Interview mit dem Radstar Toni Colom

19-02-2009  
Toni Colom, einer der Chefs beim Team Katusha.
Toni Colom, einer der Chefs beim Team Katusha.  Foto: Nele Bendgens

THOMAS ZAPP Besser hätte das Jahr für Mallorcas Radstar Toni Colom kaum beginnen können: Am  Donnerstag, 12.2. sicherte sich der 30-Jährige im Trikot seines neuen Rennstalls, Team Katusha, den Gesamtsieg bei der Mallorca-Rundfahrt. In drei Monaten wird er darüber hinaus zum ersten Mal Vater.

Herzlichen Glückwunsch!

Danke. Ich bin wirklich glücklich, weil ich lange auf diesen Erfolg gewartet habe.

War der Sieg in Ihrer Heimat besonders wertvoll?

Nein, alle Siege sind für mich gleich viel wert, egal ob bei der Andalusien- oder der Valencia-Rundfahrt. Aber natürlich war der Etappensieg in meinem Heimatort Bunyola etwas Besonderes. Es war unglaublich emotional.

Leben Sie das ganze Jahr hier auf Mallorca?

Ja, ich bin jetzt nach Alaró gezogen. Mallorca ist der beste Ort für einen Radfahrer. Wir haben gutes Klima und eine Vielfalt an Strecken.

Ihre Mannschaft Katusha hat auf Mallorca drei Etappensiege geholt. Hat sich Ihr Wechsel im vergangenen Jahr von Astana gelohnt?

Bei Katusha habe ich eine Chance bekommen und zwei Siege eingefahren. Bei Astana gab es mit Evi Leipheimer, Andreas Klöden und Alberto Contador quasi drei Chefs mit ähnlichen Fähigkeiten wie ich. Es war klar, dass ich für sie arbeiten musste.

Was ist jetzt anders?

Jetzt bin ich neben Vladimir Karpets einer der Chefs. Meine Stellung muss ich aber immer wieder bestätigen und zwar auf der Straße. Wenn du dort versagst, bist du unter Umständen gar nichts mehr, nicht mal Chef deines Schattens.

Was halten Sie von Lance Armstrongs Rückkehr in den Radsport?

Er hat durch seine Leistung wohl mehr als jeder andere das Recht darauf. Er kann mit seinem Leben ja machen, was er will.

Werden Sie bei der Tour de France dabei sein oder beim Giro d‘Italia, wo Sie im vergangenen Jahr ihrem Freund Alberto Contador zum Sieg verholfen haben?

Nein, ich konzentriere mich auf die Fünf-Tages-Rennen wie Paris-Nizza, die Baskenrundfahrt im Frühjahr und im Herbst die Spanien-Rundfahrt. Die Tour de France interessiert mich nicht. Wenn ich wollte, könnte ich mitfahren. Aber wenn ich am ersten Tag schlecht fahre, darf ich von da an nur noch für die Mannschaft fahren. Also spare ich mir lieber meine Kraft.

Was halten Sie von den deutschen Fahrern im Feld?

Das Team Milram braucht noch Zeit, um sich zu finden.

Die großen Fahrer fehlen momentan bei den Rennen, Jan Ullrichs Karriere ist gescheitert. Kannten Sie ihn?

Ja, natürlich. Er war ein Riesentalent, eine perfekte Maschine, unglaublich stark. Wenn man ihn mit einer Uhr vergleichen würde, wäre er eine Rolex.

Seine Karriere endete fatal …

Ich verurteile niemanden. Man darf sich nicht in das Privatleben anderer einmischen. Jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren.

Wird den Radfahrern unrecht getan?

Man will den Radsport zerstören, aber er ist eine Legende, pure Leidenschaft, unzerstörbar.

Das klingt, als fühlten Sie sich verfolgt.

Ich werde verfolgt und habe kein Privatleben mehr. Ich bin Radfahrer, komme mir aber vor wie ein Verbrecher. Ich muss 24 Stunden täglich erreichbar sein, 356 Tage im Jahr. Wenn ich meine Frau zur Geburt ins Krankenhaus bringe und vergessen sollte, mich abzumelden, gelte ich als verdächtig. Meine Karriere kann zu Ende sein, ohne dass ich etwas gemacht habe. So behandelt man Mörder und Kinderschänder.

Werden Sie auch außerhalb der Saison kontrolliert?

Das ganze Jahr! Ich war vergangenes Jahr mit meiner Frau auf Urlaubstour durch Spanien, in Andorra wären wir gerne noch ein paar Tage geblieben, aber dort hatten wir kein Mobilfunk-Netz. Da ich der UCI gesagt hatte, ich wäre am nächsten Tag in Zaragoza, mussten wir weiterfahren. Das grenzt für mich an Freiheitsberaubung. Außerdem ist es ein Geschäft. 2008 hat die UCI sechs Millionen Euro für Kontrollen ausgegeben. Eine würde reichen, dann könnte man fünf in die Jugendarbeit und die Hilfe für kleinere Clubs stecken.

Auch im Tennis werden die Kontrollen verschärft!

Ja, Nadal, Federer, Murray, alle regen sich jetzt auf. Tja, ich lebe damit seit drei Jahren.

Hat sich der Radsport in den vergangenen Jahren sehr verändert?

Ja. Früher hat es gereicht, in die Pedale zu treten und gut taktieren zu können. Heute muss man zudem noch aufpassen, dass man nichts Falsches sagt, sich gegenüber der Presse verdächtig macht. Dann muss man noch mehrere Sprachen sprechen. Als Radfahrer sollte man heute Akademiker sein …

Sind Sie für die Zeit nach Ihrer Karriere gerüstet?

Schon lange. Ich baue mir ein Trainingszentrum auf und könnte als Personal Coach arbeiten.

Wie lange werden Sie noch fahren?

Ich bin jetzt 30 und achte auf meinen Körper. Die meisten fahren 80 bis 90 Tagen Rennen im Jahr. Ich absolviere lediglich 50 bis 60, weil ich möglichst noch zehn Jahre dabei sein will. Ich fahre seit meinem zwölften Lebensjahr: Für mich ist es kein Job, sondern eine Leidenschaft. Ich habe den Radsport im Blut.

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