Die schräge Schule der Strand-Skipper auf Mallorca

Wie in Colňnia de Sant Jordi ein charmanter Franzose Beach-Potatoes das Segeln beibringt – ob sie es nun wollen oder nicht

10-08-2010  
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Er kriegt sie alle: Segellehrer Laurent Bastianelli nebst potenziellen Kundinnen.
Er kriegt sie alle: Segellehrer Laurent Bastianelli nebst potenziellen Kundinnen. Foto: Andreas John

ANDREAS JOHN Man könnte Laurent Bastianelli auch für vollkommen durchgeknallt halten. Unaufhörlich hebt und senkt er die Arme, kreist wild mit der Hüfte, hüpft, läuft über den Sand, springt ins Wasser und wieder hinaus, schüttelt mit dem Kopf, lacht, schreit und klatscht zum Schluss in die Hände.

Bastianelli ist Segel- und Windsurf­lehrer an der Playa Estanys in Colònia de Sant Jordi. Alle dort im Sand liegenden Menschen sind seine Schüler. Die meisten von ihnen wissen das nur nicht. 

Helen B. zum Beispiel. Die 58-jährige britische Urlauberin aus dem nebenan liegenden Hotel Marqués (www.katama.eu) nennt, nur mal kurz nach einem Surfkurs für ihren zehnjährigen Enkel erkundigen wollen.

Keine 15 Minuten später hockte sie neben Bastianelli in einem Beach-Katamaran und steuerte den 17 Fuß großen Doppelrümpfer hinaus in die Bucht von Es Trenc. „Das war unglaublich", schwärmt sie nach der Rückkehr. „Ich weiß nicht, wie er es geschafft hat, aber ich bin zum ersten Mal in meinem Leben gesegelt."

Und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein. Schon hat sie den kompletten Katamaran-Kurs für 360 Euro bei Bastianelli gebucht. „In sechs Stunden hat sie´s drauf", sagt ihr Lehrer. Helen B. lächelt zuversichtlich. Morgen um 15 Uhr sei sie wieder hier. Ihren Enkel hat sie längst vergessen.

Bastianelli ist unterdessen schon bei seinem nächsten Schüler. Er heißt Juan, ist 17 Jahre alt und stammt aus Vilafranca. Vor einer Woche habe er mit seinen Kumpels hier noch faul am Strand gelegen und über die Anfänger auf den ­mega-breiten Starboards gelacht, wie sie mit rudernden Armbewegungen oftmals das Gleichgewicht verloren und ins Wasser plumpsten.

Irgendwann, nach einem besonders lauten Lachanfall, habe Bastianelli vor ihm gestanden und ihn gefragt, ob er es nicht einmal selbst versuchen möchte. „Das war mir ganz schön peinlich", ­erinnert sich Juan. Dennoch habe er das Angebot einer Schnupperstunde angenommen. Seitdem will er nur noch eines: „Powerhalse lernen und dann den Beachstart. So schnell wie möglich." 

Was also ist das Geheimnis von Katama? „Mein Unterricht verfolgt drei Ziele: So schnell wie möglich aufs Wasser, so schnell wie möglich segeln, so schnell wie möglich Erfolg", sagt Bastianelli. Dabei spiele es keine Rolle, ob sich jemand auf einem Surfbrett, in einem Katamaran oder in einer Sportjolle aufs Wasser wagt.

„Bei mir gibt es keine stundenlangen Erklärungen über Vorwindkurs, Luv, Lee, Pinne, Schot oder andere kaum auszusprechende Wörter." Es gehe vielmehr darum, mit Wind und Wasser eine Einheit zu werden. Der Rest sei Übungssache. „In vier Stunden schafft es auch bei mir niemand zum Segelschein. Aber wer etwas guten Willen zeigt, der kann sich anschließend einigermaßen auf einem Surfbrett oder Katamaran bewegen", sagt Bastianelli.

Eben hat er Juan vom Brett geholt und schubst ihn gerade durchs hüfthohe Wasser. Sein Schüler hat sichtliche Mühe, auf den Beinen zu bleiben. „Fühle mit den Füßen, kämpfe nicht gegen den Widerstand des Wassers an, behalte stets das Gleichgewicht", doziert Bastianelli, während er Juan durchs Wasser treibt.

Etwas weiter entfernt am Strand liegt Sabine. „Ist echt ulkig der Typ", sagt die junge blonde Schweizerin, die zusammen mit ihrer Freundin in Colònia de Sant Jordi Urlaub macht. Seit drei Tagen kommt sie bereits an die Playa Estany. „Wir legen uns immer gleich neben die Schule, da ist am meisten los", sagt Sabine.

Ob es sie es nicht selbst mal reize, einen Strand-Kat zu segeln? „Ist bestimmt schwer". „I wo!", unterbricht Bastianelli, der Juan mit verschiedenen Balance-Übungen auf dem Brett zurückgelassen hat. „Jeder kann das. Selbst du", sagt er mit seinem unverschämten Lächeln. Sabine muss lachen. „Heute habe ich für dich aber keine Zeit. Komm morgen um 12 Uhr wieder", sagt Bastianelli.

Sein Auftragsbuch ist prall gefüllt. Von Juni bis Mitte Oktober, von Montag bis Sonntag, von morgens um 10 bis abends um 9 ist der Franzose auf den Beinen. Neben dem 45-minütigen Segel- und Surfunterricht verleiht er zwischendurch noch ein Dutzend Surfbretter, vier Katamarane und drei Jollen. Zwei braun gebrannte
Beaus stehen ihm dabei zur Seite.

„Ganz billig bin ich nicht", sagt Bastianelli. Ein 4-Stunden-Surfkurs kostet bei ihm satte 180 Euro. „Bei mir haben die Leute Spaß", sagt er,  während er wild gestikulierend zurück zu seinem Schüler ins Wasser sprintet. „Te voy a matar" (ich bring dich um), schreit er Juan an. Der fällt vor Schreck ins Wasser.

In der Printausgabe vom 5. August (Nummer 535) lesen Sie außerdem:

- Golf: Wenn es heiß wird auf dem Green
- Fußball: Jungspunt gegen Altstar – Bäumchen wechsel' Dich bei Real Madrid
- Leichtathletik-EM in Barcelona zeigt Spaniens Nachwuchsproblem

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