Interview: "Die Wähler wollen endlich eine Regierung"

26.06.2016 | 20:20
Interview: "Die Wähler wollen endlich eine Regierung"

Gonzaló Adán ist Direktor des Instituts für Sozialstudien (IBES).

Erneuter Urnengang nach sechs Monaten – wie sehr macht sich auf Mallorca die Wahlmüdigkeit bemerkbar?
Die Enthaltung wird etwas höher ausfallen, aber nicht viel. Zur Motivation trägt der Wunsch bei, dass endlich eine Regierung zustande kommt und diese Übergangszeit zu Ende geht. Nur wenige wollen da außen vor bleiben. Auf den Balearen ist die Enthaltung zwar spanienweit am höchsten, es werden aber wieder rund 65 Prozent zur Wahl gehen.

Sie haben einen „Generationswechsel" beim Stimmverhalten festgestellt – was meinen Sie damit?
Vielleicht trifft es Neuorientierung besser. Früher wählten die Älteren meist konservativ und die Jüngeren progressiv oder gar nicht. Jetzt stimmen die Jüngeren für die neuen Parteien Podemos und Ciudadanos, und es wird für PP und PSOE sehr schwierig. Mit der Zeit wirkt sich dieser Wandel immer stärker aus.

Die Sozialisten und die PP auf den Balearen haben ihre Spitzenkandidaten ausgetauscht. Spielt das eine Rolle?
Meiner Ansicht nach keine. 80 bis 90 Prozent der Wähler orientieren sich an den spanienweiten Kandidaten. Das ist etwas stärker bei den konservativen Parteien der Fall, bei den linken weniger.

Ein weiterer Unterschied zu Dezember ist, dass nun Podemos und Més gemeinsam antreten. Holen sie gemeinsam so viele Stimmen wie getrennt?
Das ist die große Frage dieses Wahlkampfs. Die Umfragen sagen uns, dass es so sein wird. Die gemeinsame Liste nähert sich der 30-Prozent-Marke und liegt damit rund zehn Punkte vor den Sozialisten. Um ihnen aber wirklich ein Mandat abzunehmen, muss sich dieser Abstand konsolidieren.

Wie realistisch ist es, dass Units Podem Més die Konservativen auf den Balearen überholt?
Es ist durchaus möglich. Wenn die PSOE weiter Boden verliert und Podemos gutmacht, könnte das Bündnis gleichauf mit der PP liegen oder sie sogar überholen. Wir haben dafür eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent errechnet. Frank Feldmeier

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