Meeresschutzgebiet Cabrera: Warum sich die Bestände erholen

04-12-2008  
Biologe Gabriel Morey macht sich Notizen für die wissenschaftliche Auswertung der Schutzgebiete.
Biologe Gabriel Morey macht sich Notizen für die wissenschaftliche Auswertung der Schutzgebiete. Foto: Caib

FRANK FELDMEIER Die Korallenmöwe macht es den Statistikern nicht leicht. Werden in einem Jahr besonders viele Exem­plare des Meeresvogels im Nationalpark Cabrera gesichtet, brechen im folgenden Jahr die Zahlen wieder ein. Nicht, weil die Population des "Larus audouinii" zurückgegangen wäre. Vielmehr gehört die Korallenmöwe zu den Nomaden unter den Seevögeln - in einem Jahr brütet sie auf dem Eiland Illa Redona im Norden der Hauptinsel des Cabrera-Archipels, im nächsten Jahr weiter nördlich auf der Illa dels Conills, im folgenden schließlich außerhalb des Parks, etwa vor Colònia de Sant Jordi.

Wegen dieser "natürlichen Schwankungen", wie sie Park-­Koordinator José Amengual nennt, ist es auch knapp 18 Jahre nach Einrichtung des Nationalparks Cabrera keine ganz leichte Aufgabe, eine exakte Bilanz über den dortigen Artenbestand zu ziehen. "Er hat sich stabilisiert und bei einigen Arten deutlich vergrößert", stellt Amengual jedoch fest. Und nicht nur das: Da die Flora und Fauna in der Meereswelt von Cabrera seit der Ausweisung als Nationalpark systematisch katalogisiert, quantifiziert und beobachtet wird, werden sogar noch heute neue Arten entdeckt. "Sobald man die Nase tiefer hineinsteckt, findet man wieder etwas Neues", sagt Amengual über das Schutzgebiet.

Cabrera ist der einzige Nationalpark Spaniens im Gebiet der Balearen. Auf mehr als 10.000 Hektar - davon sind knapp 9.000 Hektar Meer - gedeihen 21.215 Arten. Die Meerestiere sind in mehrerer Hinsicht geschützt. Zum einen dürfen nur Fischer von vier lokalen Vereinigungen im Gebiet von Cabrera zum Fang auslaufen. Fangmethoden und Menge sind genau festgelegt, zusätzlich muss eine Lizenz beantragt werden. ­"Diese Woche sind höchstens zehn Boote unterwegs", sagt Amengual, "und sie haben alle Namen und Nachnamen", sprich sind alle registriert. Die Einhaltung kon- trolliert eine Patrouille, die zweimal am Tag das Archipel umkreist. Zudem zeigten die Fischer von sich aus Boote an, die illegal bei Cabrera fischten. Verstöße seien selten.

Der Erfolg dieser Schutzmaßnahmen kommt nicht nur Cabrera zu Gute, sondern auch dem Meer außerhalb des Nationalparks. Das hat jetzt eine internationale Studie nachgewiesen, die das Spanische Ozeonographische Institut koordiniert hat. Im Fall von Cabrera wie auch in fünf weiteren Schutzgebieten im westlichen Mittelmeer wurde ein sogenannter Spillover-Effekt festgestellt: Exemplare der sich erholenden Bestände verlassen das Schutzgebiet und beginnen, zum Teil weitgehend leergefischte Meeresbereiche zu bevölkern. So ist zu erklären, dass bis zu einer Entfernung von 700 Metern bis 2,5 Kilometern vom Schutzgebiet mittlerweile deutlich mehr Meerbrassen, Zackenbarsche oder Drachenköpfe gefangen werden als anderswo. Mit zunehmendem Abstand nimmt die Fangquote dann wieder ab. Kein Wunder also, wenn Fischer gern Richtung Cabrera auslaufen, um in den Ausläufern des Parks ihr Glück zu versuchen.

Einige Fischarten profitieren besonders davon, dass rund um Cabrera der Fischfang mit Harpune verboten ist. Zuvor war etwa der Drachenkopf eine leichte Beute für Unterwasserjäger gewesen: Der träge Bodenfisch lauert gewöhnlich gut getarnt für seine Beute am algenbedeckten Grund.

Heute zählen nicht nur Taucher in regelmäßigen Abständen und auf festgelegten Routen die gesichteten Fische. Die Mitarbeiter von der Nationalparkverwaltung gehen auch an Bord der Fischkutter und zählen die Exemplare im Netz. Die Zahlen seien ermutigend, sagt Amengual.

Dabei geht es in Cabrera nicht nur darum, die Bestände zu vermehren. Einige Arten sind unerwünscht. Seit Jahren werden die Inseln des Archipels beispielsweise von Hausratten befreit. Die Nager waren auf Schiffen auf die Inseln gelangt und bringen dort mangels natürlicher Feinde das ökologische Gleichgewicht durcheinander. Bekämpft werden sie seit einigen Jahren mit Rattengift, das laut Amengual anderen erwünschten Tieren nichts anhaben kann, sowie mit speziellen Fallen, in die nur die Ratten, nicht aber zum Beispiel Eidechsen tapsen. Und die Erfolge lassen sich sehen: "Von allen Inseln des Archipels gibt es inzwischen nur noch auf der Hauptinsel Ratten", stellt Amengual zufrieden fest.

Als nächstes soll es Ginster- und verwilderten Hauskatzen an den Kragen gehen - Invasoren, die den Meeresvögeln das Leben schwer machen. Im kommenden Jahr sei eine große Aktion geplant, an deren Ende hoffentlich keine Ginsterkatzen mehr auf Cabrera ihr Unwesen treiben. Einzig willkommene Säugetiere seien die Fledermäuse.

Wo die Eindringlinge fort sind, kommen die endemischen Arten wieder zum Zug. Auch bei den Pflanzen. Die Parkleitung hilft ein bisschen nach, wie zum Beispiel im Fall der Luzerne namens alfalfa algoria, einem Schmetterlingsblütler, der neben Cabrera nur auf Ibiza und den Islas Columbretes vorkommt. Vor vier Jahren wurde die Pflanze erstmals wieder ausgesät und soll nun auf allen Inselchen des Archipels wieder heimisch werden. Und vielleicht können sich mit dieser Spezies ja auch die vielen Hummeln im Park anfreunden. Die seien, sagt Amengual, ein gutes Beispiel für jene Arten, die bisher noch kaum untersucht worden seien. Es ist noch viel zu tun auf Cabrera.

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