Kult-Strand Es Trenc: Früher Algen-Schmutz, heute Schutz des Dünensystems

29-05-2008  
Enviar
Imprimir
Aumentar el texto
Reducir el texto
So sah der Strand bis vor zwei Wochen aus: Abgestorbenes Seegras bedeckt den Sand.  Fotos: Umweltministerium

Die Strandbuden-Betreiber und Liegematten-Verleiher rund um den Es-Trenc-Strand sind auf das balearische Umweltministerium neuerdings schlecht zu sprechen. „Schon immer wurde hier das Seegras entfernt", schimpft Konzessionär Miquel Coll. „Und jetzt untersagen das einige Herren aus dem Ministerium, die den Unterschied von toten und lebenden Algen nicht zu kennen scheinen." 

FRANK FELDMEIER Die Kritik zielt auf Miquel Ferrà, den Leiter der Abteilung für Artenvielfalt im Umweltministerium. Der aber lacht nur, als ob er sagen wollte: Sie wissen es nicht besser. Das gesamte Gebiet um Mallorcas berühmtesten Naturstrand an der Südküste Mallorcas soll unter Naturschutz gestellt werden - der Weg dorthin sei lang, der Erklärungsbedarf groß.

Das beginnt mit den Algen am Strand, die gar keine Algen sind, sondern abgestorbene Neptungräser. Die werden immer wieder angeschwemmt, und das ist gut so. Was einige Touristen nur mit Schmutz und unangenehmem Geruch in Verbindung bringen, definiert Ferrà als fundamentalen Bestandteil des Naturstrands. Im Wasser bremsen die Seegräser, die in 200 Jahren nur rund einen Zentimeter wachsen, den Wellengang und schaffen einen Lebensraum für Mikroorganismen, denen der feine Sand zu verdanken ist. An Land schützen sie die Dünen. Die Schicht der abgestorbenen Pflanzen auf dem Sand verhindere, dass dieser von Wind und Sturm davongetragen wird.

„Wir sind keine Gegner der Strandnutzung", sagt Ferrà, „wir wollen aber garantieren, dass der Strand auch noch in hundert Jahren Touristen anzieht." Deswegen bleiben die Neptungräser möglichst lange liegen und werden erst im Sommer weggeräumt. Damit wurde vergangene Woche begonnen. Anders als früher wird der Strand nicht mehr mit schweren Maschinen durchpflügt- ein Prozess, bei dem auch ein großer Teil des Sandes verloren ging. Die Arbeiter türmen die abgestorbenen Pflanzen stattdessen zu Haufen, aus denen der Sand ausgewaschen wird. Ein Teil des Seegrases wird dann über den ganzen Strand verteilt und mit einer zweiten Schicht feuchtem Sand bedeckt. „So schützen wir den Kernstrand", sagt Ferrà. Das restliche Seegras bekommen Bauern zur Düngung.

Zu den Maßnahmen des Ministeriums gehören auch Schutzgitter aus Holz, die überdimensionalen Kämmen ähneln. Sie sorgen dafür, dass der Wind weniger Sand davonträgt und sich die Dünen leichter ausbilden können. Ohne sie transportiert der Wind den Sand in die dahinterliegenden Kiefernwälder.

Eigentlich wäre all dies Sache der Gemeinde Campos und der Strandbudenbetreiber. Man wolle jedoch in diesem Jahr mit gutem Beispiel vorangehen und allen Beteiligten die „sanfte Strandreinigung" erklären, die im Übrigen nur minimal teurer als die bisherige brachiale Methode sei.

Und die Pläne des Umweltministeriums gehen noch weiter. Sie sehen vor, dass Strandbesucher ihr Auto in Zukunft außerhalb der Schutzzone parken und per Bus zum Strand gebracht werden. Das werde nicht kostenlos sein, die Parkgebühren würden jedoch den Transfer schon beinhalten, verspricht Ferrà.

Wie weit der fast drei Kilometer lange Naturstrand bereits geschädigt wurde, ist auf den ersten Blick erkennbar: „Der Strand war vor 30 Jahren acht bis zehn Meter breiter", ist sich Ferrà sicher. Standen die Bunkerruinen aus dem Zweiten Weltkrieg früher viele Meter entfernt von der Meereslinie, schwappt das Wasser inzwischen fast bis an die Mauern.

