Mitreden bei den Spanien-Wahlen: Zwischen "elección" und "selección"

In diesen Tagen ist sowohl von der "Wahl" als auch von der "Auswahl" die Rede

26.06.2016 | 22:57
Vielleicht sollte der National-Auswähler Vicente del Bosque nach der Wahl die Entscheidung treffen.
Vielleicht sollte der National-Auswähler Vicente del Bosque nach der Wahl die Entscheidung treffen.

In gewisser Weise ist derzeit von mindestens zwei Wahlen die Rede: las elecciones sind dabei die spanischen Parlamentswahlen, oft auch las generales genannt. Sie finden am Sonntag (domingo), 26. Juni, am 26-J statt. Da es sich um die Wiederholung der elecciones generales vom 20. Dezember handelt, sind die Spanier (los españoles) ein bisschen wahlmüde (cansados de votar), was zu einer erhöhten Enthaltung (mayor abstención) und Politikverdruss (desafección por la política) führen kann. Manche sprechen von desgaste público, was man wohl mit „Müdigkeitserscheinungen in der öffentlichen Debatte" übersetzen müsste.

Auf der anderen Seite sprechen diese Tage viele von der la selección. Das bedeutet „Auswahl" und bezieht sich auf die „Nationalauswahl" oder genauer gesagt auf die spanische Nationalmannschaft im Herrenfußball, die gerade la Euro also die „EM" bestreitet. Der seleccionador – also der „Auswähler" – ist in diesem Fall seit 2008 Vicente del Bosque. Auf Deutsch nennen wir ihn „Nationaltrainer".

Zu den Hauptaufgaben des Trainers (auch el entrenador) gehört nicht nur die „Auswahl" (la selección) der Spieler (los jugadores), sondern eben auch eine ganze Reihe von taktischen ­Entscheidungen (decisiones tácticas): ¿Debería haber elegido al otro portero? (Hätte er den anderen Torwart wählen sollen?) No, creo que De Gea ha sido la mejor opción. (Nein, ich glaube De Gea war die beste Wahl.)

Aber das deutsche Wort „Wahl" hat auch noch andere Übersetzungen im Spanischen. Zum Beispiel beim Ausdruck „Wahlheimat". Der wird sowohl für die Spanier benutzt, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland ausgewandert sind – Alemania ahora es su patria adoptiva (Deutschland ist ihre Wahlheimat) – als auch für die deutschen Mallorca-Residenten, die España como su patria adoptiva (Spanien als ihre Wahlheimat) anerkennen.

Im Deutschen benutzen wir das Wort „Wahl-" manchmal auch als Gegenteil zu „Pflicht". In Schule und Studium gibt es schließlich die „Pflichtfächer" (las asignaturas obligatorias / troncales) und die „Wahlfächer" (las asignaturas optativas / de libre elección).

Bleibt zu hoffen, dass die Spanier am Sonntag die beste Wahl (la mejor opción) treffen. Und dass sich die Auswahl gewählter Abgeordneter (la selección de diputados elegidos) auf einen presidente de Gobierno (Regierungschef) einigt. Oder sollten sie diese Entscheidung vielleicht einfach ihrem seleccionador nacional (Nationaltrainer) überlassen?

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