ANDREAS JOHN
Federico Knuchel kam 1969 nach Mallorca. Im Auftrag einer Züricher Firma leitete der gebürtige Schweizer ein Bauprojekt auf der Insel. Doch statt anschließend wieder die Koffer zu packen, blieb er und gründete eine eigene Projektmanagement-Firma. Vor wenigen Wochen wurde er zum Präsidenten des balearischen Golfplatzbetreiberverbandes (ACGB) gewählt.
Fühlen Sie sich nicht geschmeichelt, als Ausländer an der Spitze eines balearischen Unternehmerverbandes zu stehen?
Man kennt mich ja bereits seit 40 Jahren in der Szene. Ich war Mitbegründer und Schatzmeister des balearischen Golfverbandes FBG Anfang der 70er Jahre. Außerdem bin ich Präsident von Golf Alcanada.
Laut ihrem Vorgänger, José Jiménez, haben im vergangenen Jahr nur zwei Clubs ihren Mitgliedsbeitrag gezahlt. Befindet sich der Verband nicht längst im Zustand der Auflösung?
Seitdem ich im Amt bin, haben fast alle Mitglieder ihre ausstehenden Beiträge bezahlt. Es stimmt: Früher herrschte im Verband oft Uneinigkeit. Jetzt ist aber Ruhe eingekehrt. Vielleicht bin ich in diesem Moment die richtige Person für das Amt. Wir Schweizer sind ja für unsere Neutralität bekannt.
Der Präsident von Pula Golf, Romeo Salas, hatte ebenfalls für das Amt kandidiert, geriet zuletzt jedoch wegen der Korruptionsaffäre um das Tourismusförderungsinstitut Ibatur in die Schlagzeilen. War das ausschlaggebend für Ihre Wahl?
Nein. Das wurde im Verband nicht weiter thematisiert.
Erhält Ihr Verband weiterhin Geld von Ibatur für die Förderung des Golftourismus auf den Balearen?
Wir bekommen kein Geld in die Hand. Es wird ein Budget bereitgestellt, das für Werbekampagnen genutzt wird. Wir schlagen der Landesregierung vor, wofür dieses Geld ausgegeben werden soll. In Zukunft werden wir darüber aber nicht mehr mit Ibatur verhandeln, sondern mit der neuen ´Stiftung für Tourismusförderung Mallorca´.
Golfplätze werden von einigen Koalitionsmitgliedern der Antich-Regierung scharf kritisiert. Stört das nicht die Zusammenarbeit?
Mit dem Thema Golf tut man sich in der balearischen Landesregierung tatsächlich sehr schwer. Golfplätze werden von gewissen politischen Gruppierungen als Druckmittel missbraucht. Gegen Golf zu Felde zu ziehen, bringt Wählerstimmen. Wenn Sie beispielsweise auf Mallorca einen 50 Hektar großen Park bauen, würden Sie in der Öffentlichkeit Applaus ernten. Doch wehe, Sie nehmen in diesem Park einen Golfschläger in die Hand. Dann geraten Sie ganz schnell in die politische Schusslinie. Der geplante Golfplatz in Son Bosc ist ein gutes Beispiel.
Warum?
Weil er nichts anderes ist als ein politischer Spielball. Die Initiatoren verfügen seit Jahren über sämtliche Genehmigungen zum Bau. Warum wird jetzt so ein Geschrei darüber veranstaltet? Weil einige Parteien glauben, damit Stimmen fangen zu können. Ginge es um einen neuen Fußballplatz, würde sich niemand aufregen.
Was sind Ihre Pläne?
Wir wollen verstärkt bei Profi-Turnieren in Europa um die Balearen als eine qualitativ hochwertige Golfdestination werben.
Hohe Qualität bedeutet aber auch höhere Greenfeepreise.
Sicher ist Mallorca teurer. Aber Sie müssen auch mal überlegen, was Sie hier für Ihr Geld geboten bekommen. Im Gegensatz zu den Clubs in Deutschland und England sind wir Wirtschaftsunternehmen. Wir leben hauptsächlich von den Greenfee-Einnahmen. Daher müssen wir auch ein sehr gutes Produkt anbieten.
Nicht auf allen Plätzen der Insel ist der Pflegezustand gleich.
Genau das ist das Problem. Die besten Golfplätze der Insel sind in der Hand von Ausländern. Warum? Weil die einfach mehr Wert auf Qualität legen. Die beste Werbung für uns ist die Mund-zu-Mund-Propaganda. Die funktioniert aber nur, wenn alle Plätze im Top-Zustand sind.
Wie hat sich das Golfspiel auf Mallorca in den vergangenen vier Jahrzehnten geändert?
Früher war Golf ein Gentleman-Sport. Das hat für mich nichts mit Geld oder Einkommen zu tun. Heute lässt das Benehmen auf den Plätzen schon sehr zu wünschen übrig.
In der Printausgabe vom 19. August (Nummer 537) lesen Sie außerdem:
- Fußball: Feuertaufe bestanden – Mallorca gewinnt erstes Heimspiel
- Schwimm-EM: Spanisches Gold unter Vorbehalt
- Wasserwelten: Der Club der letzten Fischer
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