In der Druckausgabe lesen Sie außerdem:
Fall Andratx: Vier Jahre Haft für Ex-Bürgermeister Hidalgo
Stille Revolution am Es-Tren-Strand
Neue Vorgabe für Taxifahrer
Das Wetter auf den Balearen spielt verrückt

Nachricht melden
 

9 Kommentare

Kommentar eingegangen am 02-09-2008 um 11:28:53
Wunderschöne Natur auf Mallorca, super Wasser, schöne Sandsträne!!!! War 2 Monate dort Juli und August und kenne abgelegene Strände.... woher kommt der Müll an den Straßen zu den Stränden und teils die großen Müllhaufen an den Stränden????? Es gibt doch tatsächlich Menschen, die meinen Plastiktüten und gesammelten Hausmüll könnte man einfach an den Straßenrand werfen/stellen/legen oder einfach vergessen. Der Anblick hat mich jeden Tag aufs Neue angeekelt..... !!!!! Sind das die Touristen??? Ich glaube nicht, denn diese Strände/Buchten werden zu 95 % von Spaniern bzw. Malloquinern besucht........ Niemand bückt sich und hebt mal was auf. Container sind vorhanden, man muss nur ein paar Schritte mehr laufen.... Eine Person alleine kann das Problem nicht bewältigen, trotzdem hebe ich ständig was auf und entsorge es........ wenn jeder ein bißchen Müll entfernt, können auch auf Mallorca bald nur noch saubere Buchten, Wege sein..... Sogar der vielbesuchte Es Trenc Strand ist auf den Wegen total vermüllt!!!!! Ich hoffe, das Selbstverständnis für Sauberkeit setzt sich durch..... !!!! Helft bitte alle mit.... sprecht die Leute an und bückt Euch alle mal...... Muchas gracias
Autor: Regina
Kommentar eingegangen am 17-08-2008 um 16:00:19
"Eigentlich wäre all dies Sache der Gemeinde Campos und der Strandbudenbetreiber ...", richtig, aber wie alle solche Aussagen (Auflagen) ist das zuwenig konkret, die Umsetzung verschwindet im Kompetensgewimmel der beteiligten Behörden bzw. in der Verknüpfung von öffentlichen und privaten (wirtschaftlichen) Interessen.
Schlimm finde ich folgendes:
In der Umgebung der Strandbuden finden sich Anhäufung von schlecht getarnten Müllbergen in den Dünen, die überquellenden (zu)kleinen Mülleimer am ganzen bewirtschafteten Stand werden zwar regelmässig abends geleert, aber der beigestellte Müll wird - spätestens am frühen Nachmittag - durch den Wind gleichmässig in der Landschaft verteilt und bleibt liegen. Wir sind regelmässig am "Es Trenc", stellen unseren Wagen immer auf dem sehr teuren ausgewiesenen Parkplatz ab und nehmen unseren Müll meist wieder mit in unseren Wohnort, denn ausreichend grosse Sammelbehälter habe ich bisher keine gesehen. Hier wäre eine entsprechenden Initiative/Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung dringend notwendig.

Aber ich glaube auch an ein Umdenken der zahlreichen Besucher. Nach meiner Beobachtung werden aber immer weniger "Tagesreste" unter Sträuchern und Bäumen vergraben bzw. abgelegt.
Auch die Akzeptanz für den naturbelassenen Strand mit den abgestorbenen Neptungräsern nimmt zu, allerdings sollten die fauligen und stinkenden Grasberge, schon wegen der Fliegenplage, zügig bearbeitet, bzw. zur Austrocknung ausgelegt und mit Sand abgedeckt werden. Mallorca darf sich, mit seinem Status als scheinbar sicher vermarktetes Urlaubsgebiet, nicht noch mehr verzetteln. Gesunde Umwelt ist immer wichtiger.
Das Gezerre um die "Touristensteuer", der fast schon separatistische Sprachenexzess, das Gejammere um den Ausverkauf der Insel, die Überfremdung usw. stellen die wirtschfatliche Grundlage für den Wohlstand der Inselbewohner schon genug in Frage.
Autor: heinrich
Kommentar eingegangen am 05-07-2008 um 11:37:11
FAKT ist, dass die gesamte Insel von ihren Besuchern/Touristen lebt und nicht umgekehrt!! Fakt ist auch, dass die Algen dort wo sie sich befinden, NIEMANDEM dienen/nützlich sind! Fakt ist, dass sie das Mehr an Land spülen, weil sie tot sind! Fakt ist, dass es Müll ist! Fakt ist, dass die Mallorquiner selbst ÜBERHAUPT keinen Bezug zu Ökologie haben. Fakt ist, dass die Deutschen tatsächlich nicht so schlecht sind wie sie von ihren eigenen Landsleuten gerne gemacht werden! Fakt ist auch, dass der Es Trenc Strand letztes Jahr noch wunderschön war! Fakt ist aber auch, dass es noch andere Inseln mit wunderschönen Stränden gibt! Fakt ist, dass die Mallorquiner erst aus Fehlern schlau werden!! Tschüss!:o)
Autor: AD.
Kommentar eingegangen am 20-06-2008 um 18:31:33
Wir kommen seit Jahren in die Colonia de Sant Jordi und lieben den Strand von Es Trenc, so jetzt wieder Ende August/Anfang September. Wir würden es sehr begrüßen, einen sauberen Strand vorzufinden, insbesondere am Bunker 38. Wir selbst entsorgen unseren Abfall immer im Müllbehälter.
Autor: dieterw@ssmuth.de
Kommentar eingegangen am 18-06-2008 um 20:59:42
es müsste eigentlch keine diskusionen darüber geben seinen müll mitzunehmen vor allem diese tausende zigagettenkippen grauenvoll
Autor: lieselotte tognolo
Kommentar eingegangen am 16-06-2008 um 13:53:47
Der "Es Trenc" ist einer der erhaltenswertesten Naturstrände auf Mallorca.
Anmerkungen zum Thema Müll:
Jedem Strandbesucher muss zugemutet werden, den produzierten, das heißt selbst mitgebrachten Müll wieder zu entsorgen. Wer der Meinung ist, durch diese einfach zu praktizierende Handlung würden Touristen vergrault, irrt sich. Am Ausgang zu
den Bauruinen von "Ses Covetes" sind die Müllbehälter zwar sehr schnell überfüllt, werden jedoch täglich - glaube ich zumindestens - geleert. Auch Mallorquiner nehmen diese Form der Pflege der Umwelt immer ernster. Sicherlich finden sich im Hinterland jede Menge Reste von Feten und Feien, fast liebevoll unter Ginster- und Rosmarinstäuchern versteckt, aber diese "Ablagerungen" werden weniger.

