In bester Verfassung nur Zweiter beim Cinturón de Mallorca

25-05-2009  
Dirk Müller (zweiter von links) war zumindest der beste Sprinter unter allen Teilnehmern.
Dirk Müller (zweiter von links) war zumindest der beste Sprinter unter allen Teilnehmern. Foto: Rafa Carbonero

THOMAS ZAPP Beinahe wäre der Plan des Routiniers wieder aufgegangen. Wie im vergangenen Jahr bei Mallorcas Radklassiker „Cinturón Ciclista Internacional" wollte Dirk Müller aus Fulda auf der letzten Etappe am Sonntag hoch zu Palmas Castell de Bellver das gesamte Feld hinter sich lassen und sich den Etappen- und Gesamtsieg sichern. Doch der Sieger der vergangenen drei Jahre vom Team Sparkasse Nutrixxon hatte beim diesjährigen Cinturón die Rechnung ohne den kolumbianischen Nachwuchsfahrer Sergio Henao Montoya gemacht.

„Die Voraussetzungen waren auch diesmal bestens. Ich fühlte mich sehr gut und hatte vor der Schlussetappe nur 15 Sekunden Rückstand auf den führenden Spanier Enrique Salgueiro Alonso. Die Etappe lief eigentlich optimal, ich hatte zwischenzeitlich 30 bis 60 Sekunden Vorsprung auf das Feld herausgefahren", schilderte er den Rennverlauf. Vier Mal ging es zum Castell de Bellver hinauf. „Dann kam beim letzten Anstieg der Kolumbianer und überholte mich.

Er war an diesem Tag einfach unglaublich stark, da hatte ich keine Kraft mehr zu antworten", sagt der 35-Jährige. Der erst 22-jährige Sergio Henao Montoya vom Team „Colombia Es Pasión Coldeportes" könne schon bald bei einem der ganz großen Teams fahren und dann auch bei der Tour de France dabei sein, ist sich Müller sicher.

Die Tour de France – das war auch stets ein Traum von Dirk Müller. Er hat sich nicht erfüllt. Immerhin konnte Müller 2006 die Deutsche Meisterschaft der Profifahrer gewinnen. Jetzt gehört er zu den Veteranen der zweithöchsten internationalen Klasse, der UCI Europe Tour. „Ich bin momentan in der besten Verfassung meiner Karriere. Es wäre schön, wenn ich bei meinem Geburtsjahr 1973 die sieben gegen eine acht austauschen könnte", sagt er lachend. Drei Jahre werde er wohl noch fahren, für die Zeit nach der Karriere knüpft er derzeit Kontakte.

Besser zweigleisig fahren Jungen Fahrern rät er, nicht nur auf den Profiradsport zu setzen. „Die sollten zweigleisig fah­ren und noch eine Ausbildung nebenher absolvieren. So habe ich es auch gemacht, bin danach zur Bundeswehr und habe die Profi-Lizenz erworben. Bis auf einige Kleinigkeiten würde ich es genauso wieder machen." Grundsätzlich abraten von dieser Karriere würde der alte Fuchs aber niemanden, auch nicht in Zeiten, wo es dem Radsport an Glaubwürdigkeit und Sponsoren mangelt.

Fälle wie der des deutschen Ex-Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher, der wegen Dopings vom Radsport-Weltverband UCI für zwei Jahre gesperrt wurde, nimmt Müller achselzuckend zur Kenntnis und merkt vieldeutig an: „Richtig überraschend war es nicht. Man würde sich ja auch wundern, wenn in der Leichtathletik ein Sprinter aus Leverkusen plötzlich 100-Meter-Weltmeister würde."

Im Vergleich zum Challenge-Sieger Toni Colom, der sich im MZ-Interview über das strenge Kontroll-Reglement der UCI beklagte, bleibt Müller gelassen. „Wer die Profi-Lizenz erwirbt, weiß worauf er sich einlässt und erklärt sich automatisch einverstanden mit dem Kontrollsystem", sagt er. Es gelten feste Regeln, an die man sich zu halten habe. Dennoch: „Es gibt natürlich schon einige Dinge, die man verbessern könnte. Man hat ständig Angst, einen Formfehler zu begehen, wenn man mal nicht erreichbar ist oder es schlicht vergessen hat, sich zu melden."

Dass der Radsport neben den Doping-Fällen auch unter der Wirtschaftskrise leidet, zeige sich deutlich, so Müller. Der deutsche Klassiker „Rund um den Henninger Turm", bei dem er Anfang Mai an den Start gehen wird, heißt jetzt „Eschborn-Frankfurt City Loop", weil 2008 der Hauptsponsor Henninger Bräu nach 46 Jahren wegen wirtschaftlicher Probleme ausgestiegen war. „Es gibt in dieser Saison einige Rennen, denen die Sponsoren fehlen", sagt Müller und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ein guter Zeitpunkt für Unternehmen, jetzt einzusteigen."

Mehr Freude als Frust Trotz aller Probleme bereitet ihm sein Sport immer noch mehr Freude als Frust. „Wenn der Spaß da ist, kommt auch der Erfolg", ist Müller überzeugt. Er selbst ist der beste Beweis: Als einer der ältesten Fahrer im Feld war er beim „Cinturón" der Teilnehmer mit den konstantesten Leistungen, in der Endabrechnung gewann er die Sprint-Wertung, was bei der Tour de France dem Grünen Trikot entspricht, sowie die Sondersprint-Wertung.

Dirk Müller will auch im nächsten Jahr, dann mit 36 Jahren, wieder auf Mallorca an der „Challenge" teilnehmen und im April beim „Cinturón" auf Sieg fahren – und noch einmal versuchen, die jungen Nachwuchsfahrer auf Distanz zu halten.

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- Fußball: Real Mallorca zurück im Kampf gegen den Abstieg
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