Aus Liebe zu Real Mallorca: Der Chef aller "Penyas"

06-03-2008  
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Leute, kommt ins Stadion, massenweise: Jaume Capllonch ist Vorsitzender des Fanclub-Verbandes ýPenyas Mallorquinistas".  Sebastián Terrassa

Das Geheimnis, warum ­Real Mallorca in der ersten spanischen Fußball-­Liga spielt, sind seine Fans. Einmal im Jahr pilgern sie zum Kloster Lluc, um bei der Insel­heiligen für den Klassenerhalt ihrer Mannschaft zu beten. „Danach gibt es Paella für alle", sagt Jaume Capllonch, der Vorsitzende des Fanclub-Verbandes Penyas ­Mallorquinistas. Zu ihm gehören rund ein Drittel aller 15.000 Mitglieder von Real Mallorca. Sie bilden das Rückgrat des Vereins. 

Von Nina Kuschniok

Wer penyista ist, hat Vorteile. „Der Verband koordiniert den Transport aus den Dörfern zu den Heimspielen ins Ono-Stadion nach Palma, so dass man nicht mit dem Auto kommen muss. Außerdem informieren wir über die Neuigkeiten des Clubs, der Stiftung und über unsere Aktivitäten." Auch um die Organisation von Fahrten zu Auswärtsspielen kümmert sich der Fan-Zusammenschluss. Da der Fußballverband erst anderthalb Wochen vor dem Spiel den genauen Tag und die Uhrzeit der Partie veröffent­licht, seien Fahrten teuer, wenn man sie auf eigene Faust buche, erzählt der Vorsitzende. Durch Sponsoring könne der Fanclub-Verband günstigere Preise anbieten.

Größtes Projekt des Fanclub-Verbandes ist gerade „Cap poble sense penya" - kein Dorf ohne Fanclub. Bisher existieren offi­ziell 51 Clubs auf der Insel, zwei weitere in Madrid und Barcelona. Und gerade entsteht ein Fanclub in Salvador de Bahía, in Brasilien. „Mallorquinistas gibt es auf der ganzen Welt", freut sich Capllonch in seinem Büro unter den Tribünen des Ono-Stadions. Er ist umgeben von Vereinsdevotionalien. Auf dem Konferenztisch stehen Dutzende von Ehrentellern und Freundschafts-Plaketten, getauscht mit anderen Fanclubs. Selbst ein kleiner englischer Real-Mallorca-Fanclub existiere auf der Insel. „Einen eigenen deutschen Fanclub gibt es auf der Insel noch nicht, dafür aber mehrere deutsche Vereinsmitglieder", sagt Capllonch, der in der Gelsenkirchener Fußball-Arena Auf Schalke bereits hautnah deutsche Fan­kultur erlebt hat.

Je mehr Mitglieder der Fanverband zählt, desto größer wird sein Einfluss bei Entscheidungen auf Clubebene. Bei der Preispolitik der Mitgliedsbeiträge etwa höre RCD auf die Meinung der ­penyistas. So gab es bis vor einigen Jahren Ermäßigungen für die Jahresmitgliedschaft nur bis zu einem Alter von 23 Jahren. „Aber heute wohnen junge Leute ja noch mit 27 Jahren bei ihren Eltern, weil sie keine feste Arbeit haben. Damit auch sie Mitglied werden können, haben wir die Ermäßigung bis 27 Jahre durchgesetzt", sagt Capllonch. Günstigere Beiträge gibt es außerdem für Kinder, Senioren - und Frauen. In einer Versammlung habe sich ein weiblicher Fan darüber aufgeregt. Das seien Macho-Allüren. „Ich habe ihr gesagt, dass sie gerne den Beitrag bezahlen kann, den männliche Mitglieder zahlen müssen. Das wollte sie dann doch nicht", erzählt Capllonch. Immerhin verfügt der Club über 25 Prozent Frauenanteil, ebenso viele gebe es in den penyas.

Capllonch sieht eine direkte Beziehung zwischen der Anzahl der Fans bei den Spielen und den Erfolgen der Schwarz-Roten. Gerade im Ono-Stadion seien die Fans überlebenswichtig. „Unser Stadion ist von seiner Atmosphäre her eines der kältesten in Spanien. Die Zuschauer sind viel zu weit weg von den Spielern, und wir können durch unsere Rufe und Gesänge kaum Einfluss auf die gegnerische Mannschaft und den Schiedsrichter nehmen"? meint Capllonch, der gerne ein Fußballstadion hätte, in dem die Fans nah an den Spieler dran sind, so eins wie in Pamplona. Zur Zeit plagt den Vorstandsvorsitzenden, dass seine stärkste Anheizer-Gruppe „Supporters-Mallorca" in den Streik getreten ist. Sie seien stets die einzigen, die bei Heimspielen von der Polizei durchsucht werden, weil sie während eines Spiels einmal randaliert hätten. Jetzt wehrten sich die Supporters gegen diese Diskriminierung. Solange sie weiter durchsucht würden, blieben sie stumm. Und das ist für Capllonch und die Mannschaft ein Problem. Mallorquinische Normal-Fans seien nämlich keine guten Anheizer. „Der Mallorquiner weiß noch nicht einmal, wie man klatscht", sagt Capllonch und verdreht dabei die Augen. Sollte die Atmosphäre bei den nächsten Spielen im Keller bleiben, wird es hart für die Mannschaft. Dann kann eigentlich nur noch die Heilige Jungfrau helfen.

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