Autor: kewikawa
Kommentar eingegangen am 04-06-2008 um 12:09:37
Wenn Ihr mal in Es Trenc seit, dann loht es sich mal eine dieser Strandbuden zu besuchen, nicht um dort was zu konsumieren, sondern um sich mal den Umkreis speziell sich die Gegend hinter diesen Lokalen anzuschauen: Überall Plastikmüll! Genau diese Leute beschweren sich nun darüber das man Es Trenc als Naturstrand wahren will, das ist bitter! Desweiteren kann ich nur jeden Touristen der nicht die Natur akzeptieren will wie sie ist und nun sogar in Es Trenc einen "cleanen" Strand erwartet sagen, das sie Menschen ohne Gewissen sind, die hier oder auf irgendeinen anderen Flecken Natur dieser Erde nichts suchen sollten. Es Trenc ist der letzte grosse Naturstrand dieser Insel, wer das ignoriert beweist nur mehr wieviele unserer Landsleute hier immer wieder unter Beweis stellen das wir eine Nation voller "Übermenschen" und Ignoranten sind. Haben Sie mehr Gewissen und beweisen Sie das wir Deutsche auch anders seien können.
Autor: Bernd
Kommentar eingegangen am 02-06-2008 um 14:11:10
Aber genau das will man doch, überall und immer.
Die Ausländer sollen doch bleiben, wo der Pfeffer wächst und von zu Hause aus einen Pflichtbeitrag für die mallorquinische Wirtschaft überweisen ....
Autor: Spottdrossel
Kommentar eingegangen am 31-05-2008 um 18:41:18
Ich glaube nicht, dass so ein sanfterer tourismus möglich ist. So vergrault man nur die Leute.
Autor: oliber


  Zeitungbibliothek
  LERNEN SIE UNS KENNEN:  KONTAKT |  REDAKTION |  ANZEIGEN-TEAM     WERBUNG:  TARIFE
mallorcazeitung.es gehört zur Verlagsgruppe  Editorial Prensa Ibérica
Die vollständige oder teilweise Verwendung der über dieses Medium angebotenen Inhalte ohne ausdrückliche Genehmigung der Mallorca Zeitung ist untersagt. Nach Gesetz LPI, Artikel 32,1, 2. Paragraf ist jedwede Reproduktion verboten.
 
  Aviso legal
  
Andere Medien der Gruppe Editorial Prensa Ibérica
Diari de Girona  | Diario de Ibiza  | Diario de Mallorca  | Empordà  | Faro de Vigo  | Información  | La Opinión A Coruña  |  La Opinión de Granada  |  La Opinión de Málaga  | La Opinión de Murcia  | La Opinión de Tenerife  | La Opinión de Zamora  | La Provincia  |  La Nueva España  | Levante-EMV  | El Boletín  | Regió 7  | Superdeporte  | The Adelaide Review  | 97.7 La Radio  | Blog Mis-Recetas