Jetzt zuschlagen und von der Krise profitieren

29-01-2009  
Viele Autos und wenig Käufer - da purzeln die Preise. Hier ein Bild der Autostadt in Wolfsburg.
Viele Autos und wenig Käufer - da purzeln die Preise. Hier ein Bild der Autostadt in Wolfsburg.  Foto: dpa

TOM GEBHARDT Die Wirtschaft kränkelt, die Preise purzeln. Eine gute Gelegenheit, ein Schnäppchen zu machen. Der Preisvergleich mit dem Vorjahr lohnt sich. Die Autohäuser der Insel bieten ihre Fahrzeuge – gebraucht oder neu – bis zu mehr als 30 Prozent billiger an.

Die ganze Welt redet von der Wirtschaftskrise. Den meisten macht das schlechte Laune. Doch wer seine Finanzen trotz der Turbulenzen im Griff hat, kann von den sinkenden Preisen profitieren. In kaum einer Branche machen sich die Unterschiede so stark bemerkbar wie auf dem Automarkt. Wie eine Umfrage der Mallorca Zeitung bei den Autohändlern der Insel zeigt, sind die Preise für fast alle Modelle um 10 bis zum Teil mehr als 30 Prozent gesunken.

Ganz besonders lohnt sich der Kauf von großen und teuren Modellen. Aber auch Kleinwagen sind im Moment sehr günstig. Das betrifft sowohl Neu- wie Gebrauchtwagen. Aufgrund hoher Werksrabatte ist die Marge zwischen Neu- und Jahreswagen sehr gering geworden. So wurde zum Beispiel Mitte Januar beim Peugeot-Vertragshändler Automóviles Coll (Gran Via Asima, 16, Polígono Son Castelló, Palma, Tel.: 971-01 10 10) ein Peugeot 107, zugelassen, 0 Kilometer, für 9.900 Euro angeboten. Ein baugleicher Jahreswagen mit 15.000 bis 20.000 gefahrenen Kilometern sollte 8.800 Euro kosten. Es lohnt sich, die Angebote genau zu vergleichen – und gegebenenfalls sein Verhandlungsgeschick zu aktivieren.

Barry Sturley führt den Gebrauchtwagenhandel Utopia Autos im Gewerbegebiet Son Bugadelles in Santa Ponça (C/. Islas Baleares, 22; Tel.: 971-69 14 12). „Mir geht es so wie vielen“, sagt er, „im Prinzip muss ich mein ganzes ­Lager umstellen.“ Utopia Autos habe bislang vor allem mit gebrauchten Wagen aus dem hohen Preissegment gehandelt: Mercedes, BMWs und Ferraris glänzen in der Wintersonne. „Dies aber sind die Autos, die im Moment am wenigsten gefragt sind“, erklärt Sturley. Wie andere Händler müsse er sie so schnell wie möglich loswerden, um Platz für preiswertere Modelle zu haben. Die Ladenhüter würden nun zum Einkaufspreis – „oder sogar noch preiswerter“ – abgestoßen.

Gleich nebenan, bei Fine Cars (C/. Islas Baleares, 20; Tel.: 971-10 00 01), wo man ebenfalls auf den Verkauf von Luxusautos setzt, bestätigt man den Trend. „Die Preise fallen enorm“, heißt es, ohne dass man genaue Zahlen nennen möchte.

In Deutschland und Großbritannien würden Gebrauchtwagen im Moment fast zur Hälfte vom Vorjahreswert angeboten. „Ich habe neulich einen Aston Martin gesehen, der vorher 90.000 gekostet hat und nun für 52.000 Euro angeboten wird“, sagt Sturley von Utopia Autos. Auf Mallorca sei der Markt allerdings nicht so groß und damit auch das Überangebot nicht so dramatisch. Wagen der gehobenen Mittelklasse seien nun 10 bis 20 Prozent preiswerter als vor genau einem Jahr.

Einen Audi A4 (Baujahr 2005; 55.000 km), den er vor sechs Monaten für 28.000 Euro offeriert hätte, müsste er nun für 25.000 Euro anbieten. Da beim Import und Ummelden von gebrauchten Autos eine Gebühr von 12 Prozent auf den Marktwert des Wagens anfalle (14,75 Prozent bei Wagen vor Baujahr 1997), mache sich der Preisverfall auf der Insel auch nicht so stark bemerkbar wie beispielsweise in Deutschland.

Diese Einschätzung bestätigt Toni Gayà, Mitherausgeber des größten mallorquinischen Anzeigenblatts für Gebrauchtwagen, „autocasionmallorca.com“, das seit 2005 sowohl als Webseite erscheint (www.autocasionmallorca.com) als auch gedruckt an Kiosken ausliegt. „Ich schätze, dass zurzeit etwa 5.000 Gebrauchtwagen auf der Insel zum Verkauf angeboten werden“, sagt er. Das seien etwa 15 Prozent mehr als noch vor zwölf Monaten. Genau könne man das aber nicht sagen, da viele ehemalige Mietwagen zum Verkauf stünden, deren Anzahl schwer zu ermitteln sei: „Wenn ein Autovermieter einen Ford Ka inseriert, kann es gut sein, dass er eigentlich 20 davon zum Verkauf hat“, meint Gayà. Aber von genauen Zahlen abgesehen, sei ein Trend ganz klar: „Die Nachfrage, vor allem im oberen Preissektor, ist drastisch gesunken, und damit ist ein Überangebot entstanden.“ Die Preise seien durchweg um 10 bis 15 Prozent gesunken, im höheren Preissektor sei der Verkaufswert sogar um ein Fünftel gefallen.

Christian Mir von Car & House in Inca (Tel.: 871-91 88 89) ist einer der Autohändler, der seine Gebrauchtwagen auch über das Online-Portal anbietet. Er belegt die Prozentzahlen mit einem anschaulichen Beispiel. „Einen BMW der Serien X5 oder X3, der vor einem Jahr noch 45.000 Euro gekostet hat, kann man jetzt für 40.000 mitnehmen.“ Dementsprechend habe er einen anderen BMW im Angebot, den er von 40.000 auf unter 35.000 heruntergesetzt habe.

Aber nicht nur Gebrauchtwagen sind preiswerter. Auch die großen Autohäuser der Insel müssen mit besonderen Rabatten auf die Absatzkrise reagieren. Auf die Frage, wie die Geschäfte zur Zeit laufen, antwortet Francisco Marí, Leiter der Verkaufsabteilung bei Citroën Baleares (Gewerbegebiet Son Castelló, Avda. 16 de Julio, 5; Tel.: 971-91 01 00) mit einem knappen „malísimo“ – also schlechter als schlecht. Die Aussichten für das Jahr 2009 seien ebenfalls düster. Mit besonderen Angeboten versuche man nun spanienweit, die Kunden wieder zum Kauf zu bewegen. Ein neuer Kleinwagen wie der Citroën C2 wird nun – je nach Modell – mit einem Werksrabatt in Höhe von 3.600 bzw. 4.000 Euro angeboten. Somit kostet zum Beispiel die Basisversion C2 1.1i Furio derzeit 8.325 statt 11.925 Euro. Der aufgemotzte C2 VTS Diesel wurde Mitte Januar für 14.300 Euro statt für 19.300 Euro verkauft.

Wer nachrechnet, kommt hier auf Preisnachlässe von über 30 Prozent. Wie lange diese Angebote Bestand hätten, könne man noch nicht sagen. „Wir hoffen, dass die Situation nicht noch schlechter wird“, meint der Verkaufsleiter und klingt dabei nicht sonderlich optimistisch.

Nur ein paar Schritte entfernt ver­kauft Awauto (Avda. 16 de Julio 79; 971-43 33 33; www.awauto.com) Neuwagen von Volkswagen und Audi. Auch hier muss man auf die Krise reagieren. „Die eigentlichen Verkaufspreise sind nicht gesunken“, erklärt Verkäufer Jordi Genestar. „Aber für die Modelle, die wir auf Lager haben, gibt es bessere Angebote“. In der Praxis heißt das, dass man für das meistverkaufte Modell – einen fünftürigen Golf mit Dieselmotor – vor einem Jahr 20.000 Euro bezahlt hätte. Heute zahlt man, sofern er im Lager steht, nur 18.000 Euro.

„Wenn jetzt jemand bestimmte Sonderwünsche hat, zum Beispiel Ledersitze und ausgefallene Farben, dann ist der Preis derselbe geblieben“, meint Genestar. Wer schon immer davon geträumt hat, sich einen Touareg als Familienauto zuzulegen, für den sei jetzt der richtige Moment gekommen. „Hier haben wir Preisnachlässe von mehr als 10 Prozent“, preist der VW-Verkäufer an.







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