E-Bike-Fahren: Jetzt nimmt auch Mallorca Fahrt auf

Ob geliehen oder gekauft: Die E-Bike-Welle schwappt auf die Insel. Wir haben uns mit den Anbietern unterhalten

04-11-2010  
Was darf´s denn sein? Karl-Josef Osadnik (li.) von Alpha Elektro Bike und sein Mechaniker in Santa Ponça.
Was darf´s denn sein? Karl-Josef Osadnik (li.) von Alpha Elektro Bike und sein Mechaniker in Santa Ponça.  Foto: Andreas John

ANDREAS JOHN Rad fahren auf Mallorca. Eigentlich ein alter Hut, oder? Schließlich zieht es seit Jahren bereits Hundertausende von Zweiradtouristen auf die Insel, um zwischen Sant Elm und Cala Ratjada zahllose Kilometer Asphalt zu reißen. Doch mindestens genauso viele Urlauber gibt es, die sich bisher gar nicht erst trauten, auf den Drahtesel zu steigen – aus Angst, irgendwann auf der Strecke zu bleiben. „Nicht jeder fühlt sich körperlich dazu in der Lage, längere Touren bei Gegenwind oder bergauf zu fahren, ohne irgendwann schieben zu müssen oder gar einen Herzinfarkt zu riskieren. Und damit meine ich nicht nur Rentner", sagt Karl-Josef Osadnik von Alpha Elektro Bike in Santa Ponça. Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen von Juni bis September sei das Fahrradfahren auf Mallorca eher eine körperliche Anstrengung als ein entspannendes Freizeitvergnügen.

Der Deutsche bietet seit rund einem Jahr auf der Insel sogenannte E-Bikes oder Pedelecs an. Dabei handelt es sich um Fahrräder, die mithilfe eines akkubetriebenen Elektromotors ihren Fahrern beim Treten sozusagen unter die Arme greifen. „Ein Pedelec fährt also nicht allein wie ein Mofa, sondern nur dann, wenn man selbst in die Pedale tritt. Der Motor erhöht dabei die Tretleistung um ein Vielfaches", erklärt Osadnik. Praktisch müsse man sich das so vorstellen, als ob eine unsichtbare Hand einen von hinten anschiebt. Gegenwind oder Steigungen können damit ebenso leicht bewältigt werden wie längere Tourenfahrten. „Wer will, kommt damit locker nach Palma, macht eine Stadtbesichtigung und fährt anschließend wieder zurück", sagt Osadnik, der seine Räder auch tageweise für 19 Euro vermietet.

Wer will, kann sich bei ihm auch eines kaufen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Der Hype mit den Elektrorädern in halb Europa hat in den vergangen Jahren nämlich zu einer fast unüberschaubaren Zahl von Marken, Modellen und technischen Systemen geführt. „Man sollte sich zuerst fragen, was man von einem E-Bike überhaupt erwartet", sagt Osadnik. Will man auf dem E-Bike ausgedehnte Touren fahren oder es für gelegentliche Fahrten zum Strand nutzen? Soll es das Auto ersetzen, um damit zwischen Heim und Office zu pendeln oder möchte man es auch gelegentlich für den Transport von Kindern oder dem Supermarkt-Einkauf einsetzen?

„Eine ausführliche Kaufberatung ist wichtig", sagt auch Daniele Giacomini, der zusammen mit seinem italienischen Landsmann Gian Claudio de Santis seit knapp einem Jahr das Fachgeschäft „Tucano Bikes" in Palmas Santa-Catalina-Viertel betreibt. Sie bieten Tourenräder, Moun­tainbikes, Klappräder und Trikes an. Ebenso wie Osadnik, der ausschließlich auf Qualitätsmarken setzt, vertreiben die beiden Italiener Designer-Pedelecs, unter anderem der Hausmarke Tucano.

Zur Auswahl stehen drei Antriebsvarianten: Vorder- und Hinterradantrieb sowie Räder mit einem Mittelmotor. Alle drei Systeme haben Vor- und Nachteile. „Der Vorderantrieb wird sich langfristig durchsetzen, weil er technisch gesehen am unkompliziertesten ist", glaubt Osadnik. Auch Giacomini ist sich da sicher. „Die Vorderradantriebssysteme eignen sich auch zum Umbau des konventionellen Fahrrads zum Pedelec. Einfach das Vorderrad mit Motor und eine Batterie anbauen. Fertig!"

