Kinopremiere ´Los abrazos rotos´: Wie wurde Pedro zu Almodóvar?

19-03-2009  
Auf dem Höhepunkt seines Ruhms: Pedro Almodóvar mit Penélope Cruz (li.) und Blanca Portillo.
Auf dem Höhepunkt seines Ruhms: Pedro Almodóvar mit Penélope Cruz (li.) und Blanca Portillo.  Foto: Emilio Naranjo

THOMAS FITZNER Alle zwei bis drei Jahre hält Spanien inne und lässt sich in den Kinosessel fallen: Pedro Almodóvar zeigt seinen neuesten Film. Der Mann aus La Mancha gehört zum Land wie Penélope Cruz und Julio Iglesias, wie Felipe und Letizia, wie Rafael Nadal und Fernando Alonso, er ist Bestandteil einer Galerie von Figuren, die Spanien prägen und vor allem erklären. Im Fall dieses Regisseurs und Autors mit dem zweiten Nachnamen Caballero gehören Widersprüche dazu, wie sie sich auch in der Figur des Stierkämpfers mit seinem femininen Outfit wiederfinden: sexuelle Zweideutigkeit, Hang zum Drama und rabiate Entschlossenheit.

Als Künstler stammt Pedro Almodóvar aus der kulturellen Ursuppe des modernen Spanien: ?La Movida". Dieser Begriff bezeichnet das frenetische Aufblühen des Kultur- und Nachtlebens in Madrid nach Franco, Bestandteil der kollektiven Pubertät eines Volkes, das mit der politischen auch die sexuelle und andere Freiheiten entdeckte und bis zum Exzess
genoss.

Der 1951 geborene Almodóvar hatte genügend Provinz- und katholischen Erziehungsmuff aufgesogen, um in diesem Ambiente der Befreiung kreativ zu explodieren. Noch während der Franco-Jahre hatte er als Halbwüchsiger buchstäblich ohne eine Pesete in der Tasche die Flucht gewagt, von Cáceres, wohin seine Eltern gezogen waren, nach Madrid. Dort ging prompt Plan A in die Hose: Francos Regime hatte soeben die Filmschule geschlossen. Also setzte er Plan B in Gang: Zwölf Jahre lang arbeitete Almodóvar als Bürokraft bei der Telefongesellschaft, nebenher drehte er mit Super-8-Kameras seine ersten Filmchen, verfasste seine ersten Texte, veröffentlichte einen Roman. 1980 machte der Autodidakt seinen ersten Spielfilm: ?Pepi, Luci, Bom und andere Mädchen der Bande".

Seine Frühwerke waren postfranquistische Schocktherapie, in ihnen fuhr Almodóvar mit allen Tabus des katholischen Spanien Schlitten. In ?Das Kloster zum Heiligen Wahnsinn" (1983) zum Beispiel schreibt eine Nonne unter einem Pseudonym Schundromane, während die Mutter Oberin lesbisch ist und Drogen nimmt. 1988 gelang dem jungen Wilden mit ?Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" der internationale Durchbruch.

Heute hat Pedro Almodóvar einen Schrank voller Filmpreise, darunter eine Sammlung von Goyas (den spanischen Oscar) und zwei Oscars (den amerikanischen Goya) sowie den Prinz-von-
Asturien-Preis. Er arbeitet mit seiner eigenen Produktionsfirma (El Deseo, zu deutsch: Wunsch, Sehnsucht) und hat mit dem jetzt anlaufenden Titel ?Los abrazos rotos" (Zerbrochene Umarmungen) seinen bislang teuersten Film gedreht (12 Millionen Euro).

Almodóvar ist kein universell gefälliger Regisseur, er produziert keine leichte Kost. Gerade mit einigen seiner letzten Werke zementierte Almodóvar ein Universum mit wenigen Varianten. Seine Filme pendeln zwischen penetranter Autobiografie und freihändigem Erzählen. Immer wieder - so auch bei ?Zerbrochene Umarmungen" - köcheln Handlung und Figuren in der bereits klassischen Almodóvar-Sauce: Religion, Homosexualität, die Franco-Jahre, Filmemacher und Menschen aus dem Showbusiness als Schlüsselfiguren. Diese Elemente sind tragende Teile der Konstruktion oder machen als Dekor die Marke
Almodóvar erkennbar.

Menschliche Beziehungen mühen sich durch einen Sumpf aus Tragik und Melodram, es wird viel geheult (im neuen Film nicht, hat der Regisseur versprochen), gelegentlich bricht pure Komödie aus dem Unterholz oder es durchmisst ohne anderen Grund als die sexuelle Orientierung des Filmemachers ein Schönling einen Swimmingpool (?Sprich mit ihr").

Einig ist sich die Kritik, was Almodóvars Ohr für Musik und seinen Instinkt für Darsteller betrifft. ?Chicas Almodóvar" (Almodóvar-Mädchen) werden jene Schauspielerinnen genannt, die unter seiner Regie einen Karrieresprung geschafft haben. Zu ihnen zählt Oscar-Preisträgerin Penélope Cruz, deren Konterfrei das Plakat des neuen Films ziert (rechts).

Seine Schauspieler spornt der Spanier zu Höchstleistungen an. In ?Live Flesh - Mit Haut und Haar" (1997) spielte Javier Bardem einen Querschnittsgelähmten, der in der paralympischen Basketball-Nationalmannschaft spielt. In ?Los abrazos rotos" gibt Lluís Homar einen Blinden. Das sind Königskategorien der Darstellungskunst, die von den Schauspielern monatelange Vorbereitung erfordern.

Ungeachtet der wachsenden Sorgfalt, mit der Almodóvar nach seinen wilden Anfängen formale Aspekte wie die Ästhetik der Bildkomposition behandelt, ist die Beziehung zum Publikum wechselhaft, mit unterschiedlichsten Reaktionen in Spanien, in Lateinamerika, im Rest der Welt. ?Sprich mit ihr" (2002) wurde im Ausland geliebt und mit Preisen überhäuft, in Spanien dagegen nahezu ignoriert. ?Alles über meine Mutter" (1999) war auch zu Hause ein Hit und räumte neben etlichen internationalen Preisen auch die zwei Top-Goyas ab: beste Regie und bester Film.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:
- Die Idee zum Film: Am Anfang war Migräne




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