Der neue Trainer von Real Mallorca: Der Effekt Caparrós

Caparrós pflegt einen anderen Stil als sein Vorgänger. Punktgewinn gegen Valencia

20-10-2011  
Voller Einsatz an der Grenze der Trainerzone: Joaquín Caparrós
Voller Einsatz an der Grenze der Trainerzone: Joaquín Caparrós Foto: Massuti

JOHANNES KRAYER Joaquín Caparrós führt sich zuweilen am Spielfeldrand wie ein Rumpelstilzchen auf. So viel war vor seinem ersten Auftritt als neuer Trainer von Real Mallorca schon bekannt. Was die Mannschaft und die Zuschauer am Samstagabend (15.10.) beim 1:1 gegen den FC Valencia dann geboten bekamen, war an Intensität und Engagement jedoch noch weit mehr, als man vermuten durfte. Immerhin scheint sein andalusisches Temperament schon beim Team anzuschlagen: Real Mallorca sicherte sich vor 14.000 Zuschauern im Stadion Son Moix durch einen Foulelfmeter kurz vor Schluss einen wichtigen Punkt im Kampf um den Klassenerhalt.

Caparrós war bei seinem Debüt an seinem 56. Geburtstag sichtlich nervös. Schließlich hatte er wegen der Länderspielpause zehn Tage auf das erste Punktspiel warten müssen. Die Anspannung stieg von Tag zu Tag und löste sich erst mit dem Anpfiff des Schiedsrichters. Bereits nach einer Minute hielt es Caparrós nicht mehr auf seiner Bank, weil Valencia die erste Chance zur Führung vergeben hatte. Von da an streifte er an der Seitenlinie entlang, rastlos wie ein Raubtier im Käfig. Sein Vorgänger Michael Laudrup hatte für gewöhnlich die 90 Minuten im Sitzen verbracht. Höchstens für Einwechslungen hatte er sich erhoben, Tore wurden meist still oder gar nicht gefeiert.

Der neue Trainer ist das genaue Gegenteil des oft als „unterkühlt" bezeichneten Dänen. Er redete in einer Tour auf den vierten Schiedsrichter ein, der fortlaufend versuchte, den Coach in dessen markierte Trainerzone zu drängen. Doch das war Caparrós offenbar egal, er bewegte sich die meiste Zeit außerhalb seiner Coaching Area. Er dirigierte nicht nur seine Fußballer mit energischen Handzeichen, sondern setzte sogar die Balljungen unter Druck, den Ball schneller herbeizuholen.

Vor der Pause war die Partie recht langweilig vor sich hingeplätschert. Valencia hatte einige gute Möglichkeiten, vor allem bei Standardsituationen. Nach einem Eckball gelang den Gästen in der 38. Minute der Führungstreffer. Ausgerechnet Torwart Aouate, bis dahin einer der besten Spieler von Real Mallorca in der laufenden Saison, war bei der Ecke nicht im Bilde, und Valencias Verteidiger Rami nutzte die Unaufmerksamkeit zu einem Abstauber aus kurzer Distanz. Die Halbzeitansprache dürfte dann deftig gewesen sein, denn Mallorca kam wie verwandelt aus der Kabine. Jetzt zeigte sich die Handschrift von Caparrós.

Die Hausherren gaben keinen Ball verloren, bauten Druck auf und setzten sich in der gegnerischen Hälfte fest. Klare Torchancen sprangen aber kaum heraus. Valencia spielte ab der 50. Minute auf Zeit, für eine Spitzenmannschaft ein Armutszeugnis. Die Gäste hatten in der gesamten zweiten Halbzeit keine einzige Offensivaktion und kassierten verdientermaßen den Ausgleich. In der Nachspielzeit sprang der Ball im Strafraum an die Hand von Topal, den Elfmeter schoss der Israeli Tomer Hemed platziert ins linke Eck – bereits sein dritter erfolgreicher Strafstoß in dieser Saison.

Aber selbst nach dem Ausgleich war Caparrós keine Spur ruhiger. Er trieb seine Leute weiter an, auf den Siegtreffer zu drängen. Zeit war dafür aber nicht mehr. Fazit: Caparrós´ Einstand war sehr vielversprechend.

Sportlich geht es also anscheinend aufwärts, und auch wirtschaftlich tut sich was: Der Club, der im Mai 2010 freiwillig Insolvenz angemeldet hatte, hat jetzt dem Gericht einen Entschuldungsplan präsentiert, der den Gläubigern im Rahmen einer Generalversammlung am 13. Dezember vorgelegt werden soll. Sollten die Gläubiger den Plan durchwinken, könnte der Verein seine wirtschaftlichen Entscheidungen wieder eigenständig treffen und müsste nicht mehr zuvor die Insolvenzverwalter konsultieren. Der Plan sieht vor, dass Mallorca die Hälfte der Schulden erlassen werden. Zudem sollen private Gläubiger innerhalb der kommenden fünf Jahre ihr Geld erhalten, öffentliche Gläubiger wie das Finanzamt innerhalb von zehn Jahren. 2023 soll der Club demnach schuldenfrei sein.

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