Felanitx zwischen Kunst und Bilanzen

Weniger Schulden, sauberes Wasser, mehr Kulturtouristen: Im Südosten Mallorcas setzen die Kandidaten sehr unterschiedliche Akzente

19.05.2015 | 12:13

Dass sich in ­Felanitx in den vergangenen vier Jahren etwas getan zu haben scheint, diesen Eindruck kann man auf der Plaça d´Espanya im Ortszentrum gewinnen. Der palmenumsäumte Platz wurde neugestaltet und bietet jetzt mehr Raum zum Flanieren. Für Bürgermeister Biel Tauler (Volkspartei, PP), der die vergangenen vier Jahre mit absoluter Mehrheit regierte, ist das Projekt denn auch ein Beispiel, dass man trotz der schwierigen Haushaltslage nicht untätig geblieben sei – auch wenn freilich einen Teil der Kosten der Inselrat trug.

„Wir mussten sehr viel strenger kalkulieren", sagt der 44-Jährige – und ist nun stolz, dass die Schulden von 10 auf 3 Millionen Euro gedrückt sowie ein Überschuss von rund 2 Millionen Euro erwirtschaftet worden sei. Der geplante Verwendungszweck für die Hälfte des Betrags ist gleichzeitig Wahlprogramm: Knapp 350.000 Euro sollen in die Restaurierung des heruntergekommenen Gemeindearchivs neben dem Rathaus fließen.

Weitere Projekte: eine Biomasse-Anlage im Sportzentrum Guillem Timoner (142.000 Euro), die Erneuerung der Straßenbeleuchtung (100.000 Euro) sowie die Neugestaltung der Plaça Es Corso in Portocolom (35.000 Euro).

Oppositionsführer und Spitzen­kandidat der Linksgruppierung Bloc per Felanitx, Joan Xamena, zieht eine andere Bilanz. „In Felanitx herrscht Stillstand", kritisiert der 42-Jährige. „Es schließen immer mehr Geschäfte, und das Zentrum ist in einem erbärmlichen Zustand." Die Herrichtung der Plaça d´Espanya habe zudem die Parkplatzprobleme massiv verschärft, so der Links­politiker – zunächst einmal hätte ein öffentlicher Parkplatz eingerichtet werden müssen. Zentrale Punkte im Wahlprogramm von Bloc per Felanitx sind Subventionen für Haussanierungen sowie höhere Steuern für Eigentümer, die ihre Immobilien verfallen lassen.

Der Kandidat der oppositionellen Sozialisten, der erst 28-jährige Xisco Duarte, kritisiert zudem eine Vernachlässigung des Hafenorts Portocolom, aber auch der weiteren Ortskerne wie des touristisch geprägten Cala Ferrera oder des Künstlerdorfes Cas Concos. Duarte will mit seinem Einsatz für Porto­colom punkten, aber auch mit seinem Lebenslauf: Nach seinem Kunststudium und einem Master in zeitgenössischer Keramik verbrachte er ein Jahr in Berlin, wo er in einer Künstler-WG wohnte und eigene Werke ausstellte. Er habe deswegen auch einen guten Draht zur ausländischen Künstler-Community in Cas Concos, so Duarte.

Was wird aus Es Sindicat?
Am Herzen liegt ihm deswegen auch der Kulturtourismus und das zuletzt wieder ins Stocken ­geratene Projekt rund um die frühere Bodega Es Sindicat – wenngleich auch er keine konkrete Lösung für das Problem hat. Vor einem Jahr hatte Tauler den Kauf der Anlage angekündigt, um sie in ein Kunst- und Kulturzentrum unter der Regie des international renommierten Insel-Künstlers Miquel Barceló zu verwandeln. Finanzielle und bürokratische Schwierigkeiten aber haben dem Bürgermeister einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Problem: Um die für den Kauf benötigten 4 Millionen Euro bei den Banken zu leihen, brauche man die Erlaubnis der Zentralregierung, so Bürgermeister Tauler. Des Weiteren sei die Denkmalschutzbehörde des Inselrats gefragt, um einen weiteren Niedergang der seit 20 Jahren brachliegenden Anlage zu verhindern.

