Immer im Kreis: Ein Safety-Car-Fahrer auf Mallorca

Die schnellsten Autofahrer der Welt im Zaum zu halten, ist sein Beruf. Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer über Sebastian Vettel, Michael Schumacher und den Reiz, stets im Kreis zu fahren

12-08-2010  
Mayländer jagt mehr als 250 Tage im Jahr weltweit von einer Rennstrecke zur nächsten. Auf Mallorca spannte er jetzt ein paar Tage aus.
Mayländer jagt mehr als 250 Tage im Jahr weltweit von einer Rennstrecke zur nächsten. Auf Mallorca spannte er jetzt ein paar Tage aus. Foto: Andreas John

ANDREAS JOHN An ihm kommt keiner vorbei. Weder Fernando Alonso noch Michael Schumacher oder Marc Webber. Bernd Mayländer (39) ist der offizielle Safety-Car-­Pilot bei allen Formel-1-Rennen. Wenn er auf die Piste gerufen wird, müssen alle anderen brav hinterherfahren. Wer das nicht tut, wird bestraft.

So wie der deutsche Red-Bull-Fahrer Sebastian ­Vettel, der beim Großen Preis von Ungarn Anfang August mit einer Durchfahrtsstrafe belegt wurde, nachdem er während einer Safety-Car-Runde einen zu großen Abstand zum Vordermann gelassen hatte und dadurch letztendlich seinen bereits sicheren ersten Platz einbüßte. Die MZ traf Mayländer bei einem Kurzurlaub bei seinem Manager in Andratx.

Warum hat Vettel in Budapest nicht den vorgeschriebenen Abstand eingehalten?
Ich habe im Rückspiegel nicht gesehen, warum Sebastian so eine große Lücke gelassen hat. Vorgeschrieben sind ja maximal zehn Fahrzeuglängen. Er war wohl einen Moment lang unaufmerksam. Das war sein Fehler.

Hat der Internationale Motorsportverband FIA mit der Strafrunde für Vettel nicht etwas überreagiert?
Es gibt in solchen Fällen ganz klare Regeln. Jeder Fahrer kennt sie. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sind Safety-Cars in der Formel 1 überhaupt notwendig?
Safety-Cars kommen bei Motorsportveranstaltungen bereits seit 1912 zum Einsatz. Damals waren sie jedoch fast ausschließlich dazu da, den Zuschauern eine Verschnaufpause zu verschaffen. Seit 1982 wird das Safety-Car bei einem Formel-1-Rennen auf die Piste geschickt, wenn es brenzlig wird. Bei einem Unfall, einem Sturzregen oder wenn die Streckenposten in Gefahr sind. Das Safety-Car hält das Fahrerfeld sozusagen im Zaum. Das ist in manchen Situationen sehr wichtig.

Sie fahren dabei aber nicht gerade im Schneckentempo, oder?

Nein. Ich muss stets mit einer angemessenen Geschwindigkeit fahren, damit die Formel-1-Fahrzeuge auch während der Safety-Car-Runden eine entsprechende Kühlung bekommen, der Reifendruck stabil bleibt.

Das heißt?
Eine angemessene Geschwindigkeit bedeutet für mich, stets so schnell zu fahren, wie das Auto hergibt.

Und was gibt Ihr Auto so her?
Mein Safety-Car ist ein lupenreiner Supersportwagen, ein Mercedes SLS AMG mit einem über 570 PS starken V8-Motor. Ich fahre zwischen 240 und 280 km/h pro Stunde. Es kommt natürlich immer auf die Rennstrecke und die Witterungsverhältnisse an.

Warum?
Der SLS wiegt knapp 1,6 Tonnen, die Formel-1-Boliden hinter mir nicht einmal die Hälfte. Bei starkem Regen ist die Wasserverdrängung bei mir einfach besser. Da kommt es schon mal vor, dass ich vom Renn-Kontrollzentrum Bescheid bekomme, doch etwas langsamer zu fahren.

Deutschland stellt mit sieben gemeldeten Piloten den Löwenanteil im Fahrerlager der Formel 1. Sind wir wirklich so gute Autofahrer?

Es gab auch schon Zeiten, da haben Italiener oder Franzosen das Gros der Fahrer gebildet. Das ist zyklisch bedingt. Wobei der durch Michael Schumacher ausgelöste Motorsport-Boom in Deutschland sicherlich dazu beigetragen hat, dass in den vergangenen Jahren sehr viele Talente herangewachsen sind. Sebastian Vettel ist ein gutes Beispiel dafür. Ähnliches ist derzeit aber auch in Spanien zu beobachten, wo das Interesse an der Formel 1 dank Alonso sehr groß ist.

Fehlt es der jetzigen Formel 1 ohne herausragende Persönlichkeiten nicht ein Stück weit an Attraktivität?
Ich glaube, wir verwechseln da etwas. Die Formel 1 ist derzeit so spannend wie selten. Fünf Fahrer kämpfen um den Titel. Es gab in dieser Saison die besten Überholmanöver seit Jahren. Nur Schumacher gewinnt nicht.

Wie lange wollen Sie selbst noch im Kreis fahren?
Mir macht mein Job sehr viel Spaß. Ich bin 250 Tage im Jahr auf Reisen. Als Rennfahrer ist für mich der größte Kick, kontrolliert am Limit zu fahren, stets die Ideallinie zu suchen. Im Safety-Car darf ich mir keinen Fehler erlauben. Das motiviert mich. Ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre so weiterfahren kann.

Abseits der Piste: Aidshilfe und Verkehrserziehung
Bernd Mayländer engagiert sich in seiner Freizeit sowohl für die internationale Aidshilfe als auch für die Verkehrserziehung von Kindern und Jugendlichen. Der 39-jährige gelernte Industriekaufmann aus Waiblingen bei Stuttgart ist der einzige deutsche Botschafter der Nelson-Mandela-Stiftung und dessen Kampagne „46664", die sich seit 2002 unter anderem durch spektakuläre Musikkonzerte weltweit für Aufklärung gegen Aids einsetzt.

Nach seiner Karriere als Profi-Rennfahrer – Mayländer ging zwischen 1995 und 2005 unter anderem bei der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) an den Start – gründete er zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes die Initiative „Safety Cars for Safety Kids", die Kinder an Schulen und in Kindergärten mit diversen Veranstaltungen über die Gefahren im Straßenverkehr aufklärt.

In der Printausgabe vom 12. August (Nummer 536) lesen Sie außerdem:
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