Hafenchef: "Nicht auf Teufel komm raus wachsen"

Der Präsident der balearischen Hafenbehörde Autoritat Portuària, Joan Gual de Torrella, über Kreuzfahrttourismus und Krisenjahre

23.01.2017 | 01:00
Joan Gual de Torrella, Präsident der Hafenbehörde.

Die fünf Häfen der balearischen Hafenbehörde Autoritat Portuària rüsten sich für die Zukunft und wollen allein in diesem Jahr rund 42 Millionen Euro investieren – deutlich mehr als die 25 Millionen Euro vergangenes Jahr. Der Investitionsplan wurde im Dezember verabschiedet. Die beiden teuersten Projekte sollen im Hafen von Palma verwirklicht werden – und beide verbessern die Bedingungen für den Kreuzfahrttourismus. 5,1 Millionen Euro will man in die Hand nehmen, um am Dic de l´Oest ein Kreuzfahrtterminal zu bauen. An dieser Stelle steht bisher nur ein Behelfszelt. Mit dem neuen Terminal sollen dort noch größere Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Rund sieben Millionen Euro kostet die Erweiterung der Westmole (moll de Ponent). Hier wird eine größere Esplanade gebaut, um Bussen und anderen Fahrzeugen die direkte Anfahrt zu den Kreuzfahrtschiffen zu ermöglichen. Damit fließen gut zwölf Millionen der in Palma verplanten 16,3 Millionen Euro in den Kreuzfahrttourismus. Der Präsident der Hafenbehörde, Joan Gual de Torrella rechtfertigt im Interview mit der MZ die Ausgaben.

2017 sollen allein in Palma mehr als zwölf Millionen Euro für die Kreuzfahrt ausgegeben werden, wobei das doch gar nicht Ihr Hauptgeschäft ist.
Beide geplanten Projekte sind alternativlos, um den Service für die Kreuzfahrttouristen weiter zu verbessern. Da gab es deshalb auch überhaupt keine Debatten, ob wir das machen sollten.

Obwohl der Kreuzfahrttourismus zumindest derzeit für die Hafen noch ein Minusgeschäft ist.
Das sagen Sie.

Immerhin verlieren Sie, wenn man die Investitionen in den vergangenen Jahren mit den Einnahmen gegenrechnet, pro Jahr rund zwei Millionen Euro.
Das mag zwar stimmen, aber die Hafenbehörde ist eine öffentliche Behörde. Sie ist ein Instrument, um Reichtum für die Gesellschaft und die Stadt zu generieren. Und das tut der Kreuzfahrttourismus, das ist unstrittig.

Das heißt, Sie wollen auch in den kommenden Jahren immer mehr Kreuzfahrtschiffe anlocken?
Es geht uns nicht so sehr um die Quantität als vielmehr um die Qualität. Wir müssen nicht auf Teufel komm raus wachsen. Schon gar nicht in den vier Sommermonaten, in denen wir schon nahe am Anschlag sind. Der Hafen von Palma hat schließlich ein Limit, er kann nicht noch viel größer werden. Auch wenn die Nachfrage dazu sicher vorhanden ist und wohl auch noch steigen dürfte.

Wie sieht es mit Ihrem Kern­geschäft aus, dem Warenverkehr?
Hier sind wir inzwischen, was die Infrastruktur angeht, gut aufgestellt. Ich würde sogar sagen, zum ersten Mal seit 20 Jahren sind die Häfen der Inseln so weit fertig, dass sie optimal funktionieren und die Nachfrage problemlos bewältigten können.

In den Jahren der Wirtschaftskrise gab es einen merklichen Einbruch des Warentransportes. Spüren Sie die seit Kurzem gerne zitierten Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaft wieder erholt?
Der Warenverkehr ist ein absolut verlässlicher Indikator für den Konsum auf den Inseln. Seit 2015 merken wir eine Erholung, auch wenn wir noch nicht bei den Zahlen von 2007 sind. Aber es fehlt auch nicht mehr viel.

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