ANDREAS JOHN
Die Vorbereitungen für das Mega-Event laufen bereits seit Monaten. So richtig aufgehört haben sie eigentlich nie, seitdem die „Copa del Rey" vor 28 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Dass sie sich eines Tages – gemessen an dem sportlichen Niveau ihrer Teilnehmer – zu einer der bedeutendsten Segelregatten in Europa entwickeln würde, hätte man anfangs bei den Ausrichtern vom Königlichen Yachtclub in Palma wohl kaum für möglich gehalten.
Mittlerweile hat man sich dort auf die alljährlich wiederkehrende Mischung aus elitärem Sportevent und gesellschaftlichem Tohuwabohu gut eingestellt. „Wir leben die Copa del Rey das ganze Jahr", sagt Alberto Ponso stolz, Geschäftsführer des einzigen Yachtclubs der Welt, in dem Spaniens König Juan Carlos I. eine Suite im obersten Stockwerk unterhält.
„Die Copa ist ein Event der Superlative, sie ist die Mutter aller Regatten", schwärmt Nicolás Terry, der sich seit drei Jahren um das Ende Juli anreisende Heer von internationalen Medienvertretern kümmert. Mehr als 400 Journalisten, Kameraleute und Tontechniker betreuten Terry und sein 30-köpfiges Team im vergangenen Jahr.
Ihr Hauptquartier ist ein abgedecktes Schwimmbad im zweiten Stock des Yachtclubs. Hier befinden sich nicht nur lange Tischreihen und stets auf Hochtouren arbeitende Kaffee-Automaten, sondern auch diverses Equipment zum Schneiden und Vertonen des Videomaterials.
Apropos Video: Einen eigenen Fernsehkanal hat die Copa del Rey zwar noch nicht, dafür wird bei ihrer kommenden Ausgabe vom 1. bis 7. August wieder der öffentlich-rechtliche Sender TVE live von der Regatta berichten. „Geplant sind rund acht Stunden Sendezeit auf dem TVE-Sportkanal Teledeporte", sagt Terry. „Solch eine Aufmerksamkeit bekommen nicht einmal Barça oder Real Madrid."
Im Gegensatz zum Fußball ist eine Segelregatta für Fernsehzuschauer allerdings keine leicht verdauliche Kost. „Die Regeln sind schon etwas kompliziert", gibt Terry zu. In diesem Jahr nehmen an der Copa del Rey etwa 91 Segelschiffe aus 18 Ländern in drei Kategorien sowie acht verschiedenen Bootsklassen teil. Je nach Länge, Breite und Rumpftyp kommen dabei drei für das Gesamtergebnis entscheidende Punktesysteme zum Einsatz. Oder anders gesagt: Nicht in allen Kategorien gewinnt immer das Team, das zuerst über die Ziellinie fährt.
Gesegelt wird an insgesamt sechs Regattatagen in jeweils zwei Läufen. Cracks der internationalen Szene, die sich in den vergangenen Jahren häufig in Palma blicken ließen, sind dieses Jahr eher spärlich gesät. So werden weder America´s-Cup-Gewinner Russel Coutts vom Team BMW Oracle Racing noch Deutschlands Segelass Jochen Schümann mit „All4One" an den Start gehen.
Eine Absage erteilte ebenfalls König Juan Carlos I. , der in den vergangenen Jahren am Steuer der TP-52-Yacht „Bribón" häufig ins Regattageschehen eingriff. In diesem Jahr will sich der Monarch das Rennen aus gesundheitlichen Gründen lieber vom Land aus anschauen.
Dort herrscht ebenfalls reges Treiben. Rund 150 Personen helfen hier den Teams beispielsweise beim Segelpacken und Ausrüsten der Racer während der Regattatage. An den Stegen im Club wird es eng. Um die Flotte der Teilnehmer und ihre Begleitboote unterzubringen, müssen insgesamt mehr als 200 Liegeplätze für die Zeit der Veranstaltung frei gemacht werden, davon betroffen sind zahlreiche Clubmitglieder.
Das Nachsehen haben aber vor allem die Zaungäste. „Von Land aus das Regatta-Geschehen zu verfolgen, ist so gut wie unmöglich", sagt Nicolás Terry. Dazu befänden sich die Flotten zu weit draußen in der Bucht. Und der Yachtclub selbst wird aus Sicherheitsgründen großflächig abgeschirmt.
„Zugang haben nur autorisierte Personen." Einziger Lichtblick ist der letzte Regattatag. Dann findet abends im Parc de la Mar unterhalb der Kathedrale die Preisverleihung statt. „Dazu ist dann aber wirklich jeder herzlich eingeladen", sagt Alberto Pons.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.regatacopadelrey.com
In der Printausgabe vom 29. Juli (Nummer 534) lesen Sie außerdem:
- Ausschluss aus der Fußball-Europaliga: Real Mallorca gibt nicht auf
- Golf Park Puntiró und das Zeichen des Goldenen Bären
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