Doch es geht auch komplizierter: Ähnlich wie bei konventionellen Fahrrädern bieten die Hersteller von E-Bikes viele technische Spielereien, Sonderausstattungen und zusätzliches Hightech an, wie beispielsweise Scheibenbremsen, Karbonrahmen, neuartige Federsysteme oder moderne Narbenschaltungen.

So unterschiedlich wie die Marken, Modelle, Antriebsvarianten und technischen Ausstattungen sind natürlich auch die Preise. „Qualitativ gute E-Bikes kosten zwischen 1.300 und 3.500 Euro", meint Giacomini. Ein ähnliches Preisspektrum nennt auch Osadnik. „Ausschlaggebend ist hier Verarbeitung und Qualität."

Zu den Hauptverschleißteilen zählt vor allem die Batterie. „Dabei sollte man nicht sparen", meint Osadnik. „Und wer größere Touren plant, sollte sich am besten gleich einen zweiten Akku in die Satteltasche packen. Damit ist man dann wirklich unabhängig."

Kann denn überhaupt jeder E-Bike fahren? „Und ob", sagt ­Gabriele Mühlhoff. Erst vor wenigen Wochen eröffnete die 44-jährige Deutsche in Can Pastilla den Elektro-Fahrradverleih- und Handel „www.mallorca-e-bikes.com". „Pedelecs sind in Spanien bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern genauso wie in Deutschland weder führerschein- noch zulassungspflichtig." Sowohl zum Stundenpreis von 5 Euro als auch zur Tages- oder Wochenflatrate (22 Euro bzw. 120 Euro) vermietet Mühlhoff Pedelecs für jedermann. Auf Wunsch auch mit Kinder- oder Lastanhänger. „Zu mir kamen bereits Urlauber, die zu Hause schon E-Bike fahren. Es ist ja nun mal so: Wenn man erst einmal mit diesen Rädern unterwegs war, dann will man sich anschließend nie wieder auf ein konventionelles Rad setzen."

Dank immer leistungsfähigeren Motoren und Batterien seien den Pedelecs in Zukunft keine Grenzen gesetzt. „Gerade auf Mallorca könnte man sich vorstellen, dass es irgendwann vielleicht sogar Solar-Tankstellen gibt, an denen E-Bike-Fahrer ihre Akkus aufladen", sagt Mühlhoff.

Bisher hängt die mögliche Reichweite eines Elektro-Fahrrads noch von vielen Faktoren ab, wie der Bauart und Leistungsfähigkeit des Akkus, den Fahrwiderständen – zum Beispiel Wind und Höhenprofil der Strecke – sowie dem Gewicht des Fahrers. Moderne Lithium-Ionen-Akkus, die zwischen 300 und 500 Euro kosten, halten im Durchschnitt bis zu 80 Kilometer bei sparsamer Fahrweise. Danach müssen sie in der Regel fünf Stunden lang aufgeladen werden.

Doch auch so hat sich die Reichweite mancher Freizeitradler auf Mallorca dank E-Bikes erhöht. „Viele Urlauber hätten sich früher nie getraut, mit dem Fahrrad von Can Pastilla nach Sóller oder gar zum Kloster nach Lluc zu radeln. Mit dem E-Bike ist das jetzt ohne Weiteres möglich", sagt Gabriele Mühlhoff.

Mallorca E-Bikes
Verleih und Verkauf an der Playa de Palma. Tel.: 971-26 09 91
www.mallorca-e-bikes.com

Tucano Bikes
Verkauf und Reparatur von E-Bikes
in Palma. Tel.: 671-25 36 54
www.tucanobikes.com

Mallorca Sportiv
Geführte E-Bike-Touren und Verleih in Alcúdia (ab März).
Tel.: 0049-171-27 24 08 6
www.mallorca-sportiv.de

Alpha Elektro Bike
Verkauf von E-Bikes und Trikes in Santa Ponça.
Tel.: 971-69 02 34
www.alphaelektrobike.com

Balearblue
Verleih in Port d´Andratx
Tel.: 971-67 40 31
www.balearblue.de

Pino Touren
E-Bike-Verleih inselweit.
Tel.: 0049-30-86 20 18 41
www.pinotouren.de







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