Pedro Oliver: "Die einzige Lösung ist, dass sich die Hotels selbst ihre Gäste suchen"

11.05.2015 | 09:41

Pedro Oliver stammt aus einer Hoteliersfamilie und hat sich als Berater für Hotelbetriebe selbstständig gemacht. Im Interview erklärt er die negativen Auswirkungen von All-inclusive – und verrät, wie sich die Hoteliers dagegen wehren können.

Herr Oliver, ist All-inclusive per se schlecht für den Tourismus?
Nein. Das Konzept wurde für Urlaubsgebiete wie die Karibik erfunden, wo die Ressorts ja tatsächlich mitten im Nichts stehen, und es einfach kein anderes Angebot gibt – da war und ist Alll-inclusive bis heute schlicht Notwendigkeit. Für Mallorca gilt das aber nicht.

Warum wird es hier trotzdem angeboten?
Weil das Geschäft auf der Insel vor allem über Reiseveranstalter läuft. Es sind nicht die Hotels, die die Kunden haben, sondern diese großen Unternehmen – und damit haben sie auch die Verhandlungsmacht. Wer als Hotelier sagt, dass er kein AI will, weil sich das negativ auf die Umgebung des Hotels auswirkt, dem schickt der Veranstalter keine Gäste mehr. Und selbst wenn sich alle Hotels zusammenschließen würden – dann werden die Kunden eben in die AI-Ressorts in der Türkei umgeleitet.

Bleibt nur Schicksalsergebenheit?
Nein. Die einzige Lösung ist schlicht, dass die Hotels selbst ihre Gäste suchen und sich in Sachen Direktmarketing verbessern. Das würde auch mehr Einkünfte bringen.

Wie das?
Derzeit läuft es im All-inclusive-Bereich so: Der Veranstalter zahlt dem Hotelier 30 Euro für Gast und Nacht, verkauft diese Leistung an den Urlauber aber für 80 Euro. Im Direktverkauf an den Urlauber könnte der Hotelier beispielsweise Vollpension für 60 Euro anbieten. Der Urlauber wäre glücklich, weil er weniger bezahlt, der Hotelier hätte mehr Einnahmen und könnte auch die Qualität seines Angebots verbessern. Die ist bei All-inclusive teils erbärmlich: Da stehen pro Gast und Tag drei Euro für die komplette Verpflegung zur Verfügung.

Warum machen die Hoteliers das dann nicht einfach?
Bei den großen Luxushotels, die ja durchaus auch AI anbieten, funktioniert das. Der Vorteil ist, dass deren Zielgruppe trotz AI genug Geld mitbringt, um es auch außerhalb des Hotels auszugeben. Und da gibt es ja genug Möglichkeiten – genau das unterscheidet uns eben von der Karibik. Die Gäste kommen nicht nur wegen Strand und Sonne, sondern auch wegen der bestehenden Strukturen, dem Angebot an Restaurants und Bars. Wenn das wegen der qualitativ schlechten AI-Konkurrenz verschwindet, dann hat die Insel als Reiseziel keine Zukunft mehr.

Halten Sie ein Register der AI-Hotels für sinnvoll?
Was soll das bringen? Sinnvoller wäre es, kleine und mittlere Unternehmer, die auf Qualität setzen, zu unterstützen, statt AI zu regulieren. Die Hoteliers sind wegen der geringen Gewinnmargen ohnehin nicht daran interessiert, All-inclusive-Pakete zu verkaufen. Und mittlerweile bemerken sogar die Veranstalter die negativen Auswirkungen.

Zum Beispiel?
In Cala Millor etwa haben Läden, Ausflugsveranstalter, Bars und Restaurants reihenweise geschlossen, jetzt ist da alles tot. Das merken natürlich auch die Gäste, die sich über das trostlose Ambiente außerhalb der Anlagen beschweren. Das Ergebnis ist, dass die Veranstalter nun die Hoteliers auffordern, dort ergänzende Angebote zu schaffen. In der diesjährigen Saison werden einige Hotels nun Bars in der Umgebung anmieten, um wieder Leben in den Ort zu bringen.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |