Immer wachsam bleiben an den Stränden auf Mallorca

Damit aus dem Strandtag keine Tragödie wird: Was sie beim Bad im Meer zu Ihrer eigenen Sicherheit beachten sollten

17-06-2010  
Gefährliche Strömungen können auch im vermeintlich ruhigen Mittelmeer auftreten. Da ist es gut, wenn Rettungsschwimmer in der Nähe sind.
Gefährliche Strömungen können auch im vermeintlich ruhigen Mittelmeer auftreten. Da ist es gut, wenn Rettungsschwimmer in der Nähe sind.  Foto: Terrassa

SILKE DROLL Angesichts von Millionen Urlaubern sind es relativ wenige Fälle, aber sie geschehen – auch auf Mallorca: Unfälle, bei denen Badende im Meer ertrinken. Mindestens 41 Menschen gerieten 2009 an Mallorcas Stränden in Lebensgefahr, 20 davon starben. Aus einem fröhlichen Strandtag wurden schreckliche Tragödien.

„Nach unseren Schätzungen ertrinken pro Urlaubssaison im Mittelmeer und im Atlantik rund 2.000 Menschen", sagt Rolf Lüke, der Gründer der Organisation blausand.de. Lükes Schwester war 1999 vor der Küste von Formentera ums Leben gekommen, als sie versuchte, eine Urlauberin zu retten. Seitdem setzt sich Lüke für eine bessere Bewachung von Stränden und die Aufklärung von Badegästen ein. Denn laut der Organisation könnten vier von fünf Badeunfällen mit vorbeugenden Maßnahmen verhindert werden.

Auch für Mallorca fordert Lüke eine bessere Überwachung der Strände. „Am Strand von Cala Mesquida, an dem im vergangenen Herbst mehrere Senioren ertranken, waren nur zwei Rettungsschwimmer im Einsatz. Das war in dieser Situation zu wenig. Außerdem müssten Strände bei Gefahr konsequenter gesperrt werden."

Als positiv beurteilt Lüke auf Mallorca, dass es Schilder an den Stränden gibt, auf denen in mehreren Sprachen die Gefahr von Strömungen erklärt wird. Viele Reiseveranstalter aber würden ihre Urlauber zu wenig auf die möglichen Gefahren hinweisen. „Sie sollten Badesicherheit als Serviceleistung begreifen, nicht als Tabu-Thema", sagt Lüke. Eine positive Ausnahme sei dabei seit Jahren die Tui und seit 2009 auch FTI-Touristik. Wie aber kann man sich selbst am besten vor Gefahren im Wasser wappnen? Die MZ stellt mit Hilfe von blausand.de die Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammen:

Wann ist es gefährlich, im Meer zu schwimmen?

Vollkommene Sicherheit kann es nicht geben – man sollte das Meer nie unterschätzen. Auch bei vermeintlich ruhigem Wasser können an manchen Sandstränden Strömungen in Ufernähe auftreten. Entscheidend sind vor allem Windstärke, Windrichtung und die Bodenform unter Wasser. Gefährlicher als der Wind in Richtung Meer ist der Wind in Richtung Strand. Das zurücklaufende Wasser kann dann mit auflaufendem Wasser Verwirbelungen bilden. Das ist besonders gefährlich, wenn Luftmatratzen oder Gummiboote benutzt werden.

Gibt es Strände auf Mallorca, wo Strömungen besonders häufig auftreten?
Nach Angaben des balearischen Innenministeriums muss insbesondere an den Stränden Es Capellans (Gemeinde Muro), Cala Millor (Gemeinde Sant Llorenç) und Es Peregons (Gemeinde Campos) aufgepasst werden. Als besonders gefährlich werden auf den Balearen zudem sechs Strände auf Menorca und vier Strände auf Ibiza eingestuft.

Kann ich mit den verschiedenfarbigen Flaggen am Strand die Gefahr durch eventuelle Strömungen einschätzen?
Nur bedingt. Strömungen können auch plötzlich auftreten. Außerdem ist das Flaggensystem irritierend. Gelb bedeutet etwa Vorsicht beim Schwimmen und Rot Schwimmen verboten, eine rot-gelbe Fahne aber, dass der Strand bewacht ist.

Wie kann ich mich vor Badeunfällen schützen?
Die beiden wichtigsten Empfehlungen sind: Nicht alleine hinausschwimmen und nur an bewachten Stränden ins Meer zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit eines Ertrinkungsunfalls ist 500-mal größer, wenn das Gebiet nicht überwacht wird. Man sollte auch Alkohol meiden und nicht mit vollem Magen ins Wasser gehen.

Ich bin ein guter Schwimmer. Kann mir trotzdem etwas passieren?

