Was in den Insel-Häfen so alles ankommt

Die Anlegestellen auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera sind die Versorgungsbrücke zum Festland und Abbild des Konsums auf den Balearen

26.01.2017 | 09:59
Was in den Insel-Häfen so alles ankommt

Ganz gleich, ob es um den Aktenkoffer fürs Büro, das Fahrrad für die Mountainbiketour oder den Heizkörper für die Wohnung geht –
fast nichts, was die Bewohner auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln im Alltag benötigen, wird hier produziert. Der Seeweg ist die Versorgungsbrücke schlechthin: „Mehr als 99 Prozent der Waren, die auf die Inseln geschafft werden, laufen in den Häfen ein", sagt ein Sprecher der balearischen Hafenbehörde Autoritat Portuària, die von der Zentral­regierung in Madrid abhängt und die Häfen von Palma, Alcúdia, Maó auf Menorca, Ibiza und La Savina auf Formentera verwaltet. Alle anderen Häfen der Inseln, zumeist kleinere Sporthäfen, unterstehen direkt der balearischen Landesregierung.

Die Mengenangaben der Jahresstatistik der Häfen zeichnen deshalb ein präzises Bild davon, was die Balearen-Bewohner und die Touristen verbrauchen (siehe Grafik ausgewählter Waren rechts). In der Statistik des Jahres 2015 – die für das vergangene Jahr wird es im Sommer veröffentlicht – haben die Häfen mit 13,3 Millionen Tonnen Warenumschlag einen neuen Rekord aufgestellt. Zum Vergleich: Der Hamburger Hafen schlug im selben Jahr 137,8 Millio­nen Tonnen Waren um.

Die wichtigste Rolle auf den Balearen nimmt natürlich der Hafen von Palma ein. Hier legen rund 60 Prozent aller Frachtschiffe und Fähren mit Lkw vom Festland an. Die meisten Waren kommen nämlich inzwischen auf den Ladeflächen von Lastwagen an.
In keinem der fünf Häfen gibt es noch Containerkräne. „Die Containerschiffe, die hier anlegen, haben auf dem Schiff selbst einen Kran installiert", sagt der Sprecher. Kräne gibt es lediglich noch am Dic de l´Oest in Palma zum Heben von Massengut wie Getreide oder Salz sowie in Alcúdia, wo hauptsächlich Kohle damit an Land geschafft wird.

Die Fracht wird auf den Balea­ren mit knapp einem Euro pro Tonne berechnet. Beim Endverbraucher falle das nicht mehr ins Gewicht, so der Sprecher. Die Hafengebühren sollen auch in Zukunft niedrig gehalten werden.

Die Häfen machen auch so ordentlich Kasse. So konnten sie nach einem Bruttogewinn von 17 Millionen Euro im Jahr 2014 ein Jahr später schon 22 Millionen Euro Gewinn ausweisen. Nur ein kleiner Teil davon kommt tatsächlich durch die Hafengebühren zustande. Den Hauptanteil machen die Einnahmen aus den Liegegebühren von Yachten und die Vermietungen von Infrastruktur an Werften oder auch Bars aus. Hier kommt auch das Geld herein, das die Häfen derzeit noch bei den Kreuzfahrtschiffen verlieren (siehe Interview rechts).

Nicht nur in Palma steigt die Zahl der Kreuzfahrtschiffe von Jahr zu Jahr. Alcúdia bewirbt auf Tourismus-Messen explizit seine Kreuzfahrtinfrastruktur – mit ersten Erfolgen. Nach fünf Anfahrten im Jahr 2015 sollen in diesem Jahr schon 14 Mal Kreuzfahrtschiffe dort festmachen. Und in Maó auf Menorca wurden jüngst die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass auch Kreuzfahrtschiffe mit einer Länge bis 270 Metern anlegen können.

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