Von Tom Gebhardt
Ein Kind auf die Welt zu bringen, ist mit Sicherheit einer der wichtigsten Momente im Leben - des Kindes, der Mutter und des Vaters. Die MZ hat mit Hebammen, Geburtshelfern, Frauenärzten und Eltern gesprochen, um einen Überblick über mögliche Geburtsorte auf der Insel vermitteln zu können. Fest steht: Wer - wie in deutschsprachigen Länder üblich - eher eine natürliche Geburt (siehe S. 53) bevorzugt, ist im öffentlichen Gesundheitssystem meistens besser beraten. Wer allerdings Wert auf einen deutschen Frauenarzt legt, ist bei der Entbindung auf eine Privatklinik angewiesen. Die dritte Alternative ist die Hausgeburt mit englisch- oder deutschsprachigen Geburtshelfern.
Öffentliche Krankenhäuser
Geburtsstationen gibt es im relativ altmodischen Son Dureta sowie in den moderneren Häusern in Son Llàtzer, Inca und Manacor. Dabei kann man sich in der öffentlichen Krankenversorgung nicht aussuchen, wo man gebiert, sondern die zuständige Hebamme und das zuständige Krankenhaus sind durch den Wohnort festgeschrieben. Son Dureta ist für den größten Teil von Palma zuständig, Son Llàtzer für einen kleineren Teil von Palma sowie das Umland. Inca und Manacor decken wiederum eigene Regionen ab. Im Zweifelsfall kann man die Zuständigkeit im Gesundheitszentrum erfragen. Dort bekommt die schwangere Frau auch ihre Hebamme (matrona oder comadrona) zugewiesen, die alle weiteren Untersuchungen anordnet und mit der werdenden Mutter bespricht. Dazu gehören in der Regel drei Ultraschalluntersuchungen, Test auf Schwangerschaftsdiabetes, regelmäßiges Wiegen und diverse weitere Routine-Untersuchungen. Auch Geburtsvorbereitungskurse gehören zum Standard-Programm. Alle diese Dienstleistungen sind kostenlos und werden auf Spanisch angeboten, wobei die Krankenhäuser einen Übersetzungsdienst haben. Die medizinischen Geräte sind auf dem neuesten Stand. Vor allem in Son Dureta wird jedoch häufig der Massenbetrieb bemängelt.
Private Gynäkologen
Wer von einem deutschsprachigen Frauenarzt betreut werden möchte und privat versichert ist, hat auf der Insel mehrere Möglichkeiten (siehe Liste S. 55). Der Vorteil liegt einerseits in der Sprache und andererseits in der Tatsache, dass man den Arzt frei wählen kann. Dieser hat dann entsprechende Belegbetten in einer privaten Klinik (zum Beispiel Clínica Rotger, Clínica Planas oder Femenías). Der private Frauenarzt bleibt die ganze Schwangerschaft über für die werdenden Eltern zuständig und kommt im Zweifelsfall auch am Sonntag, um die Geburt durchzuführen. Wie viel eine Geburt in einer Privatklinik kostet, hängt sehr stark von den eventuell notwendigen Eingriffen ab - Kaiserschnitt, Dammschnitt, etc. Nicht zuletzt deshalb besteht bei Privatkliniken auch die Tendenz, solche Schritte früher einzuleiten, als das in öffentlichen Kliniken der Fall wäre. Zu dem Standardprogramm gehören in der Regel monatliche Ultraschalluntersuchungen. Wie viel von den Kosten die jeweilige Krankenkasse übernimmt, ist sehr unterschiedlich. Die Vorbereitungskurse sind zum Beispiel in einzelnen Fällen nicht abgedeckt.
Hausgeburten
Da es in der Vergangenheit nahezu unmöglich war, auf der Insel eine halbwegs natürliche Geburt zu haben, entschieden sich vor allem viele Ausländer, eine private Hausgeburt zu bezahlen. Der Baske Mikel Mantxola (Tel.: 686-93 91 81) hat sich als Geburtshelfer - das männliche Pendent zur Hebamme - auf Hausgeburten auf Mallorca spezialisiert. In den vergangenen 22 Jahren brachte er so über 700 Kinder auf die Welt. ýHauptsächlich Deutsche und Briten, aber auch immer mehr Spanier", bestätigt er im Gespräch mit der MZ. Vor der Hausgeburt kommt Mantxola zu einem Abendessen ins Haus, um den Vorgang in Ruhe zu besprechen. Außerdem werde dafür gesorgt, dass immer ein Fahrzeug bereit stehe, um die gebärende Mutter notfalls schnell zur nächsten Klinik zu bringen. Eine Hausgeburt kostet in der Regel zwischen 1.000 und 2.000 Euro.
Auch die in den Kliniken Inca und Manacor arbeitende deutsche Hebamme Jessica Hölscher (Tel.: 667-51 33 06) begleitet gelegentlich werdende Mütter bei Hausgeburten. ýOb eine Frau lieber eine natürliche Geburt haben möchte oder lieber Wert auf einen deutschen Gynäkologen legt, muss sie letztendlich selber entscheiden", sagt sie im Gespräch mit der MZ. Allerdings sei es dazu erst mal notwendig, sich richtig zu informieren. ýViele werdende Mütter wissen besser, welchen Kinderwagen sie haben wollen, als welche Art von Geburten es gibt", sagt Hölscher. Sie empfiehlt, sich die Kreißsäle der Krankenhäuser vor der Entscheidung ruhig einmal anzuschauen. ýDas kann man inzwischen eigentlich in jeder Klinik", sagt sie.
Öffentliche Kliniken setzen verstärkt auf natürliche Geburten
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Spanien bereits mehrere Male angemahnt, die Geburtspraktiken stärker den natürlichen Bedürfnissen der Mutter, des Kindes, des Vaters und den kulturellen Hintergründen der Familie anzupassen. Für das begonnene Jahrtausend veröffentlichte das europäische Regionalbüro der WHO einen Richtlinienkatalog, nach dem sich Krankenhäuser und staatliche Gesundheitspolitik orientieren sollten.
In Son Llàtzer, Inca, Manacor und teilweise auch in Son Dureta werden diese Prinzipien inzwischen überwiegend umgesetzt. So kann die Mutter zwischen den Wehen noch einmal duschen, herumgehen oder sich auf Sitzbällen entspannen. Solange es keine klinische Indikation gibt, wird die Frau nicht auf dem Geburtsstuhl festgeschnallt.
Unterleibsrasur, Betäubung, Einlauf und Dammschnitt werden nur durchgeführt, wenn eine Notwendigkeit besteht. Der Rhythmus der Geburt wird weitestgehend von der Frau, der Hebamme und natürlich dem Kind vorgegeben. Die Väter dürfen in der Regel im Kreißsaal bleiben, solange kein Kaiserschnitt durchgeführt werden muss.
In den mallorquinischen Privatkliniken weht laut allen von der MZ befragten Interviewpartnern noch ein anderer Wind. Die Geburt folgt eher dem Rhythmus der Klinik. Die Frau wird relativ früh auf dem Geburtsstuhl festgeschnallt. Rasur, Einlauf, Betäubung und Dammschnitt werden häufig standardmäßig durchgeführt. Wenn sich die Geburt verzögert, wird sie nicht selten durch Hormone eingeleitet. Im Zweifelsfall wird das Baby relativ schnell per Kaiserschnitt zur Welt gebracht.
Wichtige Vokabeln
Schwangerschaft - embarazo
Geburt - parto
natürliche Geburt - parto natural
Hausgeburt - parto en casa
Hebamme - comadrona / matrona
Frauenarzt - ginecólogo
Kreißsaal - el paritorio
Wehen - contracciones (uterinas)
Öffnung des Gebärmuttermundes - dilatación del cuello uterino
routinemäßig - de rutina
Epiduralanästhesie (PDA) - epidural
Einlauf - enema
Rasur - rasurado
Beruhigungsmittel - sedantes / tranquilizantes
Dammschnitt - episiotomía
Dammriss - desgarro del periné
Kaiserschnitt - cesárea
Einleiten der Geburt - inducción del parto
Handschuhe - guantes
Nabelschnur - cordón umbilical
Geburtsstellung - posición de parto