Auch gute Schwimmer können ertrinken, denn die eigene Schwimmfähigkeit wird oft überschätzt, und Ertrinken hat nicht unbedingt damit etwas zu tun, wie gut ein Mensch schwimmen kann. Eine Strömung kann eine Person zu einem Spielball des Wassers machen. Weniger erfahrene Schwimmer haben zudem oft mehr Respekt vor dem Meer.

Was kann ich tun, wenn ich trotz Vorsichtsmaßnahmen von einer Strömung erfasst werde?
Man sollte auf keinen Fall dagegen ankämpfen, sondern möglichst nichts machen und versuchen, sich seitlich hinaustreiben zu lassen. Und unter allen Umständen versuchen, die Ruhe zu bewahren.

Wie verhalte ich mich, wenn ich erkenne, dass eine andere Person in Seenot ist?

Unter keinen Umständen sollte man sofort losrennen und alleine hinausschwimmen. Dennoch ist eine schnelle Reaktion wichtig, denn wenn in den ersten zehn Minuten nichts passiert, kann die Person womöglich schon ertrunken sein. Man sollte die Rettungsschwimmer informieren (wenn es an dem Strand welche gibt), die Notrufnummer 112 wählen, weitere Helfer suchen und eventuell eine Kette bilden. Wer zu einem Rettungsversuch hinausschwimmt, sollte unbedingt Auftriebskörper wie Schwimmreifen und Luftmatratzen mitnehmen.

Man hört vor allem immer wieder von ertrunkenen Senioren. Was ist zu beachten?

Tatsächlich betrifft ein erheblicher Teil der Badeunfälle ältere Menschen. Manche Senioren überschätzen ihre Kräfte und vergessen dabei, wie anstrengend das Schwimmen im Meer sein kann. Insbesondere Personen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden müssen äußerste Vorsicht walten lassen. Und: Nicht alleine ins Wasser gehen.

Wie steht es mit Kindern?
Kinder sollten keinen Augenblick unbeaufsichtigt gelassen werden, wenn sie sich in der Nähe von Wasser befinden. Ein Phänomen bei Kindern ist das „stille Ertrinken". Wenn Kinder in Not sind, aber der Mund unter Wasser ist, sind sie nicht in der Lage zu schreien. Sie schlagen dann zwar aufs Wasser, aber das wird oftmals als spielerischer Vorgang interpretiert. Deswegen kann das Kind im Pool lautlos untergehen, während die Eltern im Liegestuhl neben dran sind.

171 Rettungsschwimmer sind an den Stränden im Einsatz
In puncto Sicherheit sind Mallorcas 209 Badestrände in drei Kategorien unterteilt: 140 mit niedrigem, 32 mit mittlerem und 37 mit hohem Risiko. Bei niedrigem Risiko gibt es lediglich eine Informationstafel, der Strand wird dann aber nicht bewacht. Bei mittlerem und hohem Risiko sind Rettungsschwimmer vor Ort.
  
Dabei ist aber ein abseits gelegener und schwierig zugänglicher Strand nicht unbedingt gefährlicher als eine viel besuchte Playa mit guter Infrastruktur. Doch je mehr Menschen am Strand sind, desto mehr kann passieren. Deshalb sind die beliebtesten Insel-Strände mit einem besonders aufwendigen Überwachungssystem mit vielen Wachtürmen, Kameras und Rettungsstationen für Erste Hilfe ausgestattet. Die Rettungskräfte sind außerdem zum Teil mit Motorbooten und die für sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen notwendigen Defibrillatoren gerüstet.

An Mallorcas Stränden sind 171 Rettungsschwimmer im Einsatz. Eingehende Hilferufe unter der Nummer 112 werden von der Insel-Zentrale in ­Marratxí weitergeleitet. Die Strandsicherheit vor Ort wird allerdings nicht von Regierung oder Inselrat organisiert, sondern von den Gemeinden. Sie beauftragen dazu das Rote Kreuz oder private Firmen. Unter www.platgesdebalears.com können Badegäste vor dem Strandausflug nachschlagen, ob die rote Flagge das Baden untersagt, hohe Wellen vorherrschen oder Quallen gesichtet worden sind.

Im vergangenen Jahr kam es zu 246 Notfällen an Mallorcas Stränden. Auf Menorca kam es zu 57 und auf Ibiza und Formentera zu 165 kritischen Situationen. Dabei gerieten 41 Menschen an Stränden vor Mallorca in die Gefahr zu ertrinken, 20 von ihnen konnten nicht mehr gerettet werden und starben. Auf Menorca ertranken zwei Menschen. Auf Ibiza und Formentera ertrank vergangenes Jahr kein Badegast, zehn Menschen konnten aber nur in höchster Not gerettet werden.

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