In doppelter Mission

Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann bereitet sich mit dem Nationalteam auf der Insel für die WM vor – und denkt auch schon an sein Zukunftsprojekt mit dem FC Bayern München

15-09-2010  
Bundestrainer Dirk Bauermann nimmt Demond Greene mit zum FC Bayern München.  <br /><br />
Bundestrainer Dirk Bauermann nimmt Demond Greene mit zum FC Bayern München.

 Foto: DBB

HOLGER WEBER Ähnlich wie die Fußballer werden auch die deutschen Basketballer mit einer stark verjüngten Mannschaft bei der vom 28. August bis 12. September in der Türkei stattfindenden Weltmeisterschaft antreten. Noch bis zum nächsten Dienstag bereitet Bundestrainer Dirk Bauermann das Team im Rahmen eines zehntägigen Trainingslagers auf Mallorca auf die WM vor. Es fehlt nur noch Superstar Dirk Nowitzki (32). Er hat sich bis Ende der Woche Bedenkzeit erbeten, dann will er entscheiden, ob er in der Türkei mit dabei ist. Nowitzki hat gerade einen neuen Vertrag für die Dallas Mavericks unterschrieben, der ihn in den kommenden vier Jahren um rund 80 Millionen Dollar reicher machen wird. Die MZ unterhielt sich im Lindner-Hotel in Bendinat, dem Mannschaftsquartier, mit Bundestrainer Dirk Bauermann. Der 53-jährige Oberhausener wirkt in der kommenden Saison an zwei Fronten gleichzeitig. Neben seiner Funktion beim Deutschen Basketball Bund (DBB) soll er die Korbwerfer vom ­FC Bayern München aus der zweiten Liga in die europäische Spitze führen.

Herr Bauermann, wie stehen die Chancen, dass Dirk Nowitzki mit zur WM fährt?
Ich könnte es gut nachvollziehen, wenn er sagt: ,Lasst mich in diesem Sommer noch einmal in Ruhe.‘ Sicher ist, dass er im nächsten Sommer für uns spielt, wenn es um die Olympia-Qualifikation geht. Die Olympischen Spiele sind sein großes Ziel. Wenn er doch noch mitkäme in die Türkei, wäre es grandios für diese Mannschaft, die als jüngstes Team beim Turnier an den Start geht.

Der Vergleich mit Michael Ballack liegt nahe.

Ohne Michael Ballack irgendetwas zu wollen: Da gibt es schon noch einen Unterschied. Dirk gehört eindeutig zu den fünf besten Basketballspielern der Welt. Nowitzki ist Boris Becker, Michael Schumacher und Franz Beckenbauer. Auf dieser Ebene würde ich ihn im deutschen Sport einordnen. Wenn er nicht spielt, schmerzt uns das mehr, als wenn die Fußballer ohne Ballack auskommen müssen. Im Basketball stehen ja auch nur fünf Mann auf dem Feld. Da ist die Last auf jedem Einzelnen größer.

Sie sind vor zwei Jahren als Trainer in Bamberg ausgeschieden, weil sie keine Doppelbelastung mehr wollten. Jetzt haben Sie bei den Bayern angeheuert.
Es war mir klar, dass ich irgendwann wieder einen Verein übernehmen würde. Ich habe in den vergangenen beiden Jahren nur für den Verband gearbeitet: Trainer ausgebildet, Spieler beobachtet. Das sind wichtige Aufgaben. Aber ich bin eben Trainer und nicht Trainerausbilder. Ich wollte zurück an den Spielfeldrand und jeden Tag mit den Spielern arbeiten.

Wenn ein Bundestrainer in die zweite Liga geht, muss es sich um ein außergewöhnliches Projekt handeln.
Ja, es ist ein Vorhaben mit einer langfristigen Perspektive, obwohl ich jetzt nur einen Vertrag für ein Jahr unterschrieben habe. Der Aufstieg ist natürlich Pflicht, aber da bin ich sehr optimistisch. Das Engagement des FC Bayern München ist eine große Chance für den deutschen Basketball. Wenn Leute vom Schlage eines Uli Hoeneß sich so etwas vornehmen, kann man davon ausgehen, dass sie es sich gut überlegt haben und es richtig machen. Die ­Bayern sind darüber hinaus unglaublich gut vernetzt. Mit unserem Etat kann man durchaus in der europäischen Spitze spielen.

Der Aufstieg sollte doch kein Problem sein. Sie haben sogar Nationalspieler wie Demond Greene verpflichtet.
Ja, aber genau deswegen werden die anderen Teams einen ungeheuren Ehrgeiz entwickeln, um es den Bayern und auch dem Bundestrainer zu zeigen.

Auch Fußball-Spitzenclubs wie Real Madrid und Barcelona leisten sich Basketball-Teams.

Wenn Uli Hoeneß Real Madrid oder Barcelona hört, wird er immer missmutig, weil es sich dort um Zuschussgeschäfte handelt – ähnlich wie im Fußball. Bei den Bayern, das weiß man, ist immer noch Geld auf dem Festgeldkonto. Da wird sauber und sehr solide gewirtschaftet. Das soll auch im Basketball nicht anders sein.

Warum glauben Sie, dass eine Basketball-Spitzenmannschaft unter dem Dach der ­Bayern zumindest anfänglich kein Zuschussgeschäft wird?
Weil es unheimlich viele Sponsoren gibt, die sich beim FC Bayern engagieren wollen, aber im Fußball keine Chance haben. Die Bayern arbeiten da halt nicht mit den Kleinen, sondern mit den wenigen Großen.

Wird es eine direkte Zusammenarbeit mit Fußball-Trainer Louis van Gaal geben?
Das muss man abwarten, ob wir uns mal auf einen Kaffee zusammensetzen werden. Das hängt ja auch davon ab, ob man Sympathie füreinander ­entwickelt. Aber es ist schon angedacht, dass die Basketballer durch die Fußballer unterstützt werden. Sebastian Schweinsteiger und Philipp Lahm sind ja ausgesprochene Basketball-Fans und werden uns als Pate zur Seite stehen. Sie kommen natürlich auch zu den Spielen.

Ihr Plan ist es, mittelfristig auch Dirk Nowitzki nach München zu holen.
Nein, das habe ich so nie geäußert. Es hat mal jemand gesagt: ,Der Bauermann versteht sich doch gut mit dem Nowitzki. Der ist jetzt 32 – das würde doch passen.‘ Das ist natürlich eine Träumerei, die zu diesem Zeitpunkt absolut realitätsfern ist. Jetzt hat sich Nowitzki erst einmal für die kommenden vier Jahre in Dallas verpflichtet. Wenn er sich mal irgendwann in den Ruhestand begibt, kann er vielleicht auch noch für die Bayern spielen …


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