Virtueller Marktplatz: Öko-Food von Mallorca fürs Web-Volk

Die Website www.aforavila.com belegt, dass immer mehr Bewegung in die grüne Szene auf der Insel kommt

03.06.2011 | 14:34
Tomaten und anderes Grünzeug im Web kaufen? Auf Mallorca kein Problem mehr
Tomaten und anderes Grünzeug im Web kaufen? Auf Mallorca kein Problem mehr

Wer über den Öko-Markt in der Innenstadt von Palma schlendert, merkt, dass Mallorca in Sachen gesundes Essen noch nicht allzu viel hermacht: Nur einige wenige bescheidene Stände mit ein paar runzeligen Kartoffeln, Radieschen, Mohrrüben, Salatblättern und sonstigem Grünzeug und einigen Broten sowie Gebäck sind zu sehen. Die Menge an Kunden auf der alles andere als heimeligen Plaça Bisbe Berenguer de Palou (auch Plaça dels Patins genannt) ist überschaubar.

Verglichen mit Deutschland steckt „Bio" auf Mallorca noch in den Kinderschuhen. Dennoch ist aktenkundig: Es ist bereits einiges in Bewegung gekommen (siehe rechte Seite). Und jetzt wird auch im Internet gehandelt. Vor einigen Wochen richteten Landwirte und Insel-Regierung ein Portal namens www.aforavila.com ein (aforavila heißt frei übersetzt: außerhalb der Stadtmauern).

Auf dem virtuellen Marktplatz werden etwa 600 verschiedene Produkte heimischer Öko-Produzenten feilgeboten. Da gibt es Petersilie-Büschel für 40 Cent und getoastete Mandeln für 4,90 Euro, fünf Liter Olivenöl für 33,90 Euro und eine Zusammenstellung von Salat, Mehl und 500 Gramm „Frühlings-Honig" für 7 Euro. Nicht zu vergessen ein Hühnchen für 9,30 Euro und Ferkelkeulen für 13,10 Euro. Das Highlight des neuen Web-Marktplatzes sind Öko-Körbe für Familien: Neben den klassischen Obst- und Gemüsekisten gibt es beispielsweise auch Fisch aus ökologischer Zucht (um die 25 Euro).

Wer www.aforavila.com aufruft und sich für ein bestimmtes Produkt interessiert, kann es dort direkt bestellen. Wenn er auf den Anbieter klickt – 20 sind es insgesamt – erfährt er alles Wissenswerte, von Mindestbestellmengen über Anlieferungsorte und -zeiten bis hin zu Telefonnummer und Website. Auf einer Google-Map-Karte ist es möglich, den Heimatort des Anbieters genau zu lokalisieren. Mittels einer Suchmaschine kann man schnell erfragen, ob beispielsweise ein ausgewählter Anbieter Petersilie direkt an die Haustür bringt oder ob man sich zu einem bestimmten Ort begeben muss, um die Ware dort in Empfang zu nehmen.

Das Internet-Portal ist auch ein Umschlagplatz für kleine und größere Ländereien, Anbauwerkzeuge wie Traktoren oder Pflüge, saisonale Arbeitskräfte und Saatgut. Außerdem können sich dort Landwirte in aller Ausführlichkeit über ihre Erfahrungen mit der ökologischen Landwirtschaft austauschen. Problematisch an dem neuen Internet-Auftritt ist für Nicht-Mallorquiner, dass er nicht durchgehend aus dem Katalanischen ins Spanische und Englische übersetzt ist.

Dass der in den vergangenen Jahren gewachsene Trend hin zu Öko-Essen nicht einfach übersehen werden kann, hat auch die konservative spanische Volkspartei auf den Balearen gemerkt. Jüngst stimmte sie im Stadtparlament von Palma für eine Initiative des in der Minderheit regierenden Mitte-Links-Bündnisses, den wöchentlichen Ökomarkt, der abgeschafft werden sollte, auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

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