Comeback für Spaniens Kuranyi

24-12-2008  
Albert Riera (rechts) im Zweikampf mit Maxi Rodríguez von Atlético Madrid.
Albert Riera (rechts) im Zweikampf mit Maxi Rodríguez von Atlético Madrid.  Foto: Efe

THOMAS ZAPP Ähnlich wie der Schalker wurde der Mallorquiner Albert Riera vor der EM ausgebootet. Beim FC Liverpool findet er zur alten Stärke. Mit seinem berüchtigten Linksschuss hat sich Albert Riera jetzt zurück auf die internationale Fußballbühne befördert. Im letzten Spiel der Champions-League-Gruppenphase erzielte der ­Mallorquiner für seinen Club FC Liverpool das vorentscheidende 2:1 gegen den PSV Eindhoven – Endstand 3:1 – und sicherte den „Reds“ damit den Gruppensieg. Im Sommer war der 26-Jährige für zehn Millionen Euro von Espanyol Barcelona zum FC Liverpool gewechselt.

Noch vor wenigen Monaten war Riera Spaniens Kevin Kuranyi. Wie der Schalker Stürmer wurde auch der Mallorquiner kurz vor einem großen Turnier aus dem Kader gestrichen. Die EM 2008 in Österreich und der Schweiz fand ohne ihn statt, obwohl die meisten Fachjournalisten den technisch begabten Linksfuß auf ihren Zetteln stehen hatten.

Für den Kicker aus Manacor, der seine Erstligakarriere bei ­Real Mallorca gestartet hatte, war es nicht der erste Karriereknick. Schon bei Girondins Bordeaux, wohin er nach dem Gewinn des spanischen Pokals mit Real Mallorca 2003 für 5,4 Millionen gewechselt war, hatte es Probleme gegeben. Nach einer starken ersten Saison spielte er im zweiten Jahr nur noch selten. „Wenn er nicht in Form oder nicht motiviert ist, verwandelt er sich in einen lustlosen Spieler, der sich nicht ins Spiel einbringt, weder in der Offensive noch in der Defensive“, steht in seinem Spielersteckbrief auf der Nationalmannschafts-Fansite „jugealaroja“ unter „Schwächen“.

Bordeaux verkaufte ihn an Espanyol Barcelona, wo der damalige Trainer Miguel Ángel Lotina seiner noch im Verlauf der Hinrunde ziemlich schnell überdrüssig wurde. Riera wurde nach England zu Manchester City ausgeliehen. Dort spielte er zwar gut und erzielte auch mal ein Tor, aber der Club konnte sich nicht für eine Verpflichtung entscheiden.

Dafür war Riera wieder motiviert. Nach seiner Rückkehr zu Espanyol im Sommer 2006 spielte er für die meisten eine überraschend starke Saison, die mit dem Finale im Uefa-Cup gegen Sevilla endete. In diesem Spiel gelang dem Mallorquiner die 1:0-Führung für Espanyol, das schließlich im Elfmeterschießen verlor. Riera hatte auf internationaler Bühne wieder einen Akzent gesetzt und schaffte es im Oktober 20007 in die Nationalmannschaft.

Dorthin berufen hatte ihn ­Luis Aragonés, der Riera schon als Vereinstrainer bei Real Mallorca seinen ersten Einsatz in der Primera División verschafft hatte. Riera enttäuschte seinen Entdecker nicht und erzielte im EM-Qualifikationsspiel den Treffer zum 3:1-Endstand für Spanien.

Doch dann geriet Rieras Karriere wieder ins Stocken. Nach einer Niederlagenserie mit Espanyol Barcelona wurde er von Club-Trainer Ernesto Valverde auf die Bank gesetzt. Riera fühlte sich ungerecht behandelt und verkündete über die Medien, dass er als Sündenbock für die sportliche Talfahrt herhalten müsse und der Trainer bei der Suche nach Schuldigen auch andere Spieler in Betracht ziehen sollte.

Möglicherweise war das ein Fehler. Eine Sportzeitung orakelte, dass er sich mit einem solchen Verhalten im Verein auch ganz schnell aus der Nationalmannschaft verabschieden könne. Was Nationaltrainer Aragonés von Spielern hält, die schlechte Stimmung verbreiten, hatte er im Fall des Ex-Kapitäns Raúl González gezeigt, den er aus der selección gestrichen hatte. Tatsächlich ereilte auch Riera dasselbe Schicksal, Spaniens EM-Triumph fand ohne ihn statt.

Nach seiner persönlichen EM-Pleite trennte sich Riera auch von Espanyol Barcelona, ohne einen neuen Verein zu haben. Im Zuge der Vertragsauflösung wetterte er öffentlich gegen die Vereinsführung und die Fans. Sie hätten eine schlechte Stimmung verbreitet und die Mannschaft auseinandergebracht. Mit solchen Sätzen haben Spieler schon ihre Karriere beendet.

Riera hatte Glück und einen guten Draht zu einem einflussreichen Mann: Rafa Benítez, spanischer Trainer des englischen Spitzenclubs FC Liverpool. Der hatte sich bei seinem Club für eine Verpflichtung des Landsmannes starkgemacht. Unter Benítez stand Riera bei 17 Spielen in der Premier League elfmal in der Startformation und hat gegen Wigan Athletic auch schon ein Tor erzielt – mit links, wie zuletzt in der Cham­pions League.

Plötzlich läuft es wieder beim wankelmütigen Mallorquiner. Aragonés-Nachfolger Vicente del Bosque hat sich seiner für die WM-Qualifikation wieder erinnert und nominierte ihn für die WM-Qualifikationsspiele gegen Estland und Belgien. Gegen Estland kam er zum Einsatz. Wenn er jetzt konstant bleibt und sich diplomatischer verhält, stehen seine Chancen auf eine Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika womöglich besser als bei seinem deutschen Pendant Kuranyi.

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