Hertha BSC nach dem Mallorca-Trainingslager

Nach dem Insel-Aufenthalt treffen die Berliner Spieler am Samstag (16.1.) auf Hannover 96 und setzen ganz besonders auf den nach einer Verletzungspause wieder genesenen Florian Kringe.

14-01-2010  
Florian Kringe (Mitte) beim Training in Son Bibiloni.
Florian Kringe (Mitte) beim Training in Son Bibiloni. Shimada

HOLGER WEBER Es war seine bisher schmerzlichste Erfahrung als Profifußballer. Zwölf Minuten stand Florian Kringe in seinem ersten Spiel für Hertha BSC Berlin auf dem Platz, da passierte es. Beim Zweikampf mit dem Mainzer Elkin Soto brach er sich am 12. September den Fuß. Erst wenige Tage zuvor hatte ihn sein Stammverein Borussia Dortmund, bei dem er zuvor nur noch auf der Bank gesessen hatte, an den Hauptstadtclub ausgeliehen. „Die Diagnose Mittelfußbruch war für mich ein ganz bitterer Moment“, erinnert sich Kringe, der zum Pechvogel der Hinrunde abgestempelt wurde.

Mittlerweile ist Kringe körperlich wieder fit. Und auch mental fühlt er sich reif für sein Comeback in der Bundesliga, nachdem er im Europa-League-Spiel gegen Lissabon vor Weihnachten zu einem Kurzeinsatz gekommen war: „Die Angst vor den Zweikämpfen ist weg. Das ist das Wichtigste“, sagt er. Im Trainingslager von Hertha BSC auf Mallorca ließ das erste Erfolgserlebnis dann auch nicht lang auf sich warten. Im Testspiel gegen die zweite Mannschaft des spanischen Erstligisten Real Mallorca, das Hertha mit 2:1 gewann, erzielte Kringe den 1:0-Führungstreffer und war bei dem eher schwachen Auftritt der Berliner einer der wenigen Lichtblicke. Trainer Friedhelm Funkel sah sich bestätigt: „Florian kann für uns im Kampf um den Klassenerhalt ganz wichtig werden.“ Und auch Manager Michael Preetz hält große Stücke auf den Ex-Dortmunder: „Für mich ist er neben unseren drei neuen Spielern, die wir in der Winterpause verpflichtet haben (Gekas, Kobiaschwili und Hubnik; Anm. der Red.), einer der großen Hoffnungsträger.“

Kringe soll das Mittelfeld der Berliner stärken. Wo er genau eingesetzt werde, das sei ihm egal, sagt er. Und den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft scheut er nicht. „In der Bundesliga gibt es für jede Position zwei oder drei Kandidaten. Da darf man sich nicht beschweren.“ Den Profifußball hat er von der Pike auf kennengelernt. Schon in der C-Jugend wechselte der Siegerländer im Alter von 14 Jahren vom Amateurclub Sportfreunde Siegen in die Nachwuchsabteilung des Erstligisten Borussia Dortmund.

Die zurückliegenden Monate verbucht er mittlerweile als eine wichtige Erfahrung, die zwar aus sportlicher Sicht negativ gewesen sei, ihn aber menschlich bereichert habe. Wochentags quälte er sich in der Reha, an den Wochenenden musste er von der Tribüne aus mit ansehen, wie seine Mannschaft von Niederlage zu Niederlage eilte. Zuzusehen, wie Hertha BSC glücklos vor sich hin dümpelte, habe fast mehr geschmerzt als der lädierte Fuß. Früher in Dortmund leistete er sich auch schon einmal die Dienste eines Mentaltrainers, machte damit aber eher schlechte Erfahrungen. Während seiner Verletzungspause baute er vor allem auf die moralische Unterstützung von Freunden und seiner Familie.

Dass Hertha doch noch das „Wunder von Berlin“ schafft und trotz eines Rückstandes von zehn Punkten auf den Relegationsplatz im Oberhaus des deutschen Fußballs bleibt, hält er für durchaus realistisch. Und wenn er sagt, dass man sich in den nächsten vier Monaten nur auf dieses eine Ziel konzentrieren werde, dann klingt es aus dem Mund des eloquenten Fußballers keineswegs nach reinem Zweckoptimismus. „25 Punkte plus x“ hat Manager Michael Preetz als Ziel ausgegeben. Bereits am kommenden Samstag müsste Hertha BSC Berlin bei Hannover 96 punkten. Kringe hofft darauf, zu den ersten Elf zu gehören. „Normalerweise braucht man zwei bis drei Spiele, um wieder in den Rhythmus zu kommen“, sagt er und fügt nach einer kurzen Überlegung hinzu: „Doch angesichts der prekären Situation des Clubs kann ich mir ein so großes Zeitfenster nicht erlauben.“

Testspiel:

Im letzten Testspiel vor dem Bundesligastart am Wochenende trennte sich Hertha BSC Berlin am Samstagmittag vom Zweitligisten FSV Frankfurt nur 1:1 unentschieden. Den Treffer für die Hauptstädter erzielte  Raffael (40. Minute), für die Hessen war auf dem Trainingsgelände von Son Bibiloni in Palma Jürgen Gjasula (57.) erfolgreich. Das Spiel, das ursprünglich am Freitag in Magaluf ausgetragen werden sollte, wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes um einen Tag verschoben. Am Wochenende muss Hertha BSC im ersten Spiel der Rückrunde bei Hannover 96 antreten.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:
- Real Mallorca fährt in Madrid zwei Niederlagen ein
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