Fußball vor dem Ruin?

19.03.2009 | 01:00
Finanzielle und sportliche Talfahrt beim FC Valencia: Sogar Stürmerstar David Villa könnte verkauft werden.
Finanzielle und sportliche Talfahrt beim FC Valencia: Sogar Stürmerstar David Villa könnte verkauft werden.

Droht dem spanischen Fußball nach jahrelangem Höhenflug ein abrupter Absturz? Fast allen Clubs der Primera División stehen die Schulden zurzeit bis zum Hals. Insgesamt belaufen sich ihre Verbindlichkeiten auf knapp 2,1 Milliarden Euro.

Am härtesten trifft es dabei den FC Valencia, der allein mit rund 550 Millionen in der Kreide steht. Der neue Geschäftsführer Javier Gómez schließt nicht mehr aus, dass Spitzenspieler wie Nationalstürmer David Villa oder Mittelfeldmann David Silva zur Sanierung der maroden Finanzen verkauft werden müssen.

Der Verwaltungsrat des Clubs hatte zuvor beschlossen, Präsident Vicente Soriano zu entmachten und den bisherigen Generaldirektor Gómez zum starken Mann zu machen. Gómez genießt das Vertrauen von Valencias Hauptgläubiger, der Sparkasse Bancaja. Die Spieler haben unterdessen ihre im Januar fälligen Gehälter immer noch nicht bekommen. Die Finanzprobleme gehen darauf zurück, dass der Verein wegen der Immobilienkrise keinen Käufer für sein Vicente-Mestalla-Stadion findet. Man hatte mit dem Bau eines neuen Stadions begonnen und darauf gehofft, für das alte 300 Millio­nen Euro zu bekommen.

Geradezu kleinkariert nimmt sich im Vergleich das 46-Millionen-Defizit aus, das der wirtschaftlich angeschlagene Inselclub Real Mallorca bis Juni 2008 angehäuft hatte. Größter Einzelbrocken sind dabei Steuerschulden in Höhe von 14 Millionen Euro. Mit dem Finanzamt wurde mittlerweile ein Zahlungsaufschub vereinbart. Bis Ende der Saison wird der Verein ­20 Prozent der Summe an den Staat überweisen. Als Sicherheit wurde außerdem das Trainingsgelände Son Bibiloni verpfändet. Damit gewinnt Präsident Mateu Ale­many ein Minimum an Handlungsspielraum. Der Club war in Schwierigkeiten geraten, nachdem der bisherige Eigentümer, der Bauunternehmer Vicenç Grande, mit seiner Firmengruppe Insolvenz anmelden musste.

In den meisten Fällen übersteigen die Ausgaben der spanischen Profi-Vereine die Einnahmen bereits seit Jahren. Dramatisch verschärft hat sich die Situation aber erst in der Wirtschaftskrise. Auch andere Clubs haben Probleme mit Sponsoren oder Eigentümern aus der Baubranche, so Deportivo La Coruña mit Martinsa Fadesa oder Racing Santander mit Seop.

Einziger Ausweg dürfte für viele Clubs das Insolvenzrecht sein. Allein im vergangenen Jahr mussten sechs Profi-Vereine Konkurs anmelden. Málaga schaffte es auf diese Art, seine Schulden von 27 auf 16 Millionen zu senken. Gleichzeitig gelang der Aufstieg in die erste Liga. Weiteres Beispiel für eine erfolgreiche Sanierung ist der früher hoch verschuldete FC Sevilla, der nach mehreren schwierigen Jahren längst schuldenfrei ist und zwei Mal hintereinander den Uefa-Cup gewann.

RANGLISTE DER SCHULDENMACHER

FC Valencia – 550 Mio.

Real Madrid – 400 Mio.

Atlético Madrid – 300 Mio.

FC Barcelona – 189 Mio.

La Coruña – 160 Mio.

FC Villarreal – 150 Mio.

Betis Sevilla – 55 Mio.

Esp. Barcelona – 45 Mio.

Real Mallorca – 40 Mio.

Osasuna – 35 Mio.

Athletic Bilbao – 35 Mio.

Racing Santander – 35 Mio.

Valladolid – 30 Mio.

Getafe – 25 Mio.

Sporting Gijón – 18 Mio.

Málaga – 16 Mio.

Numancia – 3 Mio.

FC Sevilla – schuldenfrei

Almería – schuldenfrei

Recr. Huelva – schuldenfrei

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