SPANIEN

Separatisten in Katalonien holen Mehrheit nach Sitzen, aber nicht nach Stimmen

Der Urnengang am Sonntag (27.9.) gilt als richtungsweisend für das Ziel der Nationalisten, sich von Spanien loszulösen

28.09.2015 | 09:47
Die Unabhängigkeitsbefürworter zeigen Flagge.

Bei den Regionalwahlen in Katalonien am Sonntag (27.9.), die als richtungsweisend für die Unabhängigkeitsbewegung eingestuft werden, haben die Befürworter einer Loslösung von Spanien die Mehrheit der Sitze, aber nicht der Stimmen geholt. Nach Auszählung von fast 100 Prozent der abgegebenen Stimmen kommt das heterogene Wahlbündnis Junts pel Sí, in dem die konservative CDC des katalanischen Regierungschefs Artur Mas mit den eher linken Republikanern der ERC und weiteren Organisationen ins Rennen gegangen ist, auf 62 Mandate und ist damit nur vier Sitze von der absoluten Mehrheit entfernt.

Zweitstärkste Formation ist mit 25 Abgeordneten Ciutadans, eine recht junge, liberale Partei aus Katalonien, die eine Abspaltung von Spanien strikt ablehnt. Dahinter folgen die Sozialisten (PSC, 16), das Linksbündnis Catalunya Si que es Pot (11) sowie die antikapitalistische CUP (10), der eine Schlüsselrolle bei der Bildung einer absoluten Mehrheit (68 Sitze) der Unabhängigkeitsbefürworter zukommen könnte. Die konservative Volkspartei (PP) liegt bei 11 Abgeordneten.

Die Befürworter der Unabhängigkeit bleiben jedoch - im Gegensatz zur Zahl der Sitze - bei der Zahl der Stimmen mit 47 Prozent leicht unter der 50-Prozent-Marke. Mas hatte jedoch im Vorfeld angekündigt, dass für ihn allein die Zahl der Mandate ausschlaggebend sei.

Die Roadmap der Unabhängigkeitsbefürworter sieht vor, dass das Parlament in Barcelona offiziel den Prozess hin zur Unabhängigkeit beschließen wird. Unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft sollen dann eine Verfassung und eigene Staatsstrukturen ausgearbeitet werden und binnen 18 Monaten dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden.

Die in Spanien regierende Volkspartei dagegen, die in Katalonien laut den Hochrechnungen gewaltige Stimmeinbußen hinnehmen muss, hatte im Vorfeld gewarnt, eine Abspaltung von Spanien sei nicht nur verfassungswidrig, sondern würde auch den Verlust der EU-Mitgliedschaft und des Euro für Katalonien bedeuten.

Kommentar: Spanien muss sich neu erfinden - und das am besten sofort

Die Wahlen werden auch auf Mallorca genau verfolgt - die Balearen und Katalonien stehen sich hinsichtlich der Sprache und Kultur sehr nahe,nur eine Minderheit unterstützt aber offen die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien. Die Linksrepublikaner, die für einen Verbund der "katalanischen Länder" einschließlich der Balearen eintreten, sind nur eine Splitterpartei. /ff

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