Das große Aufräumen in Palmas Hafen

Mehr Platz für Kreuzfahrtschiffe, erneuerte Installationen und eine Flaniermeile: Wie sich die Hafenanlagen auf Mallorca für die Zukunft rüsten

01-10-2011  
Schiff im Hafen von Palma
Schiff im Hafen von Palma Foto: Feldmeier

FRANK FELDMEIER Raus aus dem Flieger, rauf aufs Kreuzfahrtschiff: Der Strom der Urlauber reißt nicht ab an diesem Dienstag. Schon wieder hält ein Bus vor dem Terminal Nummer vier von Palmas Hafen. Die Passagiere betreten die neue Halle, wo ein Fotograf Erinnerungsfotos vor einer Deko-Wand schießt und eine Kamerafrau die Ankunft der Kreuzfahrer festhält. Diese checken an den Schaltern ein und lassen sich für die Bordkarte mit einer Webcam fotografieren.

Doch auch wenn sich Palmas Hafen hier in Terminal vier schon von seiner modernen Seite zeigt, ist noch nicht alles fertig: Der zweite Stock ist noch gesperrt. Statt mit der Rolltreppe nach oben zu fahren und dort bequem an Bord zu gehen, müssen die Passagiere an der Kaimauer eine steile Gangway hochklettern. Und auch die Gepäckabfertig findet noch provisorisch in einem benachbarten Zelt statt: Davor parkt ein Lieferwagen mit einem mobilen Sicherheitsscanner.

Egal, welche Ecke von Palmas Hafen man sich ansieht – überall wird gewerkelt. Zwar hat auch hier die Wirtschaftskrise ihre Spuren hinterlassen: Der Gütertransport etwa ist in den vergangenen drei Jahren eingebrochen. Doch der Kreuzfahrttourismus auf Mallorca verzeichnet neue Rekorde.

Ohnehin denkt man in der Hafenverwaltung in längeren Zeitabständen: Was heute gebaut werde, sei schon vor vielen Jahren geplant worden, sagt Hafensprecher ­Raimond Jaume. Prüfungs- und Genehmigungsverfahren seien langwierig, vor allem wegen der Umweltauflagen. Während die Entwicklung im Schiffsbau ständig voranschreite, habe man bei der Modernisierung des Hafens Schwierigkeiten, Schritt zu halten. Und wenn es im Hafen nicht rund läuft, wirkt sich das direkt auf die Versorgung Mallorcas aus. Denn alles, was die Insel nicht selbst produziert, muss per Schiff herangebracht werden.

Was derzeit im Hafen geschieht, ist die Vorstufe zu einer großen Aufräumaktion. Das Problem: Derzeit werden in allen Bereichen sowohl Passagiere als auch Waren abgefertigt – an der Moll Vell (Alte Mole) genauso wie an der Moll de Ponent (Westmole) wie auch am Dic de l´Oest (Westdeich). Platz sei zwar genug, so Jaume, aber „wir müssen den Betrieb optimieren". Das langfristige Ziel: Kreuzfahrer am Moll de Ponent abfertigen, Frachtgut am Dic de l´Oest löschen – und die Alte Mole zu einer attraktiven Flaniermeile umgestalten, in Altstadtnähe mit Blick auf die Kathedrale.

Auch, wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist, werden schon in Kürze die ersten Fortschritte zu sehen sein. Die MZ-Tour beginnt an der Alten Mole, gegenüber dem Parc de la Mar und dem Borne-Boulevard. Hier entsteht der neue Sitz der balearischen Hafenverwaltung, die neben Palma und Alcúdia auch für die Häfen von Menorca und Ibiza zuständig ist. Von dem früheren Gebäude der Fährgesellschaft Trasmediterránea ist nur die Jugendstil-Fassade geblieben, der Rest ist ein Neubau. Mit dem 18-Millionen-Euro-Projekt ist im Juni 2010 begonnen worden, im Februar kommenden Jahres soll es fertig sein. Dann werden alle Abteilungen in dem neuen Gebäude zusammengezogen und das bisherige direkt daneben nur noch für offizielle Akte genutzt, sagt Sprecher Jaume. Die hohen Projektkosten erklärt er mit dem Unterbau, wo Parkdecks für die Mitarbeiter geplant sind: Wegen der Nähe zum Meer erwies sich die Unterkellerung als besonders aufwendig.

Nichts übrig bleiben soll von den Verwaltungsgebäuden aus den 70er Jahren gegenüber . Die Hafenverwaltung wird damit jedoch keine Arbeit haben: Für den Neubau sowie den Betrieb von Anlegestellen wie auch eines geplanten Restaurants wurden Konzessionen vergeben. An der Muelle de la Lonja schafft der Konzessionär Lonja Marina Charter an den neuen Anlegestellen Platz für mehr als hundert Schiffe von bis zu 25 Metern Länge. Daneben, an der Muelle de la Cuarentena, plant Sercomisa 65 Liegeplätze für Schiffe von 12 bis 45 Metern Länge.

