Von Kirsten Lehmkuhl
Wie erklären Sie sich diesen enormen Zuwachs?
Die Bodegas auf Mallorca haben enorme Anstrengungen unternommen, um die Qualität der Weine zu verbessern. Das ist einer der Hauptgründe für unseren Erfolg.
Die Qualität der Inselweine hat sich ja nun schon seit geraumer Zeit verbessert. Warum diese guten Exportzahlen im Jahr 2004?
Das verdanken wir besonders den deutschen Residenten und Touristen. Der mallorquinische Wein wäre ohnehin nicht das, was er ist, wenn die Deutschen nicht gewesen wären.
Die Deutschen haben die Bodegas maßgeblich unterstützt?
Das kann man wohl sagen. Ihre große intellektuelle Neugierde, was Insel-Produkte betrifft, ist außergewöhnlich. Ich meine das in sehr positivem Sinne. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Die besten Werbeträger für Mallorca-Wein sind die Deutschen.
Weil sie den Wein nicht nur selbst trinken, sondern auch anderen empfehlen?
Ja, sie haben ihn ihren Freunden und Bekannten empfohlen. Die Deutschen sind ausgesprochen dankbare Kunden. Sie haben die Anstrengungen der hiesigen Winzer, ihren Wein immer weiter zu verbessern, immer geschätzt. Es waren die Deutschen, die verstanden haben, dass Mallorca mehr ist als Sonne, Strand und Golf.
Endlich mal ein anderes Bild von meinen Landsleuten. Wenn ich da an Arenal denke ?
Das ist eine ganz andere Klientel. Den Urlaubern dort ist es wahrscheinlich egal, was sie trinken. Nehmen wir aber die deutschen Residenten. Weil sie guten Wein trinken wollten, waren wir Winzer gezwungen, die Qualität unserer Produkte zu verbessern.
Die Exportsumme balearischen Weins belief sich in den ersten neun Monaten 2004 auf rund 660.00 Euro. Wieviel der jährlichen Weinproduktion wird überhaupt exportiert? Wieviel ging davon 2004 nach Deutschland?
Rund 15 Prozent der gesamten Weinproduktion Mallorcas geht in den Export, davon wiederum rund 80 Prozent nach Deutschland. Das ist ganz klar unser Exportland Nummer eins.
Gefolgt von?
Den skandinavischen Ländern, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden. Auch Japan ist sehr stark im Kommen.
Welche Rebsorten mögen die Deutschen besonders?
Sie mögen alle mallorquinischen Weine. Vielleicht besonders Merlot, aber auch Manto Negro interessiert sie sowie Callet und Prensal Blanc.
Mallorcas Weine sind auf Erfolgskurs in Deutschland. Kennen Sie deutsche Weine?
Natürlich, besonders die Rheinweine.
Warum findet man in den Restaurants in Spanien so selten Weine aus Deutschland? Ein guter Riesling ist ja nun auch nicht zu verachten.
In der Tat. Das sind sehr gute Weine. Ich würde sogar sagen, sie zählen zu den besten Weißweinen der Welt. Ich habe übrigens eine Sammlung von Weißweinen aus Deutschland.
Wie viele Flaschen haben Sie?
An die 200 Flaschen sind bis jetzt wohl zusammen gekommen. Von der Saar, von der Mosel, vom Rhein.
Warum findet man diese Weine sonst nicht in Spanien?
Die Spanier sind da schwierig. Es ist eine gewisse Tradition in Spanien, spanischen Wein zu trinken.
Da entgeht ihnen aber einiges. Ich denke da auch an Tropfen aus Frankreich, Italien, Südafrika ?
Es besteht eine große Unkenntnis, was ausländische Weine betrifft, das stimmt. Aber ich glaube, dass sich das nach und nach ändern wird.
Seit Ende 2004 gibt es die balearische Winzervereinigung, die Associació de Bodeguers de les Illes Balears, deren Präsident Sie sind. Wieviele Bodegas sind Mitglied?
Insgesamt acht: Ferrer, Jaume Mesquida, Miquel Oliver, Son Bordils, Ribas, Pere Seda, Santa Catarina und Macià Batle.
Was waren die Aufnahmekriterien? Immerhin gibt es über 30 Weingüter auf der Insel.
Aufnahmekriterium ist eine Mindestproduktion von 100.000 Flaschen pro Jahr. Die acht genannten Weingüter sind die größten, sie füllen zusmmen pro Jahr rund vier Millionen Flaschen ab. Das sind 80 Prozent der Weinproduk-
tion Mallorcas.
Erstes Ziel der Winzervereinigung?
Wir wollen eine Ruta de Vino, eine Route des Weines, ins Leben rufen. Damit die Leute von Bodega zu Bodega ziehen können. Ist doch hochaktuell. Kennen Sie den Hollywood-Film ýSideways"? Da geht es darum, wie Freunde eine solche Weintour in Kalifornien unternehmen. Das soll auf Mallorca auch bald möglich sein.
Wann?
Ich hoffe, schon in diesem Sommer. Dann soll es eine Karte von Mallorca mit den einzelnen Bodegas geben, mit Öffnungszeiten und diversen anderen Informationen über die Weingüter.
Wird die Werbung für den Wein verstärkt?
Ja, wir wollen dabei an einem Strang ziehen, ein einheitliches Bild schaffen. Außerdem werden wir mit der Landesregierung, das heißt: mit dem Tourismusministerium, eine Kommission bilden, um den Wein besser zu vermarkten. Wir hoffen dabei auch auf Subventionen von staatlicher Seite. In Zukunft sollen die Touristen Mallorca mit drei Dingen verlassen: mit einer Ensaimada, einer Sobrassada - und einer Flasche Wein.