Klaus Fischer: Er kann's noch Hals über Kopf

02.10.2008 | 02:00
Klaus Fischer am Golfplatz von Capdepera.
Klaus Fischer am Golfplatz von Capdepera.

Normalerweise kommt Klaus Fischer zum Golfspielen nach Mallorca (Handicap 6,5). Am vergangenen Wochenende war er erstmals zum Fußballspielen auf der Insel (siehe Kasten). Der ehemalige Bundesligastürmer steht mit 268 Liga-Toren auf Platz zwei der ewigen Torjägerliste. In Kürze wird er 60, seine legendären Fallrückzieher beherrscht er aber immer noch.

Herr Fischer, was macht der erfolgreichste Schalker Torschütze heute?

Ich analysiere für Schalkes VIP-Gäste nach jedem Heimspiel die Partie, das nennt sich ?La Ola´ und findet vor 1.500 Gästen statt. Für Sponsoren-Events werde ich auch häufiger angefragt. Dann leite ich eine Fußballschule mit ehemaligen Bundesligaprofis. Wir haben keinen festen Standort, sondern gehen zu den Vereinen und Schulen hin und bringen den Kindern die Grundbegriffe des Fußballs bei.

Wie ist Ihr Eindruck von Deutschlands Kickernachwuchs?

Oh, oh, da sind schon Bewegungstalente dabei ? Bei manchen Kindern muss man aufpassen, dass sie sich bei der Rolle vorwärts nicht den Hals brechen. Ist leider so, die machen zu Hause nicht genug, treiben kaum Sport. Die Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und Fußballschulen müsste besser sein.

Werden Sie von den Kindern erkannt?

Die fragen mich, ob ich für sie einen Fallrückzieher mache, weil es ihnen ihr Vater erzählt hat. Dann mache ich das halt, das klappt noch wunderbar. Gerd Müller hat vielleicht mehr Tore gemacht als ich, dafür waren meine schöner.

Welches war Ihr wichtigstes Tor?

Ganz klar der Treffer gegen Frankreich im WM-Halbfinale 1982 (Fallrückzieher zum 3:3 in der Verlängerung, Deutschland gewann das Elfmeterschießen, d.Red.). Es war eines der besten Halbfinals überhaupt.

Einen Titel haben Sie mit der Nationalmannschaft nie gewonnen. Wurmt Sie das?

Vor der EM 1980 (die Deutschland gewann, d.Red.) hatte ich alle Qualifikationsspiele gemacht, dann habe ich mir das Schienbein gebrochen und die EM verpasst. Nach zehn Monaten Reha bin ich wieder zurückgekommen. Dann bei der WM ins Endspiel zu kommen, das war für mich ein persönlicher Erfolg. Aber klar, den WM-Titel zu gewinnen, wäre noch etwas anderes gewesen.

Nach der WM 82 waren sie 33, Sie hätten noch weiterspielen können.

Damals gab es Klassestürmer: Völler und Allofs. Wäre ich heute 33, würde ich weiterspielen, da gibt es doch außer Klose niemanden...

Gab es für einen Stürmer wie Sie kein Angebot aus dem Ausland?

Vor der WM 1978 in Argentinien hatten wir eine Südamerika-Reise gemacht, da haben wir den späteren Weltmeister Argentinien mit 3:1 geschlagen. Ich habe in drei Spielen fünf von sechs Toren erzielt. Damals war der FC Barcelona an mir interessiert. Bei der WM lief es dann überhaupt nicht, dann hat Barcelona den Krankl genommen (der Österreicher Hans Krankl erzielte im Viertelfinale von Córdoba gegen Deutschland das 3:2, d.Red.)

Wer heute als erfolgreicher Fußballer aufhört, hat ausgesorgt. Wie war das damals?

Kein Vergleich! Was ein Ballack in der Woche verdient, haben wir im Jahr bekommen. Wenn heute einer vier Jahre auf hohem Niveau spielt und vernünftig lebt, kann er von den Zinsen leben. Ich habe in Schalke in neun Jahren 182 Tore erzielt, 20 Tore im Schnitt. Da würde ich heute Millionen verdienen.

Wer war Ihr persönlicher Lieblingsspieler?

Reinhard Libuda, mit dem ich zu Beginn meiner Karriere in Schalke gespielt habe: So ein Dribbling wie er hatte sonst keiner. Jeder Gegner wusste, der geht rechts vorbei, trotzdem hat er sie rechts ausgespielt.

Wie gefällt Ihnen das Schalker Team in diesem Jahr?

Farfan ist ein sehr guter Spieler, hinten haben wir mit Manuel Neuer den besten deutschen Torhüter. Der beherrscht seinen Strafraum, strahlt etwas aus, das haben weder Enke noch Rensing.

Mit Ihren Analysen würden Sie einen guten Trainer abgeben!

Ich habe ja den Fußballlehrerschein gemacht, ich war bei Schalke Co-Trainer unter Peter Neururer und Aleksandar Ristic, danach habe ich unter dem damaligen Präsidenten Günter Eichberg einen Vertrag als Cheftrainer unterschrieben.

Warum wurden Sie es nicht?

Einen Tag später bekomme ich einen Anruf, dass Udo Lattek Trainer wird, kurz danach bestellt mich Eichberg zu sich und sagt mir, dass ich zu denselben Konditionen bei den Amateuren anfangen sollte. Lattek wollte mich als Assistenten haben. Aber ich habe das abgelehnt, weil ich als Assistent bei Ristic schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Das war ein Arsch, auf Deutsch gesagt. Mein Fehler: Lattek blieb nicht lang, und ich wäre Cheftrainer geworden.

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