Verliebt in Pepe: Die Geschichte der Ur-Residentin Heidi Schneider

10-01-2008  
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Verliebt bis über beide Ohren: Heidi Schneider mit ihrem Mann Anfang der 60er. privat

Hundertprozentig trauten die Eltern aus Deutschland dem mallor-quinischen Schwiegersohn nicht über den Weg. Bevor ihm Tochter Heidi Schneider im Jahre 1964 das Ja-Wort geben durfte, setzten sie einen Privatdetektiv auf dessen mallorquinische Familie an. „Sie leben in geregelten Verhältnissen", heißt es in dem Bericht des Detektivs, „sie kommen ihren Zahlungen und Verpflichtungen in normaler Weise nach und sind seriös."

Von Frank Feldmeier

Das inzwischen vergilbte Dokument bekam die heute 67-jährige Deutsche erst nach dem Tod ihrer Eltern in die Hände. „Ich kann das heute verstehen", sagt sie, schließlich sei bei ihrem Mallorca-Abenteuer viel jugendlicher Leichtsinn im Spiel gewesen. Und wäre die Ehe schiefgegangen, hätte sie sich im damaligen Franco-Spanien nicht scheiden lassen oder das Sorgerecht für ihre Kinder beanspruchen können.

Es war bei einem Urlaub im September 1961, als sie ihren späteren Mann kennenlernte - beim Spaziergehen in Coll d´en Rabassa, als die damals 21-Jährige vor lauter Übermut ihren Schuh in die Luft warf. „Ich wusste nur, dass er Pepe heißt, und habe mich total verknallt", erzählt Schneider. Der Mallorquiner schindete mit einem Fischerboot Eindruck und gab sich als drei Jahre älter aus, wie sie später erfuhr.

Beinahe hätten sie sich nach ein paar romantischen Tagen aus den Augen verloren - die Fähre zurück nach Barcelona legte überraschend früher ab. Zum Glück war der Mallorquiner ebenfalls auf dem Weg nach Barcelona, und die beiden konnten sich einen Tag später im dortigen Hafen voneinander verabschieden. Schon zu Weihnachten verbrachte Schneider einen weiteren Urlaub auf der Insel, und im Sommer kam sie erneut, diesmal für ein halbes Jahr. Der damaligen Moralvorstellungen wegen übernachtete sie nicht im Haus der Eltern, sondern in einem Kloster. Dank ihrer Englisch- und Französisch-Kenntnisse fand sie einen Job in einem Schmuckgeschäft in Palmas Innenstadt, wo viele Kreuzfahrttouristen aus den USA verkehrten. Beim Arbeiten und in der Familie lernte sie Spanisch und Mallorquinisch.

Liebesbeweis auf der Fahrt nach Deutschland


Auf eine harte Probe wurde die grenzüberschreitende Liebe durch die lange Überfahrt durch Frankreich gestellt. In einem Fiat 600 ging es knapp 30 Stunden am Stück über schlecht ausgebaute Landstraßen. „Wenn ich nicht verliebt gewesen wäre, hätte ich das nicht mitgemacht", sagt Schneider. Die Eltern bestanden schließlich darauf, dass die Hochzeit in Deutschland stattfand. Im Heimatdorf im Saarland war das Mallorca-Abenteuer eine Sensation. „Das soll ein Spanier sein?", hieß es - der Bräutigam war großgewachsen und blauäugig.

Sogar ihre deutsche Staatsangehörigkeit musste die Braut aufgeben. In den folgenden Jahren kam sie nur noch selten zu Besuch in die Bundesrepublik. Ihr Mann hatte als Ingenieur für Klimatechnik alle Hände voll zu tun, sie musste hingegen zu Hause bleiben und zog ihre zwei Söhne auf. „Ich hätte eine gute Karriere machen können", sagt sie - doch im Franco-Regime passte das nicht ins Gesellschaftsbild.

Mit Deutschen hat sie erst wieder mehr Kontakt, seit ihr Mann vor sieben Jahren starb. Erst danach entschied sie sich, deutsches Fernsehen zu empfangen. Sie krempelte ihr Leben um, arbeitet heute als Wohnungsverwalterin, singt in einem mallorquinischen Chor und hat sich für Kurse in der Balearen-Universität eingeschrieben. Dort lernt sie nicht nur zusammen mit anderen Senioren Astronomie und Informatik, ihr mallorquinischer Geschichtsdozent erklärt ihr auch, wie das Hitler-Regime funktionierte. „In meiner Zeit wurde darüber nicht gesprochen", sagt Schneider.

Eine Rückkehr nach Deutschland kam für sie nie in Frage, dort fühle sie sich mittlerweile fremd. Ein Blick aus dem Fenster in ihrem Haus im Palmas Viertel Gènova gibt ihr Gewissheit. „Ich werde schon nach zwei Tagen Regen trübsinnig", so die Deutsche. „Wenn man über 40 Jahre hier gelebt hat, dann hat man hier auch sein Zuhause."

In der Druckausgabe lesen Sie außerdem:
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