Real Madrid - FC Barcelona: Das Duell der beiden Dirigenten

Am Montag steht der Klassiker Real Madrid gegen den FC Barcelona an. Guardiola-Biograf Miguel Àngel Violán über die beiden Trainer

25-11-2010  
Pep Guardiola (links), der Zurückhaltende, und José Mourinho, der Extrovertierte.  Fotos: Efe
Pep Guardiola (links), der Zurückhaltende, und José Mourinho, der Extrovertierte. Fotos: Efe Fotos: Efe

HOLGER WEBER Nach zwölf Spieltagen zeichnet sich bereits ab: Den Meisterschaftstitel in der ersten spanischen Fußballliga (Primera División) spielen die beiden großen Clubs Real Madrid und FC Barcelona einmal mehr unter sich aus. Am Montag (29.11., 21 Uhr) kommt es zum ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams. Es ist auch ein Duell der beiden Trainer, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ein Interview mit dem Buchautor Miguel Ángel Violán (siehe Kasten) über Pep Guardiola und José Mourinho.

Guardiola und Mourinho waren lange Zeit gemeinsam beim FC Barcelona. Wie ist ihr Verhältnis?
Man sagt, es sei sehr gut gewesen. Damals. Heute ist es Guardiola ein wenig leid, ständig zu den Äußerungen Mourinhos Stellung zu nehmen. Er tut es zuweilen, weil er dem anderen recht geben würde, wenn er nichts sagen würde. Außerdem glaube ich, dass der Stil Guardiolas so anders ist, dass ihm die Art Mourinhos gar nicht gefallen kann.

Wer kann sich seines Jobs sicherer sein?
Mourinho spielt mit dem Feuer. Denn es gibt in Madrid Leute, denen sein Stil missfällt. Sie halten sich in der Öffentlichkeit zurück, solange die Ergebnisse für ihn sprechen. Madrid braucht nach der langen Durststrecke so dringend Titel, dass man sein Auftreten duldet. Das Klima könnte jedoch schon nach dem Klassiker umschlagen. G­uardiola hingegen geben seine Titel und seine elegante Art einen gewissen Kredit. Zudem spielt sein Team fürs Auge.

Guardiola nimmt im Vergleich der beiden die Rolle des Gentlemans ein: gut erzogen, smart. Ist er wirklich so?
Er ist der Prototyp eines Katalanen vom Land: fleißig, pünktlich, gewissenhaft in dem, was er tut. Er kommt aus einer mittelständischen Familie. In einer Zeit, in der große Teile der Gesellschaft auf das schnelle Geld aus sind, steht Guardiola für die alten Werte. Mit denen hat er auch Erfolg. Privat ist er sehr umgänglich, sogar lustig. Nach außen hin gibt er sich lieber beherrscht – sowohl in der Niederlage als auch im Triumph, weil er weiß, dass sich das Blatt immer wenden kann. Auch diese Vorsicht ist typisch katalanisch.

Mourinho dagegen scheint der harte Typ, der ´Prolet´.
Nach außen hin ist er provokant, aggressiv. Er ist der Ansicht, dass man ein Fußballspiel nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf dem Feld der Psychologie gewinnt. Es gibt Leute, die behaupten, dass er diesen Druck erzeugt und auf sich zieht, um gleichzeitig seine Spieler davon zu befreien. Aber ich glaube, dies ist nur bis zu einem gewissen Punkt intelligent. Denn der Druck geht auch auf seine Spieler über. Denn alle Welt will ihn und somit auch seine Mannschaft besiegen. Der mühsam erkämpfte Sieg gegen Gijón (1:0; Anm. der Red.) ist das beste Beispiel.

Haben die Spieler Angst vor ihm?
Nein, er genießt bei den Spielern ein hohes Ansehen. Auch weil er sich in ihrem Kreis ganz anders benimmt, als er sich nach außen gibt. Ich persönlich glaube, dass seine nach außen hin vorlaute Art gefährlich sein kann. Sie kann zu Gewalt animieren.

Leidet Mourinho darunter, dass er im Gegensatz zu Guardiola als Spieler unbedeutend war?
Möglich. Vielleicht hat er dadurch einen gewissen Nachholbedarf an Protagonismus.

In Mailand hatte Mourinho jedoch das Enfant terrible Samuel Etoo besser unter Kontrolle als Pep ­Guardiola beim FC Barcelona.
Augenscheinlich ja. Aber Mourinho und Etoo haben auch nur ein Jahr zusammengearbeitet. Nach zwei, drei Jahren sähe das ganz anders aus. Im Fall von Etoo hat Guardiola den Spieler für die Geschlossenheit der Mannschaft geopfert. Dass das Team harmoniert, hat für ihn oberste Priorität. Der FC Barcelona ist stark an Lionel Messi ausgerichtet. Was gut ist für Messi, ist gut für Barça. Was schlecht ist für Messi, ist schlecht für das Team. Weil Etoo, der sehr ehrgeizig ist, versuchte, mit Messi zu rivalisieren, musste er gehen. Das Gleiche passierte mit Ibrahimovic.

Der schießt immer noch gegen den Trainer. Zuletzt behauptete er, Guar­diola führe sich auf wie Gandhi.
Ibrahimovic ist ein Straßenfußballer. Leider ohne Bildung. Er weiß gar nicht, wer Gandhi war.

Würde Guardiola einen Schiedsrichter zum Teufel schicken, wie es Mourinho unlängst getan hat?
In einer bestimmten, aufgeheizten Situation vielleicht, weil er sehr leidenschaftlich ist. Doch er würde es mit mehr Eleganz tun.

Wenn Sie die Wahl hätten: Mit wem von den beiden würden Sie ein Bier trinken gehen?
Möglicherweise mit Mourinho. weil ich ihn nicht so intensiv kenne. Ich könnte Neues über ihn dazulernen. Ich glaube, Guardiola ist eine schlechte Begleitung bei einer Kneipentour. Mit ihm ginge ich lieber in die uchhandlung oder ins Kino.

Der Biograf von Pep Guardiola, Miguel Ángel Violán, ist Kommunikationsberater, Buchautor und Privatdozent an mehreren spanischen Universitäten, unter anderem an der renommierten EAE Business School in Barcelona. Der 51-Jährige lebt in Barcelona, arbeitete aber viele Jahre lang als Pressesprecher der Hotelkette Riu auf Mallorca. Zuletzt erschien sein Buch „El Método Guardiola" (Columna, 17 Euro). Darin beschreibt Violán den Führungsstil des Trainers.

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