Neuer Anlauf: Die deutschen Kandidaten in den Gemeinden - ihre Motivation und ihre Chancen

Bei den Kommunalwahlen am 22. Mai treten knapp zwei Dutzend Bundesbürger an. Sie haben vor allem praktische Anliegen

15-05-2011  

FRANK FELDMEIER Wenn die Menschen im Bio-Laden von Tom Gebhardt in Bunyola vorbeischauen, wird auch über die Politik in der Gemeinde geredet – genauso wie in den Bars und auf der Straße. Aus den Gespra?chen und Diskussionen ist so eine Kandidatur der Linksparteien entstanden, auf deren Liste der 37-jährige MZ-Autor nun nicht nur auf Platz sechs kandidiert, sondern deren Namen er auch vorgeschlagen hat: Esquerra Oberta (Offene Linke) – eine Gruppierung, die das bislang zersplitterte linke Lager bündeln soll.

Die Motive sind unterschiedlich, die politischen Einstellungen sowieso, aber eines haben die knapp zwei Dutzend deutschen Kandidaten in den Listen auf Mallorca gemein: Sie machen nicht nur von ihrem aktiven, sondern auch von ihrem passiven Wahlrecht bei den Kommunalwahlen am 22. Mai Gebrauch. Die meisten Kandidaten stellt die konservative Volkspartei (PP) mit einem halben Dutzend. Deutsche Namen in den Listen führen aber auch Sozialisten, Regionalparteien sowie Lokalbündnisse.

Anlass für die Kandidatur sind oft Ärgernisse. Ernst Michael Salamon beklagt die bürokratischen Zustände in Andratx, Verzögerungen bei der Sanierung der Kanalisation und den Schriftverkehr auf Mallorquinisch im Rathaus. „Das ist ein Affront gegen die Ausländer", sagt der 57-jährige Kaufmann, der nun auf Platz 14 der oppositionellen PP antritt. Auch Thomas Wenzel hofft auf einen Machtwechsel in seiner Gemeinde Sant Llorenç. Der PP-Kandidat auf Platz 6, der im Falle eines konservativen Wahlsieges Gemeinderat würde, setzt sich für mehr Sicherheit, Schuldenabbau und mehr politisches Engagement seiner Landsleute ein.

Kandidatin Sigrid Feith, auf Platz 15 der PP in Santanyí, macht sich vor allem für den Tourismus stark. Das Reiseziel Mallorca sei nicht mehr so, wie es sein sollte, so die 60-Jährige, die lange für einen deutschen Reiseveranstalter gearbeitet hat. Bei Ulrike Grimm, PP- Aufrück-Kandidatin in Sóller, spielen auch emotionale Motive für ihr politisches Engagement eine Rolle. Seit mehr als 40 Jahren lebe sie in der Gemeinde, „jetzt will ich etwas von dem zurückgeben, was ich hier von den Menschen bekommen habe". Sie hat aber auch konkrete Anliegen wie deutsche Übersetzungen des Rathaus-Schriftverkehrs.

Der Tourismus ist auch ein Anliegen von Yvonne Haverland. Sie kandidiert in Pollença für die neue, von Ex-PP-Minister Jaume Font gegründete Regionalpartei Lliga Regionalista und spricht begeistert vom Engagement und der Aufbruchstimmung des neuen Teams. „Das sind nicht die typischen Leute, die im Rathaus sitzen", sagt die 46-Jährige. Die Menschen seien begeistert, dass es eine Alternative gebe und hofften darauf, dass Pollença nicht weiter von drei Monaten Tourismus im Jahr leben müsse.

Auch wenn die PP die meisten Deutschen auf sich vereint, engagieren sich mehrere Bundesbürger auch bei den Sozialisten. Die Lehrerin Elke Wilhelm etwa will sich unter anderem für eine Vereinfachung der Behördengänge in Calvià einsetzen, genauso wie Jutta Delgado in Andratx. Und auch in Parteien des linken Spektrums und für den Umweltschutz engagieren sich die deutschen Kandidaten. Georg Bräutigam kandidiert für die Grünen-Partei Iniciativa Verds in Capdepera auf Platz vier und will für mehr nachhaltige Politik sorgen. Es werde zum Beispiel viel Geld für Grünanlagen ausgegeben, die dann im Sommer bewässert werden müssten. Warum keine genügsamen einheimischen Gewächse pflanzen, fragt sich der 47-jährige Ökobauer.

Vor allem um praktische Anliegen geht es in den Lokalbündnissen. Eine bessere Ausschilderung im Ort, ein Fahrradweg, ein Jugendzentrum – das sind Ziele von Sabine Albrechtskirchinger. Die gelernte Hotelfachfrau tritt für das Lokalbündnis NIL in der Gemeinde Ses Salines an. „Ich habe die Hoffnung, gute Ideen unter die Leute zu bringen", sagt die Deutsche. „Vielleicht erreicht man ja etwas."

Sollte es einer der deutschen Kandidaten in den Gemeinderat schaffen, wäre das eine Premiere und eine kleine Sensation. Ohnehin ist das politische Interesse der Landsleute bislang gering, die Wahlbeteiligung lag zuletzt bei unter 15 Prozent. Weitere Hürde: die Sprachkenntnisse. „Wer Mallorquinisch nicht versteht, kriegt wenig mit", sagt Kandidat Gebhardt. Denn in allen Gemeinderäten wird die Inselsprache gesprochen. Es dauere zudem Jahre, bis man verstehe, was in einer Gemeinde wirklich gespielt werde. Auch deswegen ist der Deutsche froh, erst einmal Erfahrung außerhalb des Gemeinderats sammeln zu können. „In vier Jahren aber könnte ich mir dann gut vorstellen, auch Kommunalpolitik zu machen."




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