Xamena vom Bloc per Felanitx dagegen fordert statt den Kauf durch Steuermittel eine Enteignung von Es Sindicat – da der Eigentümer so lange untätig geblieben sei, gebe es eine ausreichende Rechtsgrundlage, um ein Verfahren einzuleiten. Die früher größte Bodega Mallorcas tauge nicht nur als Kunstort, sondern auch als Museum für das Industrieerbe, so der Linkspolitiker. Felanitx könnte sich zudem einen Namen als aufstrebender Weinort machen – der deutsche Unternehmer Peter Eisenmann baut schließlich auch eine große Bodega –, etwa mit der Ausrichtung einer eigenen Weinmesse.

Gelöst wurden unterdessen die Probleme mit der Felsenburg. Nach langen Verzögerungen hat die Besitzerfamilie das Santueri restauriert und wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – auch hier war einmal über eine Enteignung diskutiert worden. Mit rund 10.000 Besuchern im ersten Jahr habe sich die Felsenburg zu einer wichtigen Touristen­attraktion entwickelt, so Tauler – vom Besucherstrom profitierten nun Wirte und Einzelhändler im Ort. Weitere Urlauber nach Felanitx spülen soll zudem die Erschließung des Radwege­netzes im gesamten Gemeindegebiet. In Vorbereitung seien die Geo-Positionierung der Routen sowie QR-Codes für Smartphone affine Urlauber.

Mieses Wasser in Portocolom
Die Gemeinde im Südwesten Mallorcas ist nicht nur bei Urlaubern beliebt, gemeldet sind auch mehr als tausend deutsche Einwohner. Ganz oben auf ihrer Sorgenliste steht die miese Wasserqualität, vor allem in Portocolom. Die Probleme seien nach langen Verzögerungen so gut wie gelöst, beteuert Tauler: Praktisch jeden Tag könnten die Bauarbeiten beginnen, um eine Wasserleitung zwischen Porto­colom und den neun Brunnen in rund fünf Kilometern Entfernung zu legen. Laut Ausschreibung müsse das Projekt innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden.

Nach der schweren Geburt könne sich die PP die Lösung der Wasserprobleme schlecht als Erfolg auf die Fahnen schreiben, wirft dagegen Xamena ein – und verweist darauf, dass die Wasserqualität nicht nur in Portocolom zu wünschen übrig lässt.

Streit um den Leuchtturm
In dem Küstenort wird derzeit auch über die Pläne der balearischen Hafenverwaltung gestritten, in dem Leuchtturm ein Hotel einzurichten. Die Oppositionsparteien warnen vor einer Privatisierung des 150 Jahre alten Turms und haben die PP ohne Erfolg aufgefordert, die Zuständigkeit für Punta de Ses Crestes zu beantragen. Der landschaftliche, touristische und identitätsstiftende Wert des faro sei nicht zu überschätzen, so Xamena. Bürger­meister Tauler dagegen argumentiert, dass der Leuchtturm ohnehin nicht baulich verändert werden dürfe und der Komplex mit dem geplanten Projekt der Hafenverwaltung letztendlich für Urlauber wie Anwohner zugänglich werde.

Tauler regiert inzwischen seit sieben Jahren in Felanitx – seine Macht scheint gefestigt, die PP ist seit zwölf Jahren an der Macht und stellt derzeit zehn von 17 Gemeinderäten. Herausforderer Duarte argumentiert deswegen auch damit, dass er als politischer Newcomer für frischen Wind im Rathaus sorgen wolle. Für alle Fälle hatte er zu seiner Vorstellung vergangene Woche jedoch auch den sozialistischen Veteran Miquel Riera mitgebracht. Er hatte früher in Felanitx regiert – und stand als Pate für ein gemeinsames Foto bereit.

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