Luis Aragonés und Dani Güiza: Helden in Spanien, Buhmänner in der Türkei

30.10.2008 | 12:51
Aragonés und Güiza: Der Trainer und der Ex-Mallorquiner bei der EM 2008.
Aragonés und Güiza: Der Trainer und der Ex-Mallorquiner bei der EM 2008.

Cesc Fabregas und Dani Güiza haben Luis Aragonés viel zu verdanken. Der ?Weise aus Hortaleza" hat in seiner Funktion als Nationaltrainer die beiden Kicker erst zu Nationalspielern gemacht und dann zur Europameisterschaft mitgenommen. Fabregas kam die besondere Ehre zuteil, am 22. Juni im Viertelfinale gegen Italien den entscheidenden Elfmeter zu verwandeln und damit den ?Fluch des Viertelfinals" zu brechen, dem Spanien bei großen Turnieren stets zum Opfer fiel. Der Rest ist Geschichte: Spanien besiegte Deutschland im Finale und wurde erstmals seit 1964 wieder Europameister.

Aber Fußball kann grausam sein. Auf den Tag genau vier Monate später, am 22. Oktober, fügte Fabregas seinem Förderer und seinem Nationalmannschaftskollegen eine bittere Niederlage hinzu. Beim 5:2-Sieg von Fabregas´ Team Arsenal London im Champions League-Spiel bei Fenerbahçe Istanbul, seit Saisonbeginn von Luis Aragones trainiert, spielte Fabregas überragend und bereitete zwei Treffer vor.

Dem Treiben seines Lieblingsschülers sah der Trainerfuchs derweil machtlos und eingefallen an der Seitenlinie zu. Sein anderer Liebling, den er nach Istanbul gelotst hatte, mühte sich ab und erzielte immerhin ein Tor. Dani Güiza konnte die sechste Niederlage im zehnten Pflichtspiel jedoch nicht verhindern, ebensowenig, dass Istanbul in der Champions League schon in der Gruppenphase vor dem Aus steht.

Fans wollen Zico zurück

Aragonés-Güiza: Was bei der EM so gut funktionierte, war in Istanbul bislang nicht von Erfolg gekrönte. Das 2:5 gegen Arsenal war nicht die erste hohe Niederlage, die der 17-fache türkische Meister in dieser Saison einstecken musste. In der Liga gab es eine deftige 1:4-Heimniederlage gegen die weithin unbekannten Kayserispor. Präsident Aziz Yildrim wurde ausgebuht und verlies das Stadion vorzeitig.

Die Fans des 17-maligen Meisters sind in der Liga solche Niederlagen nicht gewöhnt. In den letzten vier Jahren gewann Fenerbahçe drei Meisterschaften, davon 2004 und 2005 unter dem deutschen Trainer Christoph Daum. Nach der Niederlage gegen Kayserispor forderten die Fans jedoch Daums Nachfolger, den Brasilianer Zico zurück, der mittlerweile als Coach beim usbekischen Erstligisten Bunjodkor Taschkent arbeitet. Zico hatte Fenerbahçe 2007 nicht nur zur nationalen Meisterschaft, sondern als erster Trainer der Vereinsgeschichte auch ins Viertelfinale der Champions League geführt. Davon ist die Mannschaft, bei der unter anderem der ehemalige brasilianische Nationalspieler Roberto Carlos kickt, momentan weit entfernt und das fällt auf den Trainer zurück.

"Luis Aragonés ist angeschlagen", sagte Dani Güiza schon vor der Niederlage gegen Arsenal und fügte hinzu: ?Ich fände es sehr schlimm, wenn er gehen müsste." Allerdings wüsste er nicht, ob die Mannschaft genauso denken würde. Im vergangen Jahre hatte Güiza noch für Real Mallorca Tore geschossen, bevor ihn Aragonés an den Bosporus mitnahm. Der kritisierte Trainer selbst reagiert auf die Unruhen momentan noch gelassen. "Ich bin nicht gekommen, um gleich wieder zurückzutreten. Ich bin gekommen, um das zu machen, von dem ich am meisten verstehe", sagte er.

Rauswurf nicht billig

Aragonés, der auch zweimal Trainer von Real Mallorca war, kennt kritische Situationen als Trainer. So wurde er in der Qualifikation zur diesjährigen Europameisterschaft, die Spanien letzten Ende gewann, massiv kritisiert. Nach schwachen Qualifikationsspielen mit Niederlagen gegen Schweden (0:2) und Nord-Irland (2:3) wurde er angegriffen, weil er den bis dato Kapitän, Raúl González aus dem Kader strich. Da war es vorbei mit seiner Gleichgültigkeit. Legendär sind seine Wutsausbrüche gegenüber Journalisten. Unter anderem hatte Aragonés in einer live übertragenen Radio-Sendung von "Onda Cero" einen Journalisten angebrüllt und als "Lügner" und "Feigling" bezeichnet. Letzten Endes gab ihm der Erfolg recht. Aragones ist der Nationaltrainer mit den meisten Siegen, der 1:0-Sieg gegen Deutschland war der 38.

Noch schützt Aragones eine einfache Tatsache: Ein Rauswurf wäre zudem nicht ganz billig. Umgerechente sechs millionen Euro werden als Abfindung kolportiert. Nicht schlecht für eine Frührente, allerdings wäre der Ruf als Erfolgstrainer angekratzt.

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