Andratx: Wer verhilft dem Hafen zu neuem Glanz?

Der Wahlkampf in der Gemeinde dreht sich um die Zukunft der Uferpromenade, die Zustände in den privaten Urbanisationen und den Service für Ausländer

19.05.2015 | 12:13
Der Wirt: PP-Kandidat Jaume Porsell – hier in seinem Café in Port d´Andratx – steht für Kontinuität

Es ist der dritte Anlauf von Jaume Porsell. Der Politiker der konservativen Volkspartei (PP) trat bereits bei den Kommunal­wahlen 2007 in Andratx an, scheiterte aber damals an der Mehrheit von Mitte-Links. 2011 kam ihm dann eine – später wieder aufgehobene – Beschuldigung in einem Fall mutmaßlicher Korruption in den Weg, und der Parteikollege Llorenç Suau wurde Bürgermeister.

Nun liegt der Fall umgekehrt, Suau wird neben zwei weiteren Amtsvorgängern wegen einer Anzeige im Fall eines schon vor längerer Zeit gebauten Parkplatzes vorgeladen – und so könnte nun Porsell doch noch zum Zug kommen. „Die Politik ist manchmal ungerecht", so der 49-Jährige, der an der Promenade von Port d´Andratx die Bar Central betreibt. Es sei an der Zeit, den Ethik-Codex der PP, der eine Kandidatur von beschuldigten Politikern ausschließt, zur Diskussion zu stellen.

Was passiert mit dem Hafen?
Als Wirt hat Porsell mit einem der Wahlkampfthemen direkt zu tun – der allseits geforderten Aufwertung der Hafenpromenade, die angesichts kaputter Laternen und so mancher Stolperfalle ins Gerede gekommen ist. Der PP-Politiker verspricht, sich mit der für die ­Infrastruktur zuständigen Hafenbehörde um eine Lösung zu bemühen sowie Veranstaltungen wie beispielsweise eine Yachtmesse auf die Beine zu stellen. „Wie kann es sein, dass Portals Nous einen eigenen Weihnachtsmarkt hat und es bei uns nicht einmal eine Weihnachts­beleuchtung gibt?", fragt sich Porsell. Mehr Sauberkeit, mehr Sicherheit, mehr Instandsetzung – er wolle das Image des Hafens wieder ordentlich aufpolieren.

Dass bislang wenig passiert sei, begründet er mit der schwierigen Finanzlage im Rathaus von Son Mas, die man aber inzwischen unter Kontrolle gebracht habe. Es sei wieder ein Haushaltsüberschuss erwirtschaftet worden, und Rechnungen würden wieder innerhalb kurzer Zeit bezahlt. „Früher wollte niemand für das Rathaus arbeiten, jetzt stehen wieder alle Schlange."

Das Argument finanzieller Engpässe lässt der sozialistische Herausforderer Miguel Ángel López nicht gelten. „Im Hafen wurden bereits viermal Kabel der Straßenlaternen gestohlen", sagt der 38-jährige Oppositionspolitiker, der vor Ideen nur so übersprudelt. Kein Wunder, wenn man schon vor Mitternacht das Licht ausschalte und nicht genügend Ordnungs­hüter einsetze. Der Vorschlag von López: eine Fußgängerzone rund um die Flaniermeile im Natur­hafen. „Bislang steigen viele Urlauber nicht einmal aus dem Auto", so der hauptberufliche Taxifahrer. Würden die Besucher dagegen Port d´Andratx zu Fuß erkunden, hätten Gastronomen und Einzelhändler viel mehr davon.

Dauerärgernis Urbanisationen
Neben dem Hafen bestimmt nach wie vor die verzwickte Lage in den meisten Siedlungen von Port d´Andratx die politische Debatte. Zwar wurde 2009 in einem ehrgeizigen, damals von Mitte-Links gestarteten Projekt damit begonnen, Kanalisation und Infrastruktur in zehn privaten Urbanisationen in Ordnung zu bringen. Doch ­ausgerechnet in der größten von ihnen, La Mola, stockt das Projekt und droht juristischer Ärger. Porsell bescheinigt den Mitte-Links-Vorgängern handwerkliche Fehler: Da man das Prozedere in allen Urbanisationen gleichzeitig begonnen habe – die Eigentümer müssen vorab die erste von vier Raten bezahlen –, sei es der Gemeindeverwaltung über den Kopf gewachsen. Und da ohnehin viele Bauprojekte aus der Erbmasse des Ende 2006 verhafteten korrupten Bürgermeisters Eugenio Hidalgo gerichtsanhängig sind, wolle er sich um eine Kooperation mit Inselrat und Landesregierung bemühen, um den finanziellen Risiken zu begegnen.

