Biel Barceló: ´Katalanisch-Kenntnisse prüfen wir nicht´

PSM-Chef Biel Barceló über Sprachkenntnisse, grüne Politik und die Wahlchancen von Mitte-Links

10-05-2011  
Biel Barceló:
Biel Barceló: "Ich glaube an eine eigene linke Mehrheit" Foto: Bendgens

FRANK FELDMEIER Der Name ändert sich, das Gesicht bleibt: Biel Barceló führt erneut den Juniorpartner des regierenden Mitte-Links-Bündnisses in den Wahlkampf. Trat die linksnationalistische PSM vor vier Jahren mit Grüne-Vereinigte Linke (Esquerra Unida-Els Verds) und den Linksrepublikanern (ERC) als Bloc an, hat sie sich diesmal mit der neuformierten Grünen-Partei Iniciativa Verds zu einem Wahlbündnis zusammengetan. PSM-Vorsitzender Barceló kämpft nun für eine Neuauflage der Mitte-Links-Regierung.

Sie treten nicht mehr als Bloc, sondern als ´Compromís amb Mallorca´ an. Wie viele haben das schon mitbekommen?
Das ist nur ein Slogan, wir wollen diesmal die Parteinamen in den Vordergrund stellen. Die Grünen-Partei Iniciativa Verds und die PSM haben ein gemeinsames Programm, repräsentieren aber unterschiedliche Lager. Von den radikalen Unabhängigkeitsanhängern der ERC und den weltfremden Altkommunisten haben wir uns distanziert. In der Koalition von 2007 waren wir wie Wasser und Öl, heute harmonieren wir wie ein Ehepaar.

Die Umfragen stehen schlecht – was müsste passieren, um doch noch eine Mehrheit für Mitte-Links hinzubekommen?
Die Sozialisten wie auch wir müssen unsere Wähler mobilisieren. Unser Problem ist, dass viele unserer Anhänger von der Politik enttäuscht sind und sich enthalten, die Anhänger der Volkspartei (PP) aber trotzdem zum Wählen gehen. Eine progressive Mehrheit ist dennoch möglich.

Mit welcher Botschaft wollen Sie das erreichen?
Wir müssen klarmachen, dass es eben nicht auf das Gleiche ­herauskommt, ob Links oder Rechts regiert. Ich lasse mich nicht mit Korrupten in einen Sack stecken.

Trotz der Skandale wird der PP eine absolute Mehrheit prognostiziert. Was sagt das über vier Jahre Mitte-Links aus?
Der Mix aus Wirtschaftskrise und Politikverdrossenheit hat unserer Regierung zugesetzt. Die spanische Zentralregierung hat die Wirtschaftskrise mit Rezepten der politischen Rechten bekämpft. Die Menschen wollen deswegen einen Wechsel. Für mich ist die PP aber keine Alternative, sie hat die Bürokratie aufgebläht und die Korrup­tionsfälle zu verantworten.

Schuld sind also die anderen, wenn Mitte-Links verliert?
Wir haben vieles richtig gemacht, aber es sind uns auch Fehler unterlaufen. Problematisch war vor allem die Zeit, in der die Regionalpartei Unió Mallorquina (UM) unserer Koalition angehörte. Wir kämpften nicht nur mit der Wirtschaftskrise, es mangelte auch an Zusammenhalt.

Die UM hatte Mitte-Links die Mehrheit verschafft – ist ihr Niedergang für Sie nun eine gute oder schlechte Nachricht?
Wir brauchen eine Partei für das regionalistische Mitte-Rechts-Lager, die PP als gesamtspanische Partei kommt dafür nicht in Frage. Die skandalgeschüttelte UM kann diese Aufgabe nicht mehr erfüllen.

… und Ihnen fehlt der nötige Partner für eine Mehrheit.
Dieses Risiko besteht. Man muss abwarten, wie sich die Nachfolgepartei Convergència und die Lliga Regionalista entwickeln, derzeit konkurrieren sie untereinander. Es sind ohnehin Mitte-Rechts-Parteien, die sich inhaltlich deutlich von uns unterscheiden. Ich glaube aber fest an die Möglichkeit einer linken Mehrheit aus eigener Kraft.

Die PSM hatte die Ministerien für Energie und Verkehr inne, Aushängeschild war der Ausbau des Schienennetzes. Noch immer ist aber unklar, wie der Zug durch Manacor verkehren soll.
Der Bürgermeister fordert, die Trasse unter die Erde zu verlegen. Aber wo auf der Welt gibt es unterirdische Stadtbahnen? Das ist zu teuer und aufwendig. Die Stadtbahn ist sauber, effi­zient und günstig. Die Ablehnung der PP hat wahltaktische Gründe.

Die Balearen produzieren weniger als ein Prozent der sauberen Energie Spaniens. Welche Bilanz ziehen sie für das Energieministerium?
Seit 2007 haben wir bei der Solarenergie einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Das Defizit bei den erneuerbaren Energien ist aber eindeutig. Unser Problem ist auch der Widerstand gegen die Windenergie. Darüber müssen wir sprechen, wenn wir das problematische Heizkraftwerk von Alcúdia ersetzen wollen. Wir unterstützen deswegen kleine, in die Landschaft integrierte Windparks.

Ein Schwerpunkt von Mitte-Links war auch die Katalanisch-Förderung – dennoch haben die Kenntnisse der Inselsprache statistisch weiter abgenommen.
Wir geben nach wie vor zu wenig Geld für Kultur und Sprache aus. Zudem hätten sich alle Ministerien engagieren müssen. Aber verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn wir Katalanisch fördern, richtet sich das gegen niemanden, unser Ziel ist die Pluralität.

Helfen die Angriffe auf die Katalanisch-Politik von Oppositionsführer Bauzá, die eigenen Anhänger zu mobilisieren?
Mag sein, aber der Konflikt bei dem Thema ist schädlich. Wir streiten uns über die Unterrichtssprache, ein Thema, in dem wir uns sowieso nicht einig werden, statt über die eigentlichen Probleme zu debattieren – die hohe Schulabbrecherquote und die fehlenden Fremdsprachenkenntnisse.

In Deutschland sind die Grünen im Aufwind. Wen kann man auf Mallorca wählen, wenn man für den Umweltschutz eintritt, aber Katalanisch-Förderung und ­regionalen Nationalismus ablehnt?
Ökologische und linke Strömungen waren auf Mallorca immer eng verknüpft. Nicht nur unser Koalitionspartner Iniciativa Verds, auch die PSM ist eine 100-prozentig ökologische Partei, auch wenn wir das nicht im Namen führen. Ich plädiere dafür, den Begriff des regionalen Nationalismus nicht negativ zu besetzen – unser Eintreten für Kultur, Sprache und Identität richtet sich gegen niemanden. Auch Deutsche oder Südamerikaner treten für uns an. Wir überprüfen bei keinem Kandidaten die Katalanisch-Kenntnisse. Rund ein Viertel unserer Wähler im Stadtbezirk Palma spricht im Übrigen gar kein Katalanisch.




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