Spanische Rentenreform: Das lange Warten auf die Mallorca-Rente

Ruhestand erst ab 67: Spanien hat eine Reform nach deutschem Vorbild auf den Weg gebracht. Weiterhin gibt es aber große Unterschiede

11-05-2012  
Rüstige Senioren an der Playa de Palma
Rüstige Senioren an der Playa de Palma Foto: Bendgens
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FRANK FELDMAIER Wenn die Berater der deutschen Rentenversicherung im Juni wieder ihre Zelte in Palma aufschlagen, müssen sie sich auf einige neue Fragen einstellen: Nach der Reform in Deutschland ist nun auch in Spanien der Startschuss für eine Neuordnung des Rentensystems gefallen. „Viele Deutsche werden erst einmal nur am Rande betroffen sein", sagt jedoch Organisator Björn Pagers. Denn viele Erwerbsbiografien erstreckten sich auf mehrere Länder, in denen jeweils Rentenbeiträge gezahlt werden. Zudem gibt es wie auch in Deutschland Übergangsfristen.

Der Durchbruch war in der Nacht auf Freitag (28.1.) gelungen, Vertreter der spanischen Regierung und der Arbeitnehmer einigten sich nach langen Verhandlungen auf die wichtigsten Punkte, die nun in einem Regierungsentwurf stehen. Er sieht vor, dass das Renteneintrittsalter schrittweise von 2013 bis 2027 von 65 auf 67 Jahre angehoben wird. Die volle Rente erhält, wer dann 37 Jahre eingezahlt hat. Wer weiter wie bislang im Alter von 65 Jahren ohne Abzug den Hut nehmen will, muss 38,5 Jahre eingezahlt haben. Die Höhe der Rente wird in Zukunft nicht mehr auf Basis der letzten 15, sondern der letzten 25 Arbeitsjahre berechnet.

„Das kann man durchaus als eine sehr weitgehende Reform bezeichnen", sagt Udo Pretschker, Sozialreferent bei der Deutschen Botschaft in Madrid. „Die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf grundsätzlich 67 Jahre ist ein mutiger Schritt, den bisher noch nicht so viele Länder in Europa vollzogen haben." Der Erfolg durch den Dialog zwischen Sozialpartnern und Parteien könne sich sehen lassen und trage vor allem auch zum Vertrauen in Spanien an den internationalen Finanzmärkten bei.

Auch wenn Spanien nun seine Reformfähigkeit unter Beweis stellt, fühlen sich viele Arbeitnehmer als Verlierer – vor allem auf Mallorca, wo infolge der Saisonarbeit in der Tourismusbranche die Beitragszeiten geringer sind (siehe Seite 6). Auch Arbeitslose haben es jetzt noch schwerer. Berater Pagers verweist jedoch darauf, dass auch jetzt schon viele Spanier nicht die Maximalrente erreichen und die Durchschnittsrente deutlich unter dieser liege. Die Mindestrente von rund 600 Euro bleibe ohnehin unberührt.

Wenn die Reform jedoch für bestimmte Arbeitnehmer auf eine Absenkung des Rentenniveaus hinausläuft, dürfte das vor allem an der längeren Berechnungsgrundlage liegen. „Man unterstellt, dass in den letzten Jahren mehr verdient wird als in den anfänglichen Jahren", so Pretschker. Folglich wäre der Durchschnitt aus 25 Jahren geringer als aus den letzten 15 Jahren. In diesem Fall könne man aber nicht von Verlierern sprechen, da alle zukünftigen Rentner gleichermaßen betroffen seien. Letztendlich komme es ohnehin auf jede einzelne Erwerbsbiografie an.

Denn viele Versicherte könnten auch profitieren, wenn sie etwa kurz vor der Rente länger arbeitslos sind, die Rente aber nun auf einer breiteren Grundlage berechnet wird. Die Reform hat zudem auch soziale Komponenten: So können Praktika bis zu zwei Jahre angerechnet werden – die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien ist schließlich besonders hoch – und Mütter dürfen pro Kind neun Monate Beitragszeit zusätzlich geltend machen (siehe Fallbeispiele rechts). „Damit geht Spanien den Weg anderer führender Industriestaaten und weitet das Niveau der sozialen Sicherung aus", so Pretschker.

Die Annäherung an das deutsche System ist unverkennbar: Das Renteneintrittsalter liegt in Zukunft in beiden Ländern bei 67, die Übergangsfrist zieht sich über rund 15 Jahre (in Spanien von 2013 bis 2027, in Deutschland von 2012 bis 2029), und mit der Ausweitung der Berechnungsgrundlage auf 25 Jahre bewegt sich Spanien ebenfalls in Richtung des deutschen Systems, wo das gesamte Erwerbsleben zur Berechnung herangezogen wird.

Ob es mit der Reform getan ist, wird die weitere Entwicklung zeigen. „Das hängt ganz wesentlich davon ab, wie es der Wirtschaft und der Regierung in Spanien gelingen wird, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu schaffen", sagt Pretschker. Denn sollte die Arbeitslosigkeit hoch bleiben, fließen zu wenige Beiträge in die Rentenkasse – während die Zahl der Rentner aufgrund der Lebenserwartung weiter stetig zunimmt.

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