Oppositionsführer López sieht die Probleme rund um die Infrastruktur weniger bei der Vorarbeit von Mitte-Links, als bei der Um­setzung durch die PP-Regierung – die Instandsetzung in den ersten ­Urbanisationen vor dem Regierungswechsel habe schließlich geklappt.

Wer regiert mit wem?
López sagt aber auch deutlich, dass eine Neuauflage des damaligen Bündnisses – zwischen 2007 und 2011 koalierten Sozialisten, Linksnationalisten (PSM) und die mittlerweile aufgelöste Regionalpartei Unió Mallorquina (UM) – nicht seiner Idealvorstellung entspricht. Am liebsten wäre ihm ein Pakt mit dem Bündnis Més per Andratx, in dem die PSM inzwischen aufgegangen ist. Von der neuen Linkspartei Podemos dagegen, die in unterschiedlichen Koalitionen auch bei Kommunalwahlen antritt, will der Sozialist nichts wissen – angeführt wird die Ortsgruppe von einer ehemaligen PSOE-Politikerin.

PP-Kandidat Porsell hofft auf eine eigene Mehrheit, schließt aber Koalitionen nicht aus. Podemos kommt da nicht in Frage, der Wirt hat aber ein pragmatisches Verhältnis zur neuen Partei, die er mit der Ansiedlung des Cappuccino neben seinem Lokal in Port d´Andratx vergleicht: Als die Nobelkette aufmachte, hätten sich alle Mitbewerber ordentlich anstrengen müssen. Nun habe man diesen „Cappuccino-Effekt" auch in der Politik.

Mehr Infos für Ausländer
Wieder im Programm führen die Konservativen die Ankündigung, Behördengänge zu vereinfachen und online anzubieten. Das wäre gerade für die ausländischen Residenten ein Vorteil, da der Service auch auf Deutsch und Englisch angeboten werde, so Porsell. Er verweist zudem auf eine Angestellte im Rathaus, die beide Fremdsprachen beherrsche.

Sozialist López kann dagegen eigene Fremdsprachenkenntnisse vorweisen – als Taxifahrer hat er reichlich Erfahrung im Umgang mit Ausländern und kann sich in fast perfektem Deutsch und Englisch unterhalten. Sein Versprechen an die Ausländer: Alle Touristen-Infos sollen zu Außenstellen des Rathauses ausgebaut werden, das fremdsprachenkundige Personal die wichtigsten Behördengänge anbieten. Wie im Fall der PP ist es allerdings unwahrscheinlich, dass auch deutsche Kandidaten aufgestellt werden.

Mehr Bürgermitsprache
Sozialisten und Més per Andratx sind bei vielen Themen auf der gleichen Wellenlänge, Més-Spitzen­kandidat Joan Manera setzt aber eigene Schwerpunkte. Wichtig sei ihm vor allem mehr Partizipation, so Manera mit Verweis auf das Hickhack um die kürzliche Neugestaltung der Plaça d´Espanya in Andratx. Gerade, wenn es um Entscheidungen über Ausgaben gehe, müssten auch Betroffene in den Sitzungen des Gemeinderats zu Wort kommen, so Manera. Er schlägt zudem Kommissionen für Themen wie Erziehung, Fiestas, Kultur und Sport vor, in denen alle Beteiligten zu Wort kämen. Weiteres zentrales Thema des Lehrers und früheren Gemeinderats für Bildung ist die Förderung der dualen Ausbildung, vor allem im Bereich der Yachtbranche: Andratx wäre ein idealer Standort für das Angebot einer Fachausbildung in diesem Bereich.

Debattiert wird zudem über den Kauf von Fincas. PP-Kandidat Porsell verweist auf den Erwerb des Landguts Sa Gramola, das vom Waldbrand 2013 zerstört worden war, wieder aufgeforstet wird und als Rastplatz für Wanderer beim Marsch durch die Tramuntana dienen soll. Von der Kirche erworben wurde zudem das Teatro Orpa in Port d´Andratx für knapp 350.000 Euro, es soll für Versammlungen und Events genutzt werden. „Die PP kauft Ruinen, statt die bestehenden Gebäude zu sanieren", kritisiert dagegen Sozialist López.

Einig sind sich die Parteien dagegen bei dem Plan, die vom spanischen Umweltministerium erworbene Finca Can Fasser in Port d´Andratx endlich übertragen zu bekommen. Nutzungsmöglichkeiten gäbe es genug – vom ethnologischen Museum über Angebote für Vogelfreunde bis hin zur Anlage eines Sees.

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