Leise oder laut: Schlacht auf Mallorca um die Dezibel

19-08-2009  
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Manchmal Quell der Freude, häufig Grund für Ärger: Lärm auf Mallorca kann viele Ursachen haben.
Manchmal Quell der Freude, häufig Grund für Ärger: Lärm auf Mallorca kann viele Ursachen haben.  Fotos: MZ, Montage: Humanes
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FRANK FELDMEIER Wenn es an der Playa de Palma laut wird, ist nur noch schwer zu unterscheiden, wer am meisten Krach macht – der Biergarten gegenüber, die Discothek nebenan oder die Touristen auf der Straße? Palmas Ortspolizei hat deswegen vor dem Start in die Hochsaison einen akustischen Testlauf veranstaltet. „Wir haben angeordnet, dass die gesamte Musik abgeschaltet wird, um den Hintergrundkrach zu messen", erklärt Gabriel Lacombe, der Leiter der Patrulla Verde – die „grüne Patrouille" kontrolliert die Einhaltung der Lärmschutzvorgaben.

So maßen die Beamten die Dezibel der Kneipen, Biergärten und Discotheken an der Playa de Palma unabhängig vom sonstigen Lärm. Auch wenn es jetzt in der Touristenhochburg hoch hergeht, dürfte deswegen alles im gesetzlichen Rahmen bleiben. „Sofern niemand die Lautstärke-Regler manipuliert", fügt Lacombe hinzu. Verstöße wie noch vor zwei Jahren, als Bars reihenweise der Saft abgedreht wurde, gehörten der Vergangenheit an.

Den Polizisten in Palma wie auch in den anderen Gemeinden geht dennoch die Arbeit nicht aus. Grenzen des zumutbaren Lärms sind in Landesgesetzen und EU-Richtlinien festgelegt, die die Gemeinden in Verordnungen umgesetzt haben. Die Kontrolle ist Sache der Ortspolizei, sie wird meist nach Anzeigen aktiv. Im vergangenen Jahr verhängte allein Palma insgesamt 242 Geldbußen, knapp vier Fünftel der Krachmacher kamen allerdings mit einer Strafe von 150 Euro davon.

Wer wie laut sein darf, hängt von vielen Dingen ab: dem Ort, der Art der Betriebsgenehmigung, der Uhrzeit, der Schallisolierung. In Palmas Stadtbezirk lautet die Hauptregel: Tagsüber (8 bis 22 Uhr) dürfen nicht mehr als 65 Dezibel, nachts nicht mehr als 60 Dezibel nach draußen dringen. In Wohnungen dürfen nicht mehr als 35 Dezibel ankommen, nachts nicht mehr als 30. Und während für eine gewöhnliche Bar um Mitternacht Schluss mit der Beschallung ist, können Lokale mit einer Genehmigung als Musikbar im Sommer bis 4 Uhr weitermachen. Für Sonderveranstaltungen wie Konzerte könne eine Gemeinde Ausnahmen zulassen.

Als jetzt Pläne bekannt wurden, die Verordnung in Palma aufzulockern, regte sich Protest, betroffene Anwohner schlossen sich vorsorglich in einer Bürgerinitiative zusammen. Polizist Lacombe muss beschwichtigen. „Es geht nur um technische Fragen der Messung. In keinem Fall wird mehr Lärm erlaubt werden."

Denn beim Thema Lärm reißt Anwohnern auf ganz Mallorca regelmäßig der Geduldsfaden, und die Konflikte enden in Knöllchen, aber auch Rekordstrafen oder sogar Gewalttätigkeiten. So verprügelte Mitte Juli ein 22-Jähriger in Son Servera den Wirt, weil der sich weigerte, die Musik leiser zu stellen. Die Gemeinde versucht derzeit, mit einer neuen Verordnung der Probleme Herr zu werden – und will Wirte, die sich nicht an neue, strengere Geschäftszeiten halten, mit bis zu 60.000 Euro abstrafen.

Besonders laut wird zudem in der Gemeinde Manacor gestritten. Im Herbst vergangenen Jahres griff das Rathaus durch und ließ ein halbes Dutzend Bars schließen, denen die erforderlichen Genehmigungen fehlten. Den Anwohnern in der Stadt wie auch in den Küstenorten im Gemeindegebiet ist es dennoch immer noch zu laut. So musste das Rathaus schließlich Ende vergangenen Jahres eine Rekordstrafe von 85.000 Euro zahlen – ein Anwohner aus Porto Cristo hatte erfolgreich geklagt, nachdem die Gemeinde nicht gegen den Lärm einer benachbarten Bar vorgegangen war. Im Fall von mehr als einem Dutzend Klagen von Anwohnern im Zentrum Manacors stehen Gerichtsurteile noch aus.

Ein Beispiel dafür, wie auf Mallorca ein Exempel gegen den Lärm statuiert wurde, ist Palmas Ausgehviertel La Lonja. Als die Anwohner den Lärm der Bars in den engen Gassen vor einigen Jahren nicht mehr ertrugen, erklärte die Stadtverwaltung das Viertel zum lärmverschmutzen Gebiet (zona acústicamente contaminada). Bars und Restaurants müssen seitdem unter anderem eine Stunde früher die Musik abdrehen als andernorts im Stadtgebiet. Und wenn eine neue Bar öffnet, muss sie mindestens 150 Meter von der nächsten entfernt sein.

Als die Wirte im Juli dieses Jahres forderten, die Geschäftszeiten wieder auszuweiten, erhob sich ein Sturm der Entrüstung – die Stadt Palma versprach umgehend, keine Zugeständnisse machen zu wollen.

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