Riesentalent mit Chaos-Gen: Der Deutsch-Spanier Francisco Copado

06-11-2008  
Hat derzeit wenig Grund zum Lachen: Hoffenheims Copado.
Hat derzeit wenig Grund zum Lachen: Hoffenheims Copado.   F.: Uwe Stefan

THOMAS ZAPP Fußball-Deutschland staunt derzeit über die TSG Hoffenheim 1899, den Sensations-Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Beim Aufsteiger herrscht eitel Sonnenschein, nur einem fällt das Lachen derzeit nicht so leicht: dem 34-jährigen Deutsch-Spanier Francisco Copado. Er wird von Trainer Ralf Rangnick kaum berücksichtigt, dabei hat er in der vergangenen Saison maßgeblich zum Aufstieg in die Bundesliga beigetragen. Ähnlich erging es ihm auch auf Mallorca, wo ihm in der Saison 1996/97 mit Real Mallorca der viel umjubelte Aufstieg in die Primera División gelang.

Sein Talent war stets unbestritten: Als 17-Jähriger schaffte der in Kiel geborene Sohn spanischer Gastarbeiter den Sprung zum HSV. Dort konnte sich der 1,70 große Stürmer jedoch nicht durchsetzen und wurde in der Winterpause 1995/96 nach Mallorca verkauft. Der damalige HSV-Trainer Felix Magath versicherte im Wintertrainingslager auf Mallorca, dass Copado ein „großartiger Spieler“ sei und auf Mallorca „viel leisten“ könne.

Anfangs sah es tatsächlich danach aus. Vom damaligen Real-Trainer Victor Muñoz wurde Francisco „Paco“ Copado hoch geschätzt. Er gehörte zum Stammpersonal. Als es in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr lief, Mallorca zweimal in Folge verloren hatte, musste Copado auf der Bank Platz nehmen. Am 33. Spieltag übernahm Tomeu Llompart das Traineramt, „Paco“ musste um seinen Platz kämpfen und kehrte zur entscheidenden Partie gegen Rayo Valecano in die Stammelf zurück. Nach dem Aufstieg gab es bei Mallorca wieder einen Trainerwechsel. Der Neue hieß Héctor Cúper und hatte für Copado keine Verwendung.

Zu dieser Zeit bot Regionalligist Tennis Borussia Berlin für ihn eine Ablösesumme, die sogar den Spieler selbst überraschte, wie er damals dem „Diario de Mallorca“ sagte. Also wechselte er zurück nach Deutschland. Mit Regisseur Copado wurde „TeBe“ ungeschlagener Regionalliga-Meister. Trainer Hermann Gerland attestierte seinem Spielmacher eine „überragende“ Saison.

Doch Copado, der in seiner Karriere viel und gerne gefeiert hat, schlug wieder einmal über die Stränge. Der Spaß-Fußballer geriet mit Gerland-Nachfolger Winfried Schäfer aneinander, brachte es binnen vier Monaten auf drei Suspendierungen. Unter anderem tanzte er am Abend vor einem Testspiel gegen Bayern auf einem Klavier und prügelte sich im Training mit Mitspieler Ansgar Brinkmann. Copado verließ den Verein Richtung Unterhaching.

Auch hier eckte das ewige Talent an: Trainer Lorenz Günther Köstner suspendierte den Mittelfeldstrategen mit den Diva-Allüren wegen Disziplinlosigkeit für zehn Monate. In dieser Zeit musste sich der Spanier bei den Bayern-Amateuren fit halten. Erst als Köstner beim inzwischen in die zweite Liga abgestiegenen Vorstadtclub entlassen wurde und Rainer Adrion das Amt übernahm, wurde Copado in die Elf zurückgeholt. Unter Wolfgang Frank, der ihn zum Kapitän machte, entwickelte er sich zum Leistungsträger.

Spieler des Monats

Die Karriereschwankungen blieben ihm aber treu. 2005/06 wagte er wieder den Sprung in die erste Bundesliga zu Eintracht Frankfurt. Nach einem schwachen Start sorgte er in der Hinrunde für Furore, erzielte fünf Tore und spielte überragend. Im Dezember 2005 wurde er zum „Spieler des Monats“ gekürt. Gegen Ende der Saison zog ihm Trainer Friedhelm Funkel jedoch stets andere vor. „Ich bin nicht sein Liebling“, klagte Copado.

Der 32-Jährige wechselte daraufhin zum Regionalligisten Hoffenheim, und es lief wie immer: Zunächst erzielte der schmächtige Techniker in 28 Spielen 14 Tore für Hoffenheim und trug als Kapitän maßgeblich zum Aufstieg in die zweite Liga bei. Beim Durchmarsch durch die zweithöchste deutsche Spielklasse traf er zehn Mal in 32 Spielen und bereitete vier Tore vor. Doch zur Winterpause gab es einen Bruch. Trainer Rangnick setzte seinen Kapitän gegen Borussia Mönchengladbach auf die Bank. Nach dem 0:2-Pausenrückstand kam Copado in der zweiten Hälfte, erzielte mit Wut im Bauch zwei Tore und bereitete zwei weitere vor. Endstand: 4:2. „Der Trainer hat sich wohl nicht daran erinnert, wer die Tore bislang erzielt hat. Ich habe in den vergangenen eineinhalb Jahren 22 Tore gemacht“, kritisierte er seinen Coach öffentlich. Der reagierte gelassen: „Er hat das Abschlusstraining abgebrochen und sich erst heute einsatzbereit gemeldet. Er wird fantastisch bezahlt und hat eine dementsprechende Leistung gebracht.“ Das Verhältnis war gestört, Copado verlor seine Kapitänsbinde und fand sich seitdem häufiger auf der Bank wieder.

In der laufenden Saison hat der Spanier erst vier Einsätze bekommen, jedes Mal als Einwechselspieler, und Tore sind ihm auch noch nicht gelungen. Sein Ex-Trainer Hermann Gerland hat es einmal auf den Punk gebracht: „Er hat viel Talent, aber auch viel Zeit verplempert.“

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:

- Fußball II: Letzte Chance beim Real-Kauf für Paul Davidson  

- Fußball III: Unai Emery, der spanische Jogi Löw  

- Turnen: Lars Gregor Biewendt zwischen Reck und Ringen   

- Basketball: Rudy kommt in den USA groß raus   


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