Die bisherigen Mitarbeiter-Parkplätze und tristen Verwaltungsgebäude machen so Platz für die künftige Flaniermeile auf der Alten Mole, die nach und nach ausgebaut werden soll – eine Verlängerung des Borne-Boulevard in den Hafen. Wie weit sie reichen wird, ist noch unklar. Weiter vorne bleibt die Mole ohnehin unansehnlich: Dort haben Verladeplätze des Fährunternehmens Acciona Trasmediterránea, Lagerflächen und eine Reparatur-Werft ihren Platz.

Ein weiterer Modernisierungsfokus ist die Westmole, dort, wo die Kreuzfahrtschiffe Halt machen. Der für 6,5 Millionen Euro erweiterte Terminal vier steht kurz vor der vollständigen Inbetriebnahme . Bislang war er über eine Fußgängerbrücke nur mit den estaciones marítimas zwei und drei verbunden, wo vor allem die Fähren nach Valencia und Barcelona ablegen. Eine neue Überführung führt inzwischen direkt zur Nummer eins, dem ältesten Terminal. Hafensprecher Jaume verweist zudem auf Investitionen in neue Landungsbrücken: Die bisherigen taugen nicht mehr für die neueste Generation von Kreuzfahrtschiffen, bei denen die Rettungsboote außerhalb der Reling angebracht seien.

Gerade liegt die „Island Escape" vor dem Terminal vier. Sie gehört nicht zu den größen Pötten, doch auch bei ihr wird es knapp: Die vordere Leine ist nicht auf der Mole selbst vertäut, sondern auf einem duque de alba, auf Deutsch Dalbe genannt. Inzwischen sind mehrerer solcher Poller-Plattformen im Wasser vor der Westmole entstanden, um die Seile längerer Schiffe vertäuen zu können.

Vor dem Terminal drei sind gleich drei duques de alba im Einsatz. Sie markieren, wo die verlängerte Kaimauer verlaufen wird. Sie wird um insgesamt 12.600 Quadratmeter und 360 Meter in Richtung Meer wachsen. Das 28-Millionen-Euro-Projekt ermöglicht es in Zukunft, dass gleichzeitig bis zu fünf Kreuzfahrtschiffen von je 300 Metern Länge an der Westmole festmachen. Einen solchen Andrang gibt es immer häufiger. So stellen in diesem Jahr die Kreuzfahrtschiffe mit 1,8 Millionen Passagieren einen neuen Rekord auf – das sind 20 Prozent mehr als 2010. Weltweit rangiert Palma auf der Beliebtheitsskala der Kreuzfahrthäfen inzwischen auf Platz 13.

Die ersten Bauteile für die Verlängerung sind bereits eingetroffen: Insgesamt 18 im Hafen von Sagunto gefertigte Betonquader müssen übers Meer nach Palma geschleppt werden. Im Moment dümpeln die ersten zwei Quader von 30 Metern Länge und 15 Metern Breite am Dic de l´Oest. Sie werden demnächst mit Wasser und Erde befüllt und auf diese Weise versenkt. Abstände zwischen den Quadern sollen dafür sorgen, dass das Wasser weiter zirkulieren und sich erneuern kann.

Die immer größeren Schiffe brauchen nicht nur mehr Platz, sondern müssen auch stabiler vertäut werden. Im März 2009 hatte die „MSC Fantasy" bei starkem Wind einen Poller aus seiner Verankerung gerissen, ein Passagier stürzte von der Gangway ins Wasser. Damit sich ein solcher Unfall nicht wiederholt, werden nun allein auf dem Westdeich für 1,6 Millionen Euro 33 neue Poller installiert.

Was sich einfach anhört, ist eine größere Aktion: Auf dem Kai stehen Bauarbeiter in T-förmigen Gruben und schweißen an Stahlkonstruk­tionen. Denn die Poller sind nur das sichtbare Endstück von Anlagen, die jeweils einer Zugkraft von bis zu 200 Tonnen standhalten sollen. „Die Kreuzfahrtschiffe kommen schließlich nicht nur, weil das Kastell Bellver so schön ist, sondern auch wegen der modernen Hafenanlagen", gibt Sprecher Jaume zu bedenken – Investitionen, die viele gar nicht wahrnehmen würden.

Im laufenden Jahr investiert die Hafenverwaltung in Palma 36,8 Millionen Euro, im kommenden Jahr 21,2 Millionen Euro. Dabei handle es sich nicht um Steuergelder, sondern eigene Einnahmen des Hafens. Und auch, wenn derzeit keine Platznot im Hafen herrscht, laufen die Planungen für eine noch viel ehrgeizigere Hafenerweiterung, für die es bislang weder Termine noch eine Finanzierung gibt: den Bau einer komplett neuen, zwei Kilometer langen Mole jenseits des Dic de l´Oest.

Vergleichsweise günstig fiel die Restaurierung des früheren Militärforts San Carlos aus . Die rund 350.000 Euro teuren Arbeiten an der 1762 errichteten Anlage, die sich auf der Zufahrtstraße rechter Hand kurz vor dem Dic de l´Oest befindet, sind abgeschlossen, das Fort aber noch nicht geöffnet. Derzeit läuft eine Ausschreibung für den Betrieb einer Cafetería. Der Konzessionär soll auch eine Touristen-Information für Kreuzfahrer anbieten. Darüber hinaus wird es eine Aussichtsplattform geben. Von dort aus können die Besucher dann den rundum erneuerten Hafen betrachten.




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