Christopher Schorch bei Real Madrid: Warten auf die große Chance

04-12-2008  
Christopher Schorch (re.) feiert mit seinem Teamkameraden Adam Szalai ein Tor in der zweiten Mannschaft von Real Madrid.
Christopher Schorch (re.) feiert mit seinem Teamkameraden Adam Szalai ein Tor in der zweiten Mannschaft von Real Madrid.  Foto: Real Madrid

HOLGER WEBER Zunächst glaubte Christopher Schorch, es handele sich um einen Scherz, als ihn sein Berater anrief und sagte: "Du, Christopher, die von Real Madrid haben Interesse an dir". Das war vor anderthalb Jahren, da war Christopher 18 und gerade der Jugendabteilung entschlüpft. Zweimal hatte er in der Bundesliga für Hertha BSC Berlin gespielt. Spätestens als dann Madrids Sportdirektor Petrag Mijatovic selbst am Hörer war, wusste der junge Hallenser, dass es dem Weltclub aus Spanien ernst war mit seinem Angebot.

Mijatovic lud ihn nach Madrid ein, um sich einen Eindruck vom Club und dem ganzen Drumherum zu machen. "Es war das Spiel, als Madrid gegen Real Mallorca die Meisterschaft unter Dach und Fach brachte", erinnert sich der junge Deutsche. "Ich war von der ganzen Atmosphäre, die den Club umgibt, sofort beeindruckt."

Die Talentspäher des Rekordmeisters hatten ihn auf einem Turnier mit der U19-Nationalmannschaft entdeckt. Mijatovic war vor allem von der körperlichen Robust­heit und der Abgeklärtheit des jungen Abwehrspielers angetan.

Und so spielt Christopher Schorch seit der Saison 2007/2008 in der "Filiale" Madrids, die derzeit ungeschlagen die Tabelle der dritten Liga anführt. In Madrid sei er "zufrieden und glücklich", sagt er. Bis zu zweimal in der Woche trainiert er mit den Stars der ersten Mannschaft. Das sei unglaublich, was die für ein spielerisches nivel hätten, sagt der Hallenser und wird dann gleich von seiner Freundin korrigiert. "Niveau", sagt sie, "du gleitest schon wieder ins Spanische ab". Dann lacht Christopher: "Das passiert mir immer häufiger." Ein bis zweimal in der Woche drückt Schorch die Schulbank mit drei weiteren ausländischen Mannschaftskameraden und paukt Spanisch. Dafür hat der Club eigens zwei Lehrerinnen bereitgestellt.

Auf dem Platz dagegen lernt er von Weltstars wie Raúl, Cannavaro, van Nistelrooy und Pepe. Und Schuster, dem Trainer? Auch der Deutsche spreche fast ausschließlich Spanisch mit ihm. Das sei auch in Ordnung, sagt Schorch. Schließlich lebe man Spanien, also müsse man auch die Sprache sprechen. Schuster selbst lasse sich bei den Spielen der zweiten Mannschaft nie sehen. "Er schaut sich die Begegnungen wohl auf Video an", glaubt er.

Aus der Wohnung, die ihm der Club zur Verfügung gestellt hatte, ist er mittlerweile ausgezogen, weil sie zu groß gewesen sei. Jetzt lebt er allein auf 120 Quadratmetern und wesentlich "bescheidener", wie er anmerkt. Er sei kein Spieler mit Allüren und wisse, woher er komme: aus einem normalen Elternhaus. Sein Vater war sein Trainer. Er habe einen großen Anteil daran, dass er jetzt beim wohl erfolgreichsten Fußball-Club der Welt spielen dürfe, sagt er.

In seiner Freizeit genießt Schorch die Spaziergänge mit seinem Hund im Retiro-Park, wo er ab und zu auch von den Passanten erkannt wird: "Das ist schön, das genieße ich". Er liebt es in den Cafés zu sitzen und die Sportzeitungen zu lesen. "Marca" und "As" gehören zu seiner täglichen Lektüre. In den vergangenen Wochen konnte er sogar des Öfteren seinen eigenen Namen lesen. Mittlerweile wird öffentlich spekuliert, wann Schuster den "Rohdiamant" aus Alemania endlich ins Aufgebot der ersten Mannschaft holt. Und tatsächlich stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Denn die Liste der Verletzten wird beim Meister immer länger. Schorch könnte sogar den bisher glücklosen Metzelder im Team von Real Madrid verdrängen. Der deutsche Nationalspieler hat den Sprung zum Stammspieler nie geschafft. Privat verstehen sich Schorch und Metzelder gut. "Wir gehen ab und zu mal zusammen essen", erzählt Schorch. Die sportliche Konkurrenzsituation habe auf das private Verhältnis keinen Einfluss.

Im Januar wird er 20. Käme für ihn auch ein anderer spanischer Club in Betracht, wenn er den Sprung in die Stammelf des Rekordmeisters nicht schafft? "Im Moment denke ich darüber nicht nach. Ich fühle mich so wohl in Madrid, dass ich hierbleiben möchte", sagt er. Seine Mannschaftskameraden meinen manchmal im Scherz, dass er eigentlich zu Real Mallorca gehen müsse. Denn das sei ja schließlich die Insel der Deutschen. Eigentlich keine schlechte Idee.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:
- Real Mallorca I: Sportliche Talfahrt
- Real Mallorca II: Gehälter noch bis März sicher
- Rafael Nadal als Balearen-Botschafter
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