Der neue Rudy heißt Alex

Bei der U18-Basketball-Europameisterschaft wurde Álex Abrines aus Palma zum besten Spieler des Turniers gewählt und holte mit Spanien den Titel. Jetzt will er bei Unicaja Málaga die nächste Karrierestufe nehmen

11-08-2011  
Ganz geerdet: Álex Abrines auf dem Balkon der elterlichen Wohnung in Palma
Ganz geerdet: Álex Abrines auf dem Balkon der elterlichen Wohnung in Palma Foto: Sebastián Terrassa

JOHANNES KRAYER Basketball-Europameister mit der spanischen U18-Auswahl, wertvollster Spieler des gesamten Turniers: Der gerade 18 Jahre alt gewordene mallorquinische Basketballer Álex Abrines, der bei Unicaja Málaga unter Vertrag steht, erlebt einen traumhaften Sommer. Er ist immer noch fast sprachlos angesichts dessen, was in den vergangenen Wochen über ihn hereingebrochen ist. Erst der Turniersieg, dann das große Interesse an seiner Person. Viele sehen in ihm schon den neuen Rudy Fernández, den Nachfolger also jenes mallorquinischen Basketballprofis, der in der NBA beim Champion Dallas Mavericks unter Vertrag steht. Dort spielt auch Dirk Nowitzki.

Álex Abrines ist noch komplett geerdet, wie ein Besuch in der elterlichen Wohnung nahe den Avenidas in Palma zeigt. „So langsam verstehe ich immerhin, was in den vergangenen Wochen passiert ist", setzt er ganz ruhig an. Das Ziel seiner Mannschaft sei vor dem Turnier nicht gewesen, die Europameisterschaft zu holen. „Aber dann haben wir auf einmal jedes Spiel gewonnen und zum Schluss selbst dran geglaubt, dass es klappen könnte." Er druckst ein wenig herum, anscheinend ist es ihm ­unangenehm, über persönliche Erfolge zu sprechen.

Lieber erzählt er von seinen Eltern, seinen Freunden und seinem kleinen Bruder Marcos (13). „Auch er spielt bei La Salle, dem Club, bei dem ich bis zum Wechsel nach Málaga mein ganzes Leben war, und möchte mir jetzt natürlich nacheifern. Den ganzen Tag läuft er in einem meiner Trikots herum", sagt Álex und grinst über das ganze Gesicht.

Das Basketballspiel ist in der Familie des 1,97 Meter großen Flügelspielers tief verankert. Sein Vater Gabriel Abrines spielte lange Jahre in der höchsten spanischen Liga ACB. Als er so alt war wie Álex heute, ging er bei Real Madrid ein Jahr in die Lehre. Von „Gabi", wie der Vater zu seiner aktiven Zeit in den 90er Jahren genannt wurde, holt sich Sohn Álex die Tipps. „Mein Vater hat mir praktisch alles beigebracht, was ich heute kann. Er hat so viel Erfahrung und versteht die Welt des Basketballs wie wenige andere." Der Vater sei auch sein wichtigster Ansporn. „Wenn ich mal einen schlechten Lauf habe und wenig treffe, dann ruft er mich an und baut mich auf."

Auch seine Mutter Arantxa Redondo hat etwas mit Basketball zu tun, ist Sekretärin des Clubs La Salle. Sie gibt zwar zu, dass sie stolz auf ihren Jungen ist und ihn von der Tribüne aus bei jedem wichtigen Spiel unterstützt, sagt es aber so, als sei die Entwicklung nur die logische Folge einer guten Ausbildung in der Jugend.

Arantxa Redondo hat hautnah mitbekommen, wie der Verein aus Palma ihren Sohn hat ziehen lassen müssen. Das war vor gut einem Jahr. Der kometenhafte Aufstieg des bescheidenen ­mallorquinischen Jungen, der seit seinem vierten Lebensjahr Basketball spielt, begann mit einem Video. Ein Video, das Álex Abrines bei einer Begegnung mit seiner Mannschaft La Salle zeigte. Alex Pérez, Trainer des Teams Es Pla, das an diesem Tag gegen La Salle spielte, schickte das Band an Pepe Laso, eine Koryphäe im Trainergeschäft. Dieser sah sich das Video an und lud Álex zu einem Trainingslager für vielversprechende Talente ein. Unicaja Málaga hatte das Camp organisiert. Schnell erkannten die Trainer dort das Potenzial des jungen Mallorquiners. Málaga zögerte nicht lange und machte Abrines ein Angebot. Und der zu diesem Zeitpunkt gerade mal 16 Jahre alte Junge wagte den Schritt nach Andalusien.

Auch seine Freundin ließ Álex auf Mallorca zurück. „Wir sehen uns seitdem nur noch etwa sechsmal im Jahr, und natürlich jetzt in meinen Ferien", bedauert er. Noch bis zum 15. August darf er sich von den Strapazen der Europameisterschaft erholen, dann muss er wieder nach Málaga, um sich auf die kommende Saison vorzubereiten. Die Saison, in der er in der ersten Mannschaft Verantwortung übernehmen soll. Bisher hat der Mallorquiner nämlich nur in der Filialmannschaft von Unicaja, Clínicas Rincón, in der zweiten Liga gespielt. Er selbst gibt sich wie gewohnt bescheiden und sagt: „Ich möchte auch in der kommenden Saison in der zweiten Liga Erfahrung sammeln und vielleicht die ein oder andere Minute bei Unicaja Erstliga-Luft schnuppern."

Die Chefs beim Euro-League-Teilnehmer Málaga sehen das allerdings anders. Ramón García, der die Jugendmannschaften koordiniert, rechnet fest mit Abrines in der ersten Liga. „Er ist ein sehr fleißiger und intelligenter Junge. Wir haben riesiges Vertrauen in ihn und sehen, dass er ein sehr großes Potenzial hat." Bereits in der vergangenen Saison sei er der jüngste Spieler der gesamten zweiten Liga gewesen. Trotzdem gehörte er mit durchschnittlich 16 Minuten Einsatzzeit zum gesetzten Kader des Teams. García ist restlos überzeugt von seinem Sprössling und sagt: „Ich hoffe, er bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden und vor allem, dass er für immer in Málaga spielt."

Auch Álex hat nicht vor, so schnell die Stadt an der Costa del Sol zu verlassen. „Eines meiner Vorbilder ist Berni Rodríguez, der in Málaga geboren ist, dort die gesamte Jugend gespielt hat, dann in die erste Mannschaft vorgerückt ist und inzwischen mit 31 Jahren noch immer dort spielt."

So viel Verbundenheit in so jungen Jahren? Für einen Mallorquiner ist es sicher nicht ganz einfach, so weit von der Familie entfernt zu leben. „Das stimmt, irgendwann möchte ich auf jeden Fall wieder auf die Insel zurückkehren. Das ist der Ort, an dem ich leben will, nach meiner Karriere."

Aber auch sportlich könnte es in absehbarer Zeit ja wieder reizvoll sein, auf die Insel zu kommen. Wenn Zweitligist Basquet Mallorca in einigen Jahren den Sprung in die erste Liga schaffen sollte. „Warum nicht?", sagt Álex Abrines. „Dann könnte ich mir schon eine schnellere Rückkehr vorstellen."

In der Printausgabe vom 11. August (Nummer 588) lesen Sie außerdem:
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