Möbel restaurieren statt zu Hause Däumchen drehen

23-12-2008  
Die Teilnehmer lernen alte Möbel zu restaurieren.
Die Teilnehmer lernen alte Möbel zu restaurieren.  Foto: Terrassa

Ähnlich wie die Volkshochschulen in Deutschland bieten auch auf Mallorca verschiedene öffentliche Einrichtungen Kurse für Erwachsene an. Anmeldungen dafür sind teilweise das ganze Jahr über möglich

SILKE DROLL Seit Oktober sind María Jesús‘ Vormittage gut gefüllt: Am Montag und am Mittwoch geht sie in Gymnastikstunden, am Dienstag in einen Informatikkurs und am Freitag lernt sie, alte Möbel zu restaurieren. Die 53 Jahre alte Mallorquinerin nutzt das Angebot des städtischen Kulturzentrums s‘Escorxador im Norden Palmas. Die Büroangestellte hatte Lust, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen und schrieb sich erstmals in die von der Kommune organisierten Kurse ein. Die Kurse kosten für drei Monate jeweils 36 Euro, die Informatikkurse sind zehn Euro teurer. Die Preise in den anderen Kulturzentren Palmas sind vergleichbar.

Für María Jesús hat sich die Investition gelohnt. „Es macht mir sehr viel Spaß, hier mal wieder etwas zu lernen. Außerdem ist die Atmosphäre gut, die Teilnehmer helfen sich gegenseitig und ich lerne hier neue Leute kennen“, erzählt sie, während sie mit einer Spritze Holzwurmgift in die kleinen Löcher eines antiken Stuhls aus dem 19. Jahrhundert spritzt. An diesem Freitag übt sich María Jesús wieder als Restaurateurin. Seit Wochen bearbeitet sie bereits das Familien-Erbstück. „Wir haben viele so alte Möbel, die nicht mehr zu gebrauchen sind, aber um die es schade wäre, sie weiter verrotten zu lassen.“ Das müssen sie jetzt auch nicht mehr. Die Möbel-Restauration hat sich bereits zu Maria Jesus‘ Lieblingskurs im s‘Escorxador entwickelt. Hier arbeitet sie Seite an Seite mit Maribel. Die 60-Jährige füllt gerade den aufgerissenen Spalt eines langgezogenen Kerzenständers aus Holz mit einer dickflüssigen Masse auf. „Soll ich noch mehr draufgeben. Was meinst du?“, fragt sie ihre Kurskollegin. Mariabel ist ebenso begeistert bei der Sache wie María Jesús. „Ich liebe Basteleien aller Art“, sagt sie. Dann kramt sie nach einem Klebeband für ihre Kollegin. María Jesús will damit die Plastikfolie befestigen, die sie um die mit der Anti-Holzwurm-Flüssigkeit behandelten Stellen ihres Stuhls wickelt. „So wirkt es besser“, sagt sie.

An den angrenzen Arbeitstischen wird ebenfalls eifrig gefeilt, lackiert und bemalt. „Wenn man erst mal hier ist, ist es super. Viele Leute sitzen doch zu Hause und wissen nicht, was sie tun sollen oder trauen sich nicht, eine neue Sache anzupacken. Ich kann die Kurse hier wirklich weiterempfehlen“, sagt María Jesús.

Das denken viele Bewohner der Insel. Die im Kulturzentrum s‘Escorxador angebotenen Kurse sind so beliebt, dass seit dem laufenden Unterrichtsjahr Bürger, die in Palma gemeldet sind, Priorität bei der Einschreibung haben. „Jedes Jahr haben wir rund 2.500 Teilnehmer hier“, sagt Juan Luna, der Koordinator des Zentrums. Der Unterricht startet zwar, wie in Kindergärten und Schulen auf Mallorca, jeweils im Herbst. Interessenten können sich aber auch während des Jahres anmelden und in Kurse einsteigen, die keine Vorkenntnisse erfordern. In den fünf Räumen des Zentrums gibt es besonders viele Kurse für Tanz und Bewegung. Allein acht Mal wird das muskelkräftigende Körpertraining Pilates angeboten. „Das ist momentan der Hit. Wir richten unser Angebot nach den Wünschen der Bürger aus“, sagt Luna. Darüber hinaus gibt es etwa Stunden zu Yoga, Dehnübungen, Tai-Chi, Qigong, allgemeine Gymnastik, Kochkurse, Informatikunterricht, Bauchtanz, mallorquinischer Volkstanz, Standardtänze, Flamencotänze, Salsa, Merengue, Schminken, Sticken, Zeichnen und Malen oder Gitarrespielen. Die Einrichtung in der Anlage s‘Escorxador, in der auch noch das Programmkino Renoir, Bars und ein Supermarkt untergebracht sind, bietet von den städtischen Kulturzentren in Palma das umfangreichste Angebot. Die Kurse in den anderen Zentren der Stadt sind aber ähnlich.

Im Internet sind die Programme leider nicht abrufbar. Ausgefeilte Internetseiten, wie man sie von deutschen Volkshochschulen kennt, sucht man bei den öffentlichen Bildungsträgern auf Mallorca leider vergeblich. Auch eine Beschreibung der einzelnen Kursinhalte in einer Broschüre ist nicht verfügbar. Für nähere Informationen und eine Anmeldung ist es notwendig, die Einrichtungen persönlich aufzusuchen. Vereine können die Einrichtungen auf Antrag auch für interne Veranstaltungen und Zusammenkünfte nutzen.

Kulturzentren in Palma (Auswahl)

Coll d‘en Rabassa C/. Albuera, 1 Tel.: 971-74 36 23

El Terreno C/. Dos de Maig, 1 Tel.: 971-22 00 93

Es Fortí C/. Bartomeu Darder, 1 Tel.: 971-45 44 46

Es Jonquet C/. Terrer, 10 Tel.: 971-45 20 81

Es Rafal C/. J. Estelrich Artigues s/n Tel.: 971-47 43 32

Establiments Camí de Sarrià, 4 Tel.: 971-76 82 55

Puig de Sant Pere C/. Corralasses, 4 Tel.: 971-72 02 30

Sa Calatrava Can Salom, 4 Tel.: 971-72 01 38

Sant Agustí C/. Cabo Martorell Roca, 30 Tel.: 971-40 46 98

Sant Jordi C/. Pau Bouvy, 31 Tel.: 971-74 20 20

Santa Catalina C/. Sobreposats, 3 Tel.: 971-28 61 78

S‘Aranjassa Plaça Joan Guasp, 14 Tel.: 971-74 71 96

S‘Escorxador C/. Emp. Eugènia, s/n Tel.: 971-75 08 25

S‘Hostalet Plaça Can Burell, 1 Tel.: 971-42 62 40

Son Cotoner C/. Juan Gris, 20 Tel.: 971-40 75 03

Son Real C/. Pare Bayó, 21 Tel.: 971-24 20 35

Son Roca – Son Ximelis C/. Cap Enderrocat, s/n Tel.: 971-79 16 74

Son Sardina C/. Ave Maria, 2 Tel.: 971-43 80 09

Son Serra-La Vileta Camí de la Vileta, 115 A Tel.: 971-79 10 30

Son Ferriol C/. Sant Joan de la Creu, 43 Tel.: 971-42 95 04

Neben den centres culturals (eine vollständige Liste findet sich auf der Internetseite der Stadt Palma: www.palmademallorca.es unter „Cultura“) gibt es weitere öffentliche Bildungseinrichtungen,

die sogenannten escoles d‘adults (Erwachsenenschulen).

Dort werden etwa auch Sprachkurse angeboten. Beide Art von Einrichtungen gibt es nicht nur in Palma, sondern in vielen Gemeinden auf Mallorca. Nähere Auskünfte geben die Kommunen.

   







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