Hier ist Spanisch kein Problem

10-10-2008  
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Mittagspause auf der Plaza de Anaya mit Blick auf eines der vielen Universitätsgebäude in Salamancas Altstadt. Foto: Jutta Christoph

JUTTA CHRISTOPH Die Sprachkenntnisse verbessern, Land und Leute kennenlernen und die kulinarischen Highlights abseits der Insel entdecken: MZ-Redakteurin Jutta Christoph hat auf dem Festland „español“ gebüffelt und zwei verschiedene Sprachschulen getestet.

„Ich muss unbedingt mal etwas für mein Spanisch tun“, diesen Satz hört man auf Mallorca ziemlich oft. Wer auf der Insel lebt und arbeitet, kommt vielleicht ums Katalanische herum, nicht aber ums Spanische. Und wer spricht schon perfekt español?

Um die Sprachkenntnisse zu verbessern, gibt‘s auch auf Mallorca mehrere Möglichkeiten wie Sprachschulen und Privatunterricht. Doch wenn Sie mal runter wollen von der Insel, Land und Leute anderer Re­gionen entdecken und möglichst wenig Deutsch hören möchten – dann machen Sie Sprachurlaub auf dem Festland!

Wo Spanien spanisch ist

Zum Beispiel in der Studentenmetropole Salamanca. Seit 1988 Weltkulturerbe, ist Salamanca linguistisch gesehen dem deutschen Hannover ebenbürtig: In der Hauptstadt der Provinz Salamanca, in der spanischen Region Kastilien-León, spricht man offiziell das reinste Spanisch, also Kastilisch, im ganzen Land.

Und tatsächlich, wenn man an der estación de autobuses von Salamanca ankommt und die Stimmen um sich herum aufschnappt, tut das Herz einen kleinen Sprung. Dieses klare, melodische Spanisch, ohne viel Ecken und Kanten, verstehen auch Anfänger! Gut gelaunt steigt man ins Taxi und beginnt, fast übermütig, ein Gespräch mit dem Fahrer. Redet über el tiempo, la circulación und la corrida – in Salamanca ist bis in den Spätsommer Stierkampf-Saison.

Wer Bildung und Erholung im Urlaub verbinden möchte, der macht in Salamanca alles richtig. Zu empfehlen ist zum Beispiel die Sprachschule Don Quijote im Zentrum der Altstadt. Schon auf dem Weg dorthin streift man durch mehrere hundert Jahre Geschichte, läuft über bucklige Pflastersteine, über die angeblich schon Miguel de Cervantes und Christoph Kolumbus geschritten sind. Salamancas Universität wurde 1218 gegründet und gehört neben der von Bologna und Paris zu den ältesten in Europa.

Auch die Sprachschule Don Quijote ist in hübschen Gemäuern untergebracht: in einem ehemaligen Kloster aus dem 16. Jahrhundert. Nach dem Einstufungstest und einem persönlichen Gespräch mit dem Schulleiter Jesús Baz steht für die Neuankömmlinge eine Stadtführung auf dem Programm. Danach beginnt der Unterricht in verschiedenen Klassen mit fünf bis acht Studenten. Wer vom Sprachniveau seiner Klasse über- oder unterfordert ist, kann am nächsten Tag die Gruppe wechseln.

Zum Glück machen Grammatik pauken und Vokabeln büffeln allein noch kein gutes Spanisch aus. Das sagt zumindest Julia Hormigo Espés, die seit über zehn Jahren als Spanischlehrerin im Don Quijote Institut arbeitet. „La lengua cojea“, sagt Julia, wenn man nur aus Büchern lernt. Deshalb stehen bei Don Quijote auch zahlreiche Angebote zu Geschichte und Landeskunde auf dem Stundenplan wie Filme, Vorträge und Musikstunden – alles freiwillig und kostenlos.

Julias Empfehlungen folgend, geht man nach dem Unterricht auf Entdeckungstour durch die Stadt, um zu shoppen, der Kathedrale aufs Dach zu steigen und sich in einen der vielen Parks in die Sonne zu legen. Dabei wird das Erlernte zwischendurch immer wieder ausprobiert. Zum Beispiel bei der netten Obst- und Gemüseverkäuferin, die fragt, ob sie den Apfel gleich abwaschen soll. ¡Gracias, que amable! Beim Ticketverkäufer der Kathedrale, der nach der Besichtigung wissen möchte, ob einem das 900 Jahre alte Gotteshaus gefallen hat. ¡Es impresionante! Und auf der Plaza May! or, wenn man sich vom Kellner erklären lässt, dass Eiskaffee in Salamanca café blanco y negro heißt. Wieder was gelernt.

Und sogar ohne jemanden in ein Gespräch zu verwickeln, kann man in Salamancas Straßen seinen Vokabelschatz erweitern. Über vielen Eingangstüren ist die Bezeichnung des jeweiligen Geschäfts nämlich direkt auf die Hauswand gepinselt. So liest man etwa librería (einfach), sastrería (schon schwieriger) oder curtidos (noch nie gehört). Ebenfalls angenehm für Sprachstudenten ist die Tatsache, dass kein Spanier in Salamanca ins Englische wechselt, wenn man ihn nicht gleich versteht.

Noch ein Pluspunkt für die hübsche Stadt 220 Kilometer nordwestlich von Madrid: Sie ist ein prima Ziel für Alleinreisende. In den Hauptstraßen Rua Mayor, San Pablo und Zamora ist immer etwas los, und die zahlreichen Tapasbars, Cafés und Restaurants sind Treffpunkt für Einheimische, Studenten und Touristen.

Und bevor Sie aus Salamanca abreisen, besuchen Sie eine churrería! Die traditionellen Ölkringelbäckereien sind meist einfache Lokale, in denen die churros in einer riesigen Wanne heißen Öls knusprig frittiert und anschließend mit Zucker bestreut werden. Dazu trinkt man un chocolate caliente oder un café, alles zusammen gibt‘s zum Beispiel in der churrería an der Puerta de Zamora ab 1,10 Euro – das sind doch faire Preise.

Fazit nach einer Woche Sprachurlaub mit 25 Unterrichtsstunden mit Unterbringung in der Gastfamilie:
Lernfaktor: hoch
Spaßfaktor: hoch

Lernen mit Meeresrauschen
Spanisch büffeln mit Meerblick, das klappt im Malaca Instituto in Málaga – der zweitgrößten Stadt Andalusiens. Die Sprachschule mit der zugehörigen Schulresidenz Club Hispánico liegt in einem Villenviertel, auf einer kleinen Anhöhe etwa drei Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Klarer Vorteil neben der schönen Aussicht: Man kann sich im Instituto, das ein bisschen an ein Landschulheim erinnert, ganz aufs Lernen konzentrieren. In der Pause mal schnell einzukaufen oder sich in ein hübsches Café zu setzen – ni pensarlo.

Abwechslungsreich ist der Unterricht am Malaca Instituto allemal, denn die profesores wechseln von einer Stunde zur nächsten. So profitieren die bis zu zwölf Schüler pro Klasse von unterschiedlichen Aussprachen, verschiedenen Lehrmethoden und Charakteren. Da jeder Lehrer in 50 Minuten sein Thema abschließen möchte, wird sehr konzentriert gearbeitet. Nicht unanstrengend, aber effektiv! Gut zu wissen: Nach jeder Unterrichtseinheit gibt‘s eine zehnminütige Pause, dann können sich die grauen Zellen schnell wieder erholen.

Die meiste Zeit arbeitet man im Malaca Instituto mit schuleigenen Lehrbüchern, die Schuldirektorin Ida Willadsen speziell für ausländische Sprachschüler verfasst hat. Die Grammatik- und Wortschatzübungen werden mit kurzen Dokumentarfilmen und Audioeinheiten aufgelockert. Wer länger als eine Woche Spanisch lernt, absolviert am Anfang jeder neuen Woche un examen de gramática. Nur wenn man besteht, darf man in die nächst höhere Klasse wechseln. Auf diese Weise lassen sich die eigenen Fortschritte gut überprüfen.

Es wäre allerdings schade, von Málaga nicht mehr als die Sprachschule gesehen zu haben. Zumindest einmal sollte man mit dem Bus der Linie 11 in die Innenstadt fahren, die übrigens schon über 2.000 Jahre alt ist, und die Alcazaba sowie die Kathedrale besichtigen. Wer sich für Kunst interessiert, besucht das Museo Picasso mit rund 200 Werken des in Málaga geborenen Genies.

Fazit nach einer Woche Sprachurlaub mit 30 Unterrichtsstunden mit Unterbringung in der Schulresidenz:
Lernfaktor: hoch
Spaßfaktor: okay


Worauf man beim Sprachurlaub achten sollte

Allgemein
Die Zahl der Sprachreise-Anbieter steigt jährlich, laut Stiftung Warentest gibt‘s derzeit 150 bis 180 Veranstalter. Professionell mit Verbandsmitgliedschaft und Insolvenzversicherung arbeiten nur rund 50 Anbieter. Die Insolvenzversicherung wird durch den Sicherungsschein bestätigt, den der Veranstalter vor der Anzahlung an den Kunden aushändigen muss.

Schule
Die Schule sollte staatlich anerkannt sein und ein zertifiziertes Gütesiegel besitzen. Auch die Lage und Ausstattung tragen zum Gelingen des Sprachurlaubs bei. Es sollte eine Bibliothek, freien Internetzugang, Medienraum und Cafeteria geben. Erkundigen Sie sich, ob die Schule neben Sprachkursen auch Landeskunde, Freizeitangebote und ein Wochenendprogramm bietet.

Kurse
An den meisten Schulen können Sie wählen zwischen Standard-, Intensiv-, Manager- und Langzeitkursen. Einige Schulen bieten auch Intensivkurse für Piloten und Flugbegleiter an sowie D.E.L.E.-Vorbereitungskurse (Diplomas de Español como Lengua Extranjera, Sprachdiplom in Spanisch als Fremdsprache).

Unterbringung
Wer in einer Privatunterkunft wohnt, kann den spanischen Alltag unmittelbar miterleben. In Gesprächen mit der Gastfamilie lernt man meist noch mal andere Ausdrücke als in der Schule. Natürlich kann man auch ein Hotelzimmer buchen, oft werden Unterkünfte in einer Schulresidenz oder einem Apartment angeboten.

Preisbeispiele
Eine Woche Sprachurlaub in Salamanca gibt‘s inkl. 25 Unterrichtsstunden sowie Übernachtung im EZ mit Frühstück bei einer Gastfamilie ab 412 Euro p.P. Buchbar z.B. über Vamos Sprachreisen, www.vamos-sprachreisen.de

Zwei Wochen Intensivkurs in Málaga mit 30 Lektionen/Woche kosten inklusive Unterbringung im DZ mit Frühstück in der Schulresidenz ab 1.032 Euro p.P. Buchbar z.B. über LAL Sprachreisen, www.lal.de

Kleines Spanisches Lexikon
la estación de autobuses Busbahnhof
el tiempo das Wetter
la circulación der Verkehr
la corrida der Stierkampf
la lengua cojea die Sprache hinkt
gracias, que amable danke, wie freundlich
es impresionante es ist beeindruckend
un café blanco y negro Eiskaffee
la librería Buchhandlung
la sastrería Schneiderei
el curtido Gerbsäure, hier: Lederwerkstatt
el churro spanisches Spritzgebäck
un chocolate caliente heiße Schokolade
el profesor Lehrer
un examen de gramática Grammatiktest
ni pensarlo da ist nicht dran zu denken

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