgarten auf die Kids. Nur noch kurz einen Stopp bei Samuli einlegen, das muss sein. Der 29-jährige Finne lebt schon seit zehn Jahren auf Mallorca und arbeitet von Mai bis September als Chefanimateur im Sol Antillas Barbados. Tagsüber steht er in einem kirmesartigen Stand am oberen Pool und zeigt Kindern die neuesten Spielsachen. Abends unterhält er, als Travestiekünstler, die erwachsenen Gäste.

Im Hochseilgarten balancieren bereits zehn kleine Beine über die zwischen Palmen gespannten Drahtseile. Alle Kinder tragen einen Helm und sind mit einem Gurt gesichert. ýDas muss sein", sagt Anja, die aus Russland kommt und auch ein paar Worte Spanisch spricht. Zusammen mit zwei weiteren Kolleginnen aus Russland kümmert sie sich um die vielen russischen Urlaubskinder. Nebenan, bei den Trampolins, werden jetzt Kekse verteilt. Sofort laufen die Kinder zusammen, alle wollen Kekse, auch Virginia. ýAber nicht so viele essen", ruft ihre Mutter, ýgleich gibt´s Mittagessen."

In der Küche wird indessen nicht nur das Mittagessen, sondern auch schon das Buffet für den Abend und den nächsten Morgen vorbereitet. Der 22 Jahre alte Alfonso Martínez schneidet routiniert eineinhalb Kilo Würste in mundgerechte Stücke. Vor allem die Engländer essen das gern zum Frühstück. ýFür mich wär es nichts. Ich bin ein Süßer", sagt der aus Santa Ponça stammende Koch. Seine Kollegen schnippeln Tomaten, zerteilen Gemüsefladen und ordnen Empanadas auf Tabletts an. Unter Klarsichtfolie verpackt werden die Speisen in den Kühlraum gestellt.

Im Raum nebenan köchelt das Mittagessen unter der Regie von Diego Gago. Der 62-Jährige wirkt entspannt. ýIch bin schon im Vorruhestand und arbeite nur einen Monat im Jahr." Außerdem sei die Stressphase in der Küche für heute schon vorbei. Nervös würden sie manchmal am frühen Morgen werden, wenn das ganze Arbeitspensum noch vor ihnen liege, sagen der Senior- und
Juniorkoch übereinstimmend.

Während sich Martínez anschickt, das Mittagessen auf den Buffet-Tischen im Speisesaal anzurichten, schlurft vorne in der Lobby Ricardo Sousa mit seinem Strandgepäck gemächlich nach draußen. Am Tag zuvor ist es für den 27-Jährigen spät geworden. ýIch war bis um sechs Uhr in der Disco." Der Vertriebsmitarbeiter aus Portugal ist auf Empfehlung von Freunden nach Magaluf gekommen. Er ist alleine hier, aber nicht einsam. ýBeim Ausgehen habe ich schon einige Leute kennengelernt", sagt er und verabschiedet sich an den Strand.

An der Rezeption ist es nun ruhiger geworden. Für kurze Zeit macht sich fast friedliche Stille breit. Da werden wütende Stimmen laut. Ein offensichtlich russisches Paar bekommt rote Köpfe, während es auf Mitarbeiterin Elena Lavrushina einredet. Die 31 Jahre alte Moskauerin bewahrt die Geduld und erklärt später, dass diese Landsleute wohl zum ersten Mal ausländischen Boden betreten hätten und fälschlicherweise davon ausgegangen seien, sie würden auf Mallorca eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung bekommen. Die perfekt Spanisch sprechende Russin kommt seit Jahren jeden Sommer ins Sol Antillas Barbados. ýAm liebsten würde ich mich mit meinem Mann fest hier ansiedeln."

Auch Zuhra und Kamila Saitgareeva haben die Insel schon ins Herz geschlossen. Während viele Hotelgäste den engen Radius zwischen Sonnenliege, Speisesaal und Strand kaum durchbrechen, haben die beiden Russinnen schon halb Mallorca erkundet. ýDas Cap Formentor ist einfach wunderschön", sagen sie. ýHeute wollen wir noch zu den Höhlen von Artà." Dafür lassen sie sich von Lavrushina den Weg erklären. Überhaupt finden die Saitgareevas Spanien toll. ýDie Strände sind schön und sauber und die Menschen nehmen einen so nett auf."

Mit den vielen unterschiedlichen Nationalitäten im Hotel haben sie bisher gute Erfahrungen gemacht. Auch der stellvertretende Hoteldirektor Sergio Martín betont, dass die verschiedenen Gästegruppen gut miteinander auskommen. Schließlich haben sie alle das gleiche Ziel: Erholung - wenn auch jeder auf seine Weise. Letztens kam es allerdings mal zu einem kleinen Störfall, als ein paar junge englische Touristen mit Feuerlöschern den Speisesaal verwüsteten. ýZum Glück konnte ich mich auf mein Team verlassen", so Martín. ýIn der Nacht wurden alle Mitarbeiter zum Aufräumen zusammengetrommelt. Als der erste Frühstücksgast die Lobby betrat, war das Hotel wieder picobello."

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