Mallorca-Star in der Taktikfalle

Ex-Real-Mittelfeldspieler Jurado kommt bei Schalke nicht zum Zuge. Er passt nicht ins Konzept

23-09-2010  
Hat „auf Schalke
Hat „auf Schalke" bisher erst 11 Minuten gespielt: Jurado.  Foto: dpa

THOMAS ZAPP In Deutschland kannte ihn bislang kaum ein Fußballfan. Aber José Manuel Jurado, der in der Saison 2008/09 für Real Mallorca 35 Ligaspiele bestritt, gehört zu den besten offensiven Mittelfeldspielern Europas. Im vergangenen Jahr gewann er mit Atlético Madrid die Europaliga. Seit Anfang des Monats steht er nun in Diensten des Bundesligisten FC Schalke 04, der für ihn eine Ablöse von 13 Millionen Euro bezahlte. Dem Vernehmen nach verdient der 24-Jährige im Ruhrgebiet vier Millionen Euro pro Jahr. Damit gehört er bei den Blauen zu den Top-Verdienern. Vor allem, wenn man seinen Stundenlohn ausrechnet. Bislang kam er in vier Bundesligapartien auf elf Minuten. Bei Schalkes 0:2-Niederlage gegen Hoffenheim schickte ihn Trainer Felix Magath in der 79. Minute auf den Platz.

Die MZ erreicht ihn vor dem Spiel in Freiburg (bei Redaktionsschluss nicht beendet) im Spieler­hotel. „Ich bin hierher gekommen, um zu spielen", sagt er fast trotzig. Zumal seine Kollegen ohne ihn einen Katastrophen-Start hinlegten: Vier Spiele, vier Niederlagen, von denen die letzte gegen den Erzrivalen Dortmund besonders schmerzte. Trotzdem will Magath ihn noch nicht bringen.

„Das Unverständnis darüber im Schalker Umfeld ist groß. Der Mann hat 13 Millionen gekostet, da sollte man davon ausgehen, dass er Fußball spielen kann", sagt Timo Müller, Schalke-Reporter des „Kicker-Sportmagazins". Sein Kollege, Manni Hendriock von der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", hat dazu auch schon den Cheftrainer befragt. „Magath sagt, dass Jurado der Leidtragende der aktuellen Situation ist." Er sei ein offensiver Mittelfeldspieler und für die Defensive nicht so geeignet. Solange es hinten in der Abwehr wackelt, stünden
Jurados Chancen auf einen Einsatz daher eher schlecht.

Jurados Problem ist auch sein Landsmann Raúl, den Schalke ebenfalls zu Beginn der Saison geholt hat. „Raúl kann spielen, wo er will", hat Magath gesagt. Sprich: Der nicht mehr ganz so spritzige Alt-Star ist gesetzt. Ebenso wie der Holland-Stürmer Jan Klaas Huntelaar oder der bei den Fans sehr beliebte Jefferson Farfan. Wenn dann noch der offensive Jurado zum Einsatz kommt, muss sich Magath hinten schon sehr sicher sein. Dagegen sprechen die momentan neun Gegentore, mehr als zwei pro Spiel.

Schalke-Experte Hendriock führt noch einen anderen Grund ins Feld. „Auf Schalke ist es kein Geheimnis, dass Jurado nicht Magaths Wunschkandidat war. Eigentlich wollte er Zvjezdan Misimovic holen, mit dem er bei Wolfsburg Deutscher Meister geworden war. Laut Magath wäre das die sichere Lösung gewesen." Der VfL Wolfsburg hätte Misimovic jedoch nur für eine hohe Ablöse mit einer Zugabe in Form eines Schalker Top-Spielers vom Schlage eines Jefferson Farfan ziehen lassen. So kam Plan B zum Zug.

Jurado, der Star in der Warteschleife, fühlt sich nach eigenem Bekunden dennoch bislang sehr wohl im Ruhrgebiet. Mit seiner Frau lernt er fleißig Deutsch und die Stadt sei „sehr schön". Meint er Gelsenkirchen? Nein, Jurado wohnt wie sein Landsmann Raúl im 40 Kilometer entfernten Düsseldorf. Beide hatten bislang aber noch keinen Kontakt. „Ich war mit der Haussuche beschäftigt, jetzt ziehen wir erst mal um", sagt Jurado. Begeistert ist der Andalusier auch von den Fans und dem Stadion. „Das ist eine Super-Atmosphäre, das erinnert mich an Madrid. Eigentlich ist alles perfekt, ich muss nur noch spielen", sagt er. Vermissen tut er allerdings Spanien und Mallorca. „Dort hatte ich eine fantastische Zeit", sagt er. Tatsächlich gelang ihm auf der Insel der sportliche Durchbruch.

Sein bislang bestes Spiel in dieser Saison hat José Manuel Jurado am 30. August gemacht, da allerdings noch für Atlético Madrid. Beim 4:0 gegen Sporting Gijón steuerte der Andalusier den ersten Treffer bei und zeigte laut Presse ein „brillantes Spiel". Direkt nach dem Abpfiff verkündete Trainer Quique Sánchez Flores Jurados Wechsel zu Schalke 04. „So ist der Fußball, es kommen unwiderstehliche Angebote für den Club und den Spieler … Es war eine weise Entscheidung für beide Seiten", sagt er. Bislang trifft das nur für eine Seite zu, nämlich Jurados Ex-Club. Der steht auf Platz fünf der Tabelle und hat 13 Millionen mehr auf dem Konto.

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