Costa de la Calma: Es kracht an der Küste der Ruhe

19-08-2009  
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JUTTA CHRISTOPH Ein Sommerabend in Santa Ponça, gegen 21 Uhr. Die Sonne geht langsam unter, Grillen zirpen im Garten. Marianne Lembart (Name von der Redaktion geändert) sitzt mit einem Glas Weißwein auf der Terrasse und genießt den Ausblick aufs Meer. „Circa eine halbe Stunde Zeit bleibt mir noch, dann ist es mit der friedlichen Ruhe vorbei", sagt die gebürtige Düsseldorferin. Sie und ihr Mann kauften vor zwölf Jahren ein Haus in 300 Meter Luftlinie Entfernung zur Plaça los Jardines in Santa Ponça. „Das war im Februar", erinnert sich Marianne Lembart. Dass den Sommer über jeden Abend Live-Musik auf der Plaza gespielt würde, davon ahnten die Residenten nichts.

Die Freude über das neue Haus währte nur ein paar Monate. „Im Mai ging´s los mit den Konzerten auf der Plaza", erzählt Joachim Lembart, der ebenso wie seine Frau nicht möchte, dass sein richtiger Name in der Zeitung erscheint. Lembarts nahmen Kontakt mit der Interessengemeinschaft Costa de la Calma und Santa Ponça auf, die bereits seit 1996 gegen den Lärm von Animation und Livemusik auf der Plaça los Jardines sowie in den umliegenden Hotelgärten kämpft.

Wie oft sie abends bei der Polizei angerufen haben, daran kann sich das Ehepaar nicht mehr erinnern. „Die Polizei legt entweder den Hörer auf oder sagt, dass sie nichts tun kann." Lembarts sprachen mehrmals persönlich bei der Gemeinde Calvià vor, erstatteten bis zu 15 Mal Anzeige – ohne Ergebnis, wie sie sagen. Die Interessengemeinschaft, zu der rund 100 Deutsche, Spanier und Engländer gehören, versucht nun mit Hilfe des Anwalts Carlos Vazquez Sarazá ihr Recht durchzusetzen. „Es gibt klare Gesetze", so Joachim Lembart, der Buch führt über die abendliche Geräuschkulisse. Er verweist auf die Lärmschutzverordnung der balearischen Landesregierung vom 25.5.2007, nach deren Richtlinien die zulässige Lautstärke 65 Dezibel betragen darf, ab 22 Uhr 60 Dezibel, gemessen im Abstand von 1,85 Meter von der Lärmquelle. „Und es dürfen maximal drei Personen gemeinsam auftreten."

Auf seiner Terrasse misst das Ehepaar jeden Abend zwischen 58 und 65 Dezibel. „Die Polizei war ebenfalls hier und hat gemessen", erzählt Marianne Lembart. Sie habe alle Fenster schließen müssen, im Wohnzimmer habe das Messgerät der Ordnungshüter dann 35 Dezibel angezeigt. „Die können doch nicht von uns verlangen, dass wir im Sommer bei geschlossenen Fenstern drinnen sitzen", so die Residentin. Sie weiß, dass andere Anwohner wegen des Lärms den Sommer in Deutschland verbringen oder um 21 Uhr ihr Haus verlassen. „Wir wollen abends zu Hause bleiben, wir haben es doch so schön hier. Die Wirte sollen ja ihr Geld machen, aber bitte nicht auf unserem Rücken."

Angelika Thomas ist eine von 19 Wirten auf der Plaça los Jardines und betreibt „Angelikas Bar". „Die Bühne steht direkt vor meiner Kneipe, wenn ich die Tür abends zumache, höre ich nichts mehr von der Musik", sagt sie. Pünktlich um 23.30 Uhr würden zudem die Männer vom Ordnungsamt und die Polizei anrücken und die Musik abstellen – egal, ob der Auftritt beendet sei oder nicht. „Mal angenommen, die Plaza würde geschlossen", so Angelika Thomas, „dann wären über 100 Familien auf einen Schlag arbeitslos."

Die Interessengemeinschaft wirft der Gemeinde Calvià indes vor, die Lärmbelästigung zu ignorieren und nicht auf die Anzeigen zu reagieren. „Wir werden prozessieren, egal wie lange es dauert und wie teuer es wird", sagen Marianne und Joachim Lembart. Dass die Gemeinde letztendlich zahlen muss, davon sind sie überzeugt.

Im Rathaus von Calvià weiß man über die Geräusch-Situation in Santa Ponça Bescheid. „Leider entsteht ein Echo in diesem Gebiet, wodurch die Anwohner gestört werden", sagt Kate Mentink, Gemeinderätin für Tourismus und Ausländische Einwohner der Gemeinde Calvià. Doch sei das Gebiet, wo sich die Bars und Hotels befänden, schon sehr lange Gewerbegebiet, in dem auch die Betriebe ihre Rechte hätten. „Die Anwohner haben das gewusst, als sie in diesem Gebiet ihre Immobilie erworben haben", sagt Kate Mentink. „Zudem wird der Geräuschpegel ständig kontrolliert." Die Vorwürfe der Einwohner von Costa de la Calma seien bereits an die zuständigen Stellen weitergeleitet worden. Auf eine Antwort wird noch gewartet.

Nach dem ganzen Ärger würden die Lembarts ihr Haus am liebsten verkaufen und an einen ruhigeren Ort der Insel ziehen. „Aber wer kauft schon ein Haus an der ?Costa del Krawallo´?"

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