Mallorcas Ex-Trainer Bernd Krauss über Real Mallorca

27-08-2009  
Mallorcas Ex-Trainer Bernd Krauss.
Mallorcas Ex-Trainer Bernd Krauss. Foto: MZ

Der ehemalige Gladbacher Coach Bernd Krauss (52) trainierte in der Saison 2001/2002 Real Mallorca und ist ein ausgewiesener Kenner des spanischen Fußballs.

MICHAEL MAIER Wer wird spanischer Meister?
Osasuna sicher nicht (gemeint ist der Erstligist aus Pamplona, Anm.d.Red). Bei Real Madrid muss man sehen, wie die Millioneneinkäufe einschlagen. In den vergangenen Jahren haben sie ja überhaupt keinen Titel geholt. Das kann entweder super laufen – oder es gibt nach drei, vier Spieltagen einen Riesenzoff, zum Beispiel wegen Cristiano Ronaldo und dem Neidfaktor. Ich hatte in Gladbach zum Beispiel ziemlich Unruhe wegen Effenberg, obwohl es am Ende gut gelaufen ist. Persönlich bin ich zwischen Madrid und Barça relativ neutral, obwohl mir der Offensivfußball in Barcelona besser gefällt.

Ist die Primera División die stärkste Liga der Welt?

Ja. Auch wenn England nachgezogen hat und inzwischen vom Hauruck-Spiel auf einen gepflegten Fußball umgeschaltet hat. Von der Breite her ist die Primera División immer noch die beste und stärkste Liga der Welt.

Warum hat Barcelona Etoo gegen Ibrahimovic getauscht?
Ich vermute, dass es Probleme mit Trainer Guardiola gab. Sonst lässt man so einen nicht ziehen. Als ich Etoo trainiert habe, war er auch nicht einfach. Er war sehr jung und emotional und sah zum Beispiel gegen Schalke in der Champions League wegen Tätlichkeit rot.

Noch immer gibt es bei Mallorca keine Saisonplanung. Wie ­sehen Sie die Chance auf den Klassenerhalt?
Das war auf ´Malle´ schon immer so. Real Mallorca ist ein Wirtschaftsunternehmen mit dem Motto günstig einkaufen, teuer verkaufen. Sie haben das immer gut kompensiert, sind aber in den vergangenen Jahren auch drei- bis viermal am Abstieg vorbeigeschlittert. Wenn man dann nichts aus der Vergangenheit gelernt hat, trifft es einen halt irgendwann einmal. Generell ist es in Spanien üblich, die Transferperiode bis zum letzten Tag am 31. August voll auszuschöpfen. Das verbessert die Verhandlungssituation für die Vereine, denn die Spieler wollen ja auch nicht arbeitslos sein. Man kann dann die Preise drücken.

Real Mallorca gilt als geschlossene Gesellschaft, die von außen schwer zu durchschauen ist.
Seilschaften habe ich keine wahrgenommen und möchte auch keine schmutzige Wäsche waschen. Aber das Klima innerhalb des Clubs war sehr unterkühlt – gar nicht so spanisch, wie man es eigentlich erwarten würde. Gleichzeitig war es auch professionell, aber eben sehr zurückhaltend mit wenig Feeling. Da finde ich selbst die Norddeutschen noch heißblütiger.

Was hat sich seit den 90ern im Fußball verändert?
Die Kommerzialisierung ist viel extremer geworden. In der Transferperiode gibt es jetzt viel mehr freie Spieler, die ihr Geschäft machen wollen. Die Transfersummen und Gehälter sind nicht mehr zu rechtfertigen. 94 Millionen Euro wie bei Cristiano Ronaldo kann doch kein Spieler wert sein. Es sollte da eine Richtgrenze geben, sonst dreht sich die Schraube in Unendliche.

Welche Chance sehen Sie als Gladbacher Ex-Trainer jetzt mit ´Ballermann-Einkauf´ Arango?
Arango ist ein sehr starker Mann, auch wenn die Kondition erst für 60 bis 70 Minuten reicht. Gut, dass Manager Michael Frontzeck das Geld endlich sinnvoll ausgegeben hat, statt wie bisher in ängstlichen und destruktiven Fußball zu investieren.

Wie beurteilen Sie das Niveau der unteren Ligen in Spanien?
Das Niveau der Segunda A ist mit der zweiten Bundesliga vergleichbar, aber ich habe in Teneriffa die Erfahrung gemacht, dass mit 42 Saisonspielen die Belastung enorm ist. Für das kampfbetonte Spiel sind ganz andere Typen gesucht als in der Primera División. Auch die Leistungsdichte ist sehr hoch. Zehn Mannschaften spielen um den Aufstieg, zehn um den Abstieg. Wenn man – wie mein Ex-Club San Sebastián – einmal in der zweiten Liga gelandet ist, wird es schwer, wieder aufzusteigen. Es gibt in Spanien keine ´Fahrstuhlmannschaften´ wie Bielefeld, Bochum oder den KSC. Das Niveau in der Segunda B mit ihren vielen verschiedenen Staffeln ist bei den besseren Mannschaften schon recht professionell. Aber der Modus ist sehr kompliziert. Ein Aufstieg ist erst nach wahnsinnig vielen Relegationsrunden möglich.

Als letzten Club haben Sie 2007 den österreichischen Zweitligisten ASK Schwadorf trainiert. Wie sieht Ihre Perspektive aus?

Ich würde mich über eine neue Herausforderung in Spanien freuen. Aber auch für Deutschland, wo ich schon länger weg bin, wäre ich offen. Bei einem Engagement geht es mir nicht in erster Linie um das Geld.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:

- Anpfiff gegen die Galicier: Neue Spielzeit beginnt


  Zeitungbibliothek
Real Mallorca - das Forum für den MZ-Fanclub

Werden Sie Fan beim RCD Mallorca!
Golf auf Mallorca
Sonderbeilage Golf auf Mallorca
  LERNEN SIE UNS KENNEN:  KONTAKT |  REDAKTION |  ANZEIGEN-TEAM     WERBUNG:  TARIFE
mallorcazeitung.es gehört zur Verlagsgruppe  Editorial Prensa Ibérica
Die vollständige oder teilweise Verwendung der über dieses Medium angebotenen Inhalte ohne ausdrückliche Genehmigung der Mallorca Zeitung ist untersagt. Nach Gesetz LPI, Artikel 32,1, 2. Paragraf ist jedwede Reproduktion verboten.
 


  Aviso legal
  
  
Andere Medien der Gruppe Editorial Prensa Ibérica
Diari de Girona  | Diario de Ibiza  | Diario de Mallorca | El Diari  | Empordà  | Faro de Vigo  | Información  | La Opinión A Coruña  |  La Opinión de Granada  |  La Opinión de Málaga  | La Opinión de Murcia  | La Opinión de Tenerife  | La Opinión de Zamora  | La Provincia  |  La Nueva España  | Levante-EMV  | Regió 7  | Superdeporte  | The Adelaide Review  | 97.7 La Radio  | Blog Mis-RecetasEuroresidentes | Loteria de Navidad | Oscars | Premios Goya