30 Jahre Air Berlin: Wie die Airline Mallorca Flügel verleiht

29-04-2009  
Das Turboprop-Flugzeug Q400 gehört seit 2008 zur Flotte. Es gilt als besonders treibstoffsparend und leise.
Das Turboprop-Flugzeug Q400 gehört seit 2008 zur Flotte. Es gilt als besonders treibstoffsparend und leise.  Foto: Air Berlin

HOLGER WEBER Mittags ab eins spielt sich über Mallorca ein täglich wiederkehrendes Schauspiel ab. Maschine nach Maschine der Fluggesellschaft Air Berlin setzt über der Einflugschneise zum Landeanflug auf Palmas Flughafen Son Sant Joan an. Es ist, als ob die rot-weiße Flotte an der Schnur gezogen würde. Pro Stunde landen bis zu 25 Flugzeuge.

"Im Sommer sind es manchmal mehr als 450 pro Woche", sagt Toni Tirados von der Handling-Firma Acciona. Das Unternehmen sorgt dafür, dass die Koffer der Air-­Berlin-Passagiere vom Flugzeug auf die Gepäckbänder kommen und die Maschinen für den Rück- oder Weiterflug wieder aufgetankt und gereinigt werden.

Wenn das Drehkreuz der Airline in Palma auf Hochtouren läuft, sind am Boden ­allein tausend Acciona-Mitarbeiter fast ausschließlich für den Platzhirschen auf dem Flughafen tätig. Hinzu kommen bis zu 180 Mitarbeiter des Bodenservices Aga und die rund 130 Mitarbeiter, die Air Berlin selbst in Palma beschäftigt. Das Unternehmen, das in diesen Tagen sein 30-jähriges Bestehen feiert, gehört somit zu den größten direkten und indirekten Arbeitgebern auf Mallorca.

Dabei hat Air Berlin nicht nur den Flughafen verändert, sondern auch die Insel. Mallorca ohne Air Berlin - nicht nur für Álvaro Middelmann, Spanien- und Portugal-Chef der Fluggesellschaft, wäre das undenkbar. Auch die Vertreter der Inselwirtschaft sehen in dem Jubilar einen wichtigen Garant für die wirtschaftliche Stabilität der Insel. Tourismus, Immobiliengeschäft und Dienstleistungssektor hingen stark von Air Berlin ab, so Joan Gual, Präsident der mallorquinischen Handelskammer.

Im Winter liegt der Marktanteil des Unternehmens auf Palmas Flughafen bei 50 Prozent, im Sommer sind es laut Middelmann noch gute 30 Prozent. "Wir müssen jeden Tag dankbar sein, dass es das Drehkreuz gibt", sagt der Immobilienunternehmer Matthias Kühn. Mallorca zeichne drei Dinge aus: Sicherheit, die schöne Landschaft und eben die Infrastruktur, für die maßgeblich die Airline sorge. Air Berlin ist zudem indirekt auch einer der größten Werbeträger der Insel. „Überall warb die Gesellschaft in den vergangenen Jahren für das Flugziel Mallorca - ohne dass es die öffentliche Hand einen Cent gekostet hat", sagt Josep Oliver, Präsident des balearischen Unternehmerverbandes (Caeb).

Entscheidende strategische Schritte der Fluggesellschaft waren die Einrichtung des Mallorca-Shuttles vor zwölf Jahren und der Aufbau des Drehkreuzes kurze Zeit später. Nunmehr verbindet die Fluglinie die Mittelmeerinsel mit 20 deutschen Flughäfen. Hinzu kommen weitere Airports in der Schweiz, Österreich sowie in anderen Ländern. Etwa 50 Prozent der Passagiere werden in Palma auf Anschlussmaschinen umverteilt. Diese fliegen spanische und auch portugiesische Flughäfen an, für die sich wegen des geringen Aufkommens kein Nonstop-Flug rechnet. Insgesamt hat Air Berlin 18 spanische Flughäfen im Programm. „Einige haben wir sogar exklusiv", sagt Middelmann.

Keine andere europäische Urlaubsregion erfreut sich einer vergleichbaren Anbindung aus der Luft wie Mallorca. Für Rembert Euling, Chef des Reiseveranstalters Rewe-Touristik, steht fest: Air Berlin und Mallorca profitieren voneinander. Die zumindest bis 2007 stetig steigende Zahl von Touristen auf der Insel hinge mit Mallorcas Angebot, vor allem aber mit der Anbindung der Insel zusammen. „Das Konzept war einzigartig", sagt Euling.

Von den 23,2 Millionen Passagieren, die im Rekordjahr 2007 auf Palmas Flughafen gezählt wurden, hatten mehr als 6,1 Millionen ein Ticket von Air Berlin. Zum Vergleich: Im Jahr 2000, als auf dem Flughafen 19,2 Millionen Passagiere ankamen und abflogen, war der Anteil der Airline mit 1,2 Millionen Fluggästen noch relativ gering.

Reiseveranstalter wie Rewe-­Touristik und Alltours, im Ranking der größten deutschen Reiseveranstalter auf den Plätzen drei und vier, setzen hauptsächlich auf Air Berlin als Carrier. Aber auch Thomas Cook und Branchenriese Tui, die ihre Kunden im Sommer mit ihren Airlines Condor und Tuifly auf die Insel befördern, nutzen die Kapazitäten von Air Berlin im Winter. Der Einsatz eigener Maschinen würde sich nicht rechnen. „Dadurch bekommen wir für das Mallorca-Geschäft zusätzlichen Spielraum", sagt Tui-Sprecher Michael Blum. Der Reiseveranstalter ist mittlerweile Großaktionär bei Air Berlin.

Durch die besseren Verbindungen aufs Festland nahm auch der spanische Quellmarkt für die mallorquinische Urlaubsindustrie immens an Bedeutung zu. 2007 lagen die Spanier mit knapp drei Millionen Besuchern bereits hinter den Briten (drei Millionen) und den Deutschen (knapp vier Millionen) auf Platz drei.

Auch die Hoteliers konnten sich die Hände reiben, weil die Insel durch die hohe Flugfrequenz immer mehr auch zu einem Ziel für Kurz- und Individualreisende wurde, die sich ihr Reisepaket im Internet selbst zusammenstellen. „Viele Stadthotels verdanken uns erst ihre Existenz", sagt Álvaro Middelmann. Toni Fuster, Sprecher der mallorquinischen Hoteliersvereinigung, glaubt hingegen, dass daran der Preiskampf der Billigflieger untereinander einen entscheidenden Anteil gehabt habe. „Durch die harte Konkurrenz auf dem Markt war Mallorca viele Jahre für wenig Geld zu erreichen", so Fuster.

Allerdings ließ die Dominanz der Flieger mit dem rotweißen -­Design im Spaniengeschäft auch so manchen kleinen Reiseanbieter stöhnen. „Wir sind quasi auf Air Berlin angewiesen und dem Preis-Diktat des Unternehmens unterworfen", sagt beispielsweise Kurt Barthold, der Geschäftsführer des kleinen Spezialanbieters Ibero Tours, der vor allem Reisen auf dem spanischen Festland anbietet. Obwohl sogar die Lufthansa auf einigen Strecken billiger sei als der Low-Cost-Carrier, komme er um die Berliner wegen der guten Anbindung nicht herum.

Mit der stetig besser werdenden Anbindung der Insel stieg auch die Zahl der Zweithausbesitzer vom europäischen Festland. Viele Gutbetuchte erfüllten sich den Traum von dem in wenigen Stunden erreichbaren Wochenendhaus auf der Insel und ließen damit nicht nur die Kassen der Immobilienmakler, sondern auch die der „Dienstleister und Handwerker klingeln", sagt der Immobilienunternehmer Lutz Minkner.

Für einige Mallorquiner geht so viel Macht zu weit. Für Missmut sorgten in der Vergangenheit die kaum verhohlene Unterstützung Air Berlins für die konservative Vorgängerregierung unter Premier Jaume Matas sowie die abfälligen Bemerkungen über die Inselsprache Katalanisch im Bordmagazin. Auch Umweltschützer melden sich immer wieder zu Wort - sie kritisieren zwar nicht direkt die Air-Berlin-Flotte, machen aber die Billigflieger insgesamt für die starke Besiedlung der Insel verantwortlich.

Dennoch: „Mallorca und die Deutschen sind sich durch Air Berlin nähergekommen", sagt Caeb-Präsident Oliver. Zwar gehöre die Insel geographisch und politisch weiterhin zu Spanien. Aus wirtschaftlicher Sicht sei sie jedoch mit Deutschland ausgesprochen eng